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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1992

Während die Hockeydamen des RRK in der Rückrunde der Hallen-Bundesliga Süd schnurstracks auf die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft zulaufen, bereitet die Hockeyabteilung des RRK unter Cheforganisator Martin Müller für Mitte Februar die Ausrichtung des Hallenhockey-Europacups in der Rüsselsheimer Walter-Köbel-Halle vor, den Wettstreit der vermeintlich acht besten Vereinsteams in Europa. Probleme bereitet eigentlich nur die wirtschaftliche Seite, da man an den drei Tagen zusammen 1.000 Zuschauer zur Kostendeckung benötigt.

Die Hockeyherren spielen in der Regionalliga mit unterschiedlichem Erfolg, so dass die Entscheidung über die Teilnahme an der Aufstiegsrunde erst am letzten Spieltag fällt. Der SC Frankfurt 1880 und der RRK trennen sich 8:8, dieses Ergebnis sichert beiden Mannschaften die Bundesliga-Aufstiegsrunde.

Am gleichen Wochenende, von Freitag bis Sonntag, ist die heimische Walter-Köbel-Halle Austragungsort des Europacups der Landesmeister. Die Damen des RRK sind "wild entschlossen", den 1991 in Amiens gewonnenen Pokal zu verteidigen. Als Titelverteidiger und obendrein mit Heimvorteil ausgestattet trägt der RRK natürlich auch die Favoritenbürde.

Schon in der Vorrunde zeigen die RRK-Damen mit einem 5:1 über den SC Amiens, einem 14:2 über Grasshopper Zürich und einem 10:1 über Atletico Madrid, was Sache ist. Im Halbfinale folgt ein 5:1-Sieg über den holländischen Meister vom GHHC Groningen und der RRK steht eigentlich erwartungsgemäß im Finale. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Mit einer makellosen Weste den Europacup verteidigt

Hockeydamen des RRK werden Favoritenrolle gerecht / 8:3-Finalsieg über Atletico Madrid / Bei der DM wird's schwerer

Sonntag nachmittag, kurz vor halb fünf in der Köbel-Halle: Zwischen Sektdusche und Siegerehrung stimmen zwölf überglückliche Hockey-Damen ihren Siegesgesang an: "Olé, olé, olé, ola – der RRK ist wieder da". Der Funke springt sofort über: Rund 800 begeisterte Zuschauer klatschen rhythmisch in die Hände und feiern den neuen Europacupsieger, der genauso heißt, wie der alte – Rüsselsheimer RK.

Die Gastgeberinnen waren kurz zuvor ihrer Favoritenrolle auch im Endspiel dieses dritten Kräftemessens der besten acht europäischen Hallen-Vereinsteams gerecht geworden. Spaniens Titelträger Atletico Madrid besaß beim 3:8 (1:3) nicht den Hauch einer Chance. Die sympathischen Spanierinnen wurmte die Niederlage indes nicht: Sie feierten und sangen ausgelassen, so als hätten sie selbst den begehrten Wanderpokal gewonnen, was der Siegeszeremonie eine besondere Note verlieh.

Dass der Ruder-Klub seinen Triumph von Amiens (Frankreich) nun in eigener Halle wiederholen konnte, war unstrittig völlig verdient. Wurde der Vorjahreserfolg noch durch eine Punkteteilung im Gruppenspiel gegen Brandenburg "getrübt", blieb die Weste des RRK diesmal völlig makellos. Die knappsten Siege in den fünf Begegnungen bis zur neuerlichen Thronbesteigung gab es in der Vorrunde gegen Amiens sowie im Halbfinale gegen Groningen (jeweils 5:1). Andererseits muss man kein Prophet sein, dass sich die RRK-Damen für die bevorstehende Verteidigung des nationalen Meistertitels ungleich wärmer anziehen müssen. Bestenfalls die vier Halbfinalisten – Glasgow besiegte Groningen im Spiel um Platz drei 2:1 – boten deutsches Erstliganiveau. Dem RRK kann dies freilich schnuppe sein: Er wird, unabhängig vom Abschneiden bei der DM in Braunschweig, auch im nächsten Jahr am Europapokal-Wettbewerb teilnehmen. Einen Wermutstropfen gab es aber trotzdem: Ausrichter RRK verfehlte die erforderlichen 1.000 zahlenden Zuschauer zur Kostendeckung. Da traf es sich gut, dass die RRK-Damen erneut gewannen und eine Sonderprämie des Sponsors fällig wird ...

Siegerehrung für die RRK-Damen: "Der Pott bleibt im RRK!" Mannschaftsführerin Eva Hagenbäumer nimmt den Pokal entgegen.

Überschäumende Freude über die gelungene Europacup-Verteidigung bei Eva Hagenbäumer und Bianca Weiß

Europas alte und neue "Nr. Eins" im Hallenhockey, die Damen des RRK, nach 8:3 im Finale über Atletico Madrid (hinten: Trainer Berti Rauth, Masseur Pit Bulajic, Britta Becker, Katrin Schmidt, Sabine Lersch, Tanja Dickenscheid, Betreuer Thomas Blivier, Hockey-Abteilungsleiter Fritz Schneider; vorn: Ramona Münze, Marja Busch, Bianca Weiß, Eva Hagenbäumer, Angela Müller, Anja Mück, Denise Klecker; es fehlt: Stefanie Rinderer)

Bereits eine Woche nach dem Europacup müssen die RRK-Damen nach Braunschweig reisen, die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft im Hallenhockey steht an. Und die RRK-Damen haben eine schwere Last zu schleppen, eine Last an der schon so mancher arg zu knabbern hatte – die Bürde des Favoriten. Auf dem Weg ins Finale hat es der RRK zunächst mit dem Überraschungsteilnehmer Klipper Hamburg zu tun, der den höher eingeschätzten DM-Gastgeber Eintracht Braunschweig hinter sich ließ. Mit 12:3 spielt sich der RRK problemlos ins Endspiel. Ulrich Fey schreibt in der "FAZ":

5:3-Erfolg im Endspiel gegen die Titelverteidigerinnen aus Rüsselsheim

Die moderne Variante setzt sich vorerst durch – Berliner Hockey-Club wird deutscher Meister

Die Zeit der Beschaulichkeit ist dahin. Längst sind die klassischen Werte im Hockey umstritten. Die Maxime, mit ausdauernd guter Jugendarbeit, verbunden mit tief verwurzelter Vereinstreue, sich einen Platz unter den besten Mannschaften sichern zu können, hat Konkurrenz bekommen. Bieten sich gute Perspektiven, wechseln die Besten dieses Sports heute den Verein – und der kommt viel schneller zum Ziel. Größer hätten die Gegensätze deshalb kaum sein können, die im Endspiel um die deutsche Meisterschaft im Hallenhockey der Damen aufeinander trafen: das Traditionsmodell Rüsselsheimer RK gegen das Produkt der Moderne vom Berliner HC. In der Braunschweiger Tunicahalle hat sich zwar die moderne Variante durchgesetzt, doch entschieden ist für die Zukunft noch nichts. Der Berliner Hockey-Club gewann 5:3 gegen den Titelverteidiger.

Einer spricht, alle hören zu: Trainer Berti Rauth ist beim RRK auch vor dem DM-Finale Wortführer (Eva Hagenbäumer, Britta Becker, Anja Mück, Sabine Lersch, Denise Klecker, Angela Müller, Berti Rauth, Thomas Blivier)

Die Routine und Zweikampfstärke des zweimaligen Europapokalsiegers aus Hessen genügte gegen den mit mehr Freude am Spiel auftretenden Außenseiter nicht. Enorm flink und mit schnellen Kombinationen, an denen besonders Anke Wild und Silke Wehrmeister beteiligt waren, überforderten die Berlinerinnen ihre Gegnerinnen. Die dominierende Kraft in der Nordgruppe der Bundesliga hat alle Möglichkeiten, den etablierten Hallenmannschaften aus Rüsselsheim und Leverkusen ihre führende Rolle streitig zu machen.

Der Konflikt im Hockey ist indessen tief und geht weit über den Gegensatz dieser beiden Mannschaften hinaus. Denn die Damen betreiben das schnelle Spiel in der Halle in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Sowohl in der Nord- wie in der Südgruppe liegen Hockeywelten zwischen den ersten und den letzten vier Vereinen. Nur ein einziges Mal innerhalb von 64 Spielen beider Bundesligagruppen konnte ein Team der Schwachen eines aus der besseren Hälfte schlagen. Ansonsten war die Überlegenheit der Spitzenmannschaften erdrückend und schlug sich zur Hälfte gar in zweistelligen Siegen nieder. Um dieses Dilemma zu beenden, sehen die einen nur die Chance in einer einteiligen Bundesliga. Nur so könne das Niveau langfristig gehoben werden. Die Gegner dieser Lösung sehen in einer verkleinerten, einteiligen Bundesliga erst den Beginn eines viel größeren Dilemmas: Hallenhockey, nur auf wenige Zentren verteilt, würde die Nachwuchsförderung und damit den Sport langfristig ruinieren.

Es liegt nahe, dass die Trainer der beiden Finalteilnehmer von Braunschweig, der Rüsselsheimer Berti Rauth und der Berliner Frank Hänel, sich hier unversöhnlich gegenüberstehen. Rauth hat in der überschaubaren Stadt Rüsselsheim mit viel Einsatz in jahrelanger Kleinarbeit eine erstklassige Mannschaft geformt, deren Mitglieder mitunter als Kinder bei ihm begonnen haben, Hockey zu spielen. Der Verein aus der Weltstadt Berlin ist einen anderen Weg an die Spitze gegangen. Drei Viertel der Spielerinnen sind erst in der höchsten Klasse zum Berliner HC gewechselt: Anke Wild und Annette Laquai kamen aus Rüsselsheim, Silke Wehrmeister vom lange dominierenden Berliner Konkurrenten SC Brandenburg, Torhüterin Birgit Schneider aus Leverkusen und Christine Ferneck aus München. So wandelte sich der einstige Abstiegskandidat binnen kurzem zum Meister.

Doch auch im Hockey gibt es einen dritten Weg. Diesen repräsentiert Bundestrainer Rüdiger Hänel. Der Dreiunddreißigjährige, Vereinstrainer von RTHC Leverkusen, im Halbfinale der Mannschaft seines Bruders Frank unterlegen, sieht das Kernproblem nicht in der Frage ein- oder zweiteilige Erste Liga. Denn viele Entwicklungen, die manche in der Zukunft erwarten, haben schon lange begonnen. Schon jetzt spielen fast alle Nationalspielerinnen in Rüsselsheim, Leverkusen oder bei Eintracht Braunschweig. Schon jetzt ist den Spielerinnen die Vereinstreue nicht mehr das höchste Gut. Dennoch: Durch einen schnellen strukturellen Schnitt würde die Entwicklung einseitig gefördert. "Die schwachen Mannschaften einfach rauszuwerfen ist keine Lösung", sagt Hänel. Die Wurzel allen Übels sieht er in den Trainern. Viele hätten die Entwicklung im Hockey verpasst, seien bei den gestiegenen Ansprüchen überfordert. Frühere Bundestrainer – wobei er seinen Vorgänger Lissek ausnimmt, hätten es zudem verpasst, die Anforderungen der Moderne zu vermitteln. Das alles will Rüdiger Hänel jetzt nachholen. In drei, vier Jahren rechnet er mit ersten Erfolgen. Dann stellt sich die Frage nach mehr oder weniger Damenmannschaften in der höchsten deutschen Klasse vielleicht ganz neu.

Die "FAZ" unkt: "Hockeyfanatiker Rauth erreicht seine Grenze. Das dirigistische RRK-System hat verloren." Doch die RRK-Damen sind Deutscher Vizemeister, das ist doch auch etwas.

Wieder eine Woche später stehen die RRK-Herren im Mittelpunkt des Geschehens, die Aufstiegsrunde, wie schon 1991 wieder in Mannheim, soll den RRK wieder in die Bundesliga bringen. Der RRK spielt mit Thomas Susenburger, Holger Klein, Dr. Christoph Krehl, Fritz Schmidt jr., Gerrit Rothengatter, Volker Schädel, Jens George, Holger Kraft und Glenn Eifert. Wir zitieren Martin Krieger in der "Main-Spitze":

Der RRK kommt auf keinen grünen Zweig

Aufstiegsträume der Hockey-Männer trotz guter Leistungen zum dritten Male unerfüllt / Leverkusen oben

Es bleibt dabei: Rüsselsheims Hockey-Männer kommen in der Sporthalle Schwetzingerstadt in Mannheim auf keinen grünen Zweig. Zumindest dann nicht, wenn dort ein Aufstiegsrunden-Turnier zur Bundesliga übers Parkett läuft. Zweimal bereits, genauer gesagt 1985 und 1991, hatte sich die über einem Parkhaus gelegene Sportstätte aus Rüsselsheimer Sicht als ungutes Pflaster erwiesen – seit dem zurückliegenden Wochenende ist diese traurige Geschichte um ein Kapitel reicher. Die letzten, nach der 9:10-Auftaktniederlage gegen Leverkusen ohnehin nur noch vagen Hoffnungen sanken bereits am Samstag auf den Nullpunkt, als der RRK auch sein zweites Spiel gegen Südmeister SC Frankfurt 1880 verlor. Beim 7:11 (4:6) bot der Ruder-Klub erneut eine starke Vorstellung und wurde deutlich unter Wert geschlagen, so dass das Team trotz des vorzeitigen Knockouts im Aufstiegsrennen zumindest nicht gesenkten Hauptes herumlaufen musste.

Den guten Gesamteindruck konnte auch die 9:10(4:6)-Niederlage im bedeutungslos gewordenen Spiel gegen THC Hanau nicht schmälern, die dem RRK allerdings die "rote Laterne" im Endklassement bescherte. Zudem verpasste es der Ruder-Klub, sich im Hinblick auf den Saisonstart in der Zweiten Bundesliga einen psychologischen Vorteil zu verschaffen. Denn: Die Freiluftspielzeit beginnt am 12. April für den RRK ausgerechnet in Hanau.

Während die Ib-Teams, Damen wie Herren, in der Rückrunde auf Meisterkurs sind, geht es für die Dritten Herren um die Existenz. Am Ende der Runde sind die Ib-Herren mit 14:2 Punkten Meister der 2. Verbandsliga und steigen in die 1. Verbandsliga auf. Und auch die Ib-Damen sichern sich mit 16:0 Punkten die Meisterschaft in der 1. Verbandsliga und damit den Aufstieg in die Oberliga. Die Dritten Herren belegen in der 3. Verbandsliga den vorletzten Tabellenplatz. Im Seniorenpokal kommt der RRK hinter Offenbach und Limburg auf den 3. Platz.

Von den Jugendmannschaften des RRK werden die weibliche Jugend, die B-Mädchen, die männliche B-Jugend und die B-Knaben Hessenmeister, die männliche A-Jugend und die A-Knaben können die Vizemeisterschaft erringen. Die A-Mädchen belegen den 3. Platz. Bei den Süddeutschen Meisterschaften in Böblingen wird die weibliche Jugend Meister, in Mannheim wird die B-Jugend Vizemeister, die A-Knaben belegen in München den 8 und letzten Platz.

Hessischer Vizemeister in der Halle 1992, die A-Knaben des RRK (hinten: Axel Groth, Simon Reiss, Nico Hosang, Patrick Birkicht, Jürgen Stuhlträger, Denis Wohlfahrt, Christian Domke, Betreuer Edgar Wohlfahrt; vorn: Martin Ehrhardt, Torsten Naß, Holger Gerlach, Rene Kolb)

Deutscher Vizemeister in der Halle 1992, die weibliche Jugend des RRK (hinten: Petra Vollhardt, Lisa Jacobi, Nicole Hardt, Sina Fröhlich, Katrin Gerlach, Stefanie Niggemann, Betreuer Kurt Becker; vorn: Stefanie Rinderer, Maren Boye, Sybille Breivogel, Birgit Kühn; es fehlt: Marja Busch)

Damit sind weibliche Jugend und männliche B-Jugend für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Die männliche B-Jugend fährt zur Endrunde nach Mannheim, hat in der Vorrunde keine Probleme und trifft im Halbfinale erneut auf den Münchener SC (bereits im Finale der "Süddeutschen" gab es eine 2:5-Niederlage). Auch hier scheitert der RRK an dieser Mannschaft, allerdings in einem hochdramatischen Spiel erst im Siebenmeter-Schießen. Im Spiel um Platz drei wird der Crefelder HTC mit 10:2 "abgefertigt", das bedeutet "Bronze". Etwas besser kann sich die weibliche Jugend bei ihrer Endrunde in Hamburg verkaufen, obwohl Britte Becker wegen eines Nationalmannschafts-Lehrgangs und Angela Vögele aus Unlust fehlen. Nach zwei Siegen und einem Unentschieden in der Vorrunde, kann "Erzrivale" RTHC Leverkusen im Halbfinale mit 3:2 niedergehalten werden. Im Endspiel allerdings scheitert die von Kurt Becker betreute Mannschaft mit 3:5 (2:2) etwas unglücklich an Eintracht Braunschweig. Das ist "Silber", die Vizemeisterschaft!

Die neue Pächterfamilie der Bootshaus-Gaststätte mit Stipe und Anđa Ivancic, Ante Ancic sowie Milan Ivancic

Bevor es in die Feldsaison geht, ehrt der RRK die erfolgreichen Hockey-Mannschaften der Hallensaison 1991/92 bei einer Meisterfeier Ende März im Adlersaal. Von der Hessenmeisterschaft aufwärts bis zum Europacup werden die Teams den anwesenden Mitgliedern und Gästen vorgestellt und ausgezeichnet.

Die Ruderer des RRK treffen sich anfangs März zu ihrer Hauptversammlung. Die anstehenden Neuwahlen ergeben nur wenig Änderungen. Abteilungsleiter Rudi Reitz und die meisten Mitstreiter stellen sich der Wahl und werden erneut gewählt. Ein großes Problem ist weiterhin der fehlende Rudernachwuchs, jedoch besteht durch Verpflichtung eines neuen Übungsleiters für das Schulrudern, Matthias Koerwer, die Hoffnung auf Besserung.

Bei der Hauptversammlung der Hockeyabteilung Mitte März spielt der Rückblick auf die großen Erfolge der Mannschaften die Hauptrolle. Aber auch die Intensivierung der Jugendarbeit sowie die finanzielle Situation sind Themen. Wahlen finden keine statt.

Eine Woche später trifft sich der RRK zur Generalversammlung mit Neuwahlen des Gesamtvorstands. Die Berichte des 1. Vorsitzenden, des Schatzmeisters und der Abteilungsleiter zeugen von solider Arbeit und großen sportlichen Erfolgen. Bei den Neuwahlen gibt es keine Überraschungen, der Gesamtvorstand wird im großen und ganzen unverändert wiedergewählt. Um die Eintrittsschwelle in den RRK für Jugendliche zu senken, werden die Aufnahmegebühren gesenkt.

Zum 31. März 1992 kündigt der Pächter der Bootshaus-Gaststätte Ante Grubisic nach sechs Jahren seinen Vertrag mit der Brauerei aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen. Sein Nachfolger als Gastronom des "Bootshauses" wird Milan Ivancic mit Frau Anđa und Sohn Stipe.

Nach der Winterarbeit im Kraftraum, beim Laufen, auf dem Ergometer und am Wochenende auf dem Wasser bereiten sich die Ruderer 1992 mit Trainer Günter Müller in einem Trainingslager vor Ostern auf die Regattasaison vor; jedoch nicht auf dem schon traditionellen Lago di Varese wird mehrmals täglich gerudert sondern auf dem heimischen Main. Nach der Langstreckenregatta in Offenbach (nur Platzierungen) wird die Rudersaison anfangs Mai beim Anrudern unter fast winterlichen Verhältnissen eröffnet. Im Mittelpunkt steht die Taufe von drei neuen Booten, die durch private Spenden wie auch öffentliche Zuschüsse finanziert werden konnten. Die "Main-Spitze" schreibt:

Da konnten Korken knallen

Dreifache Bootstaufe beim RRK / Saisonstart

Mit hohen Gästen, feierlichen Worten und knallenden Sektkorken feierte der RRK am Samstag dreifache Bootstaufe. Auf dem Rasen vor dem Vereinshaus des Ruder-Klubs warteten die drei Neuzugänge – ein Einer, ein Zweier und ein Achter – auf ihre erste Fahrt. Durch private Spendengelder sowie Zuschüsse von Stadt und Landessportbund konnte der Bootspark auf erfreuliche Weise aufgestockt werden, so RRK-Vorsitzender Klausen in seiner "Taufrede".

Eine solche Anschaffung sei für den Verein lebensnotwendig, denn besonders der Breitensport werde von den neuen Booten profitieren, erklärte er. Der Einer jedoch wurde zum Renneinsatz der Aktiven angeschafft. Insgesamt stehen dem Ruder-Klub nun etwa 55 Boote zur Verfügung, sowohl für den Breitensport, als auch für Renneinsätze. Weiterhin freute sich der Vorsitzende über den städtischen Zuschuss zur dringend notwendigen Überholung der Boote für den Schulsport der Rüsselsheimer Gymnasien.

Als Ehrengäste hatte sich zur Bootstaufe der Landtagsabgeordnete Martin Schlappner sowie Jakob Marx und Norbert Weil als Vertreter des städtischen Sportausschusses und des Stadtverbandes für Leibesübungen eingefunden.

"Allzeit gute Fahrt" für den neuen Gig-Achter "Mir friehjer"  wünschen
RRK-Schatzmeister Wilfried Hoffmann und Ruder-Abteilungsleiter Rudi Reitz

Rudi Reitz hilft Erika Passing bei der Taufe des Gig-Zweiers "Atömchen",
Spitzname des Spenders und ihres Ehemanns Prof. Dr. Reinhard Passing

Die alten Herren und die Jugend standen mit erhobenen Rudern Spalier, als Heinz Sauer, Namensgeber und Spender des Einers mit der Sektflasche zur Tat schritt. Er begründete seine Spende mit der hervorragenden Jugendarbeit, die der RRK leiste und gab dem Boot den Wunsch mit auf den Weg, "es solle immer noch eine Handvoll Wasser unterm Kiel sein!" Der Zweier wurde von Erika Passing auf den Namen "Atömchen" getauft und der Achter geht mit dem Namensvorschlag der alten Herren, "Mir Friehjer", als "echter Rüsselsheimer" auf Fahrt. Die Namensfindung sei schwieriger gewesen, als die Finanzierung, fand Taufpate Wilfried Hoffmann und enttarnte die ungewöhnliche Benennung als traditionellen Beginn vieler Stammtischgespräche der Altruderer.

Nach der Taufe gab der Leiter der Ruderabteilung, Rudi Reitz, den Startschuss für die neue Rudersaison.

Nachdem die Flörsheimer Regatta wegen zu geringer Beteiligung ausfällt, findet der erste Test der Saison auf der Normalstrecke bei der DRV-Juniorenregatta in München statt. Gegen starke deutsche und internationale Konkurrenz können Marcel Falb und Martin Kraft im Einer gute Platzierungen errudern. Vierzehn Tage später folgen die Hessenmeisterschaften. Martin Kraft kommt nicht ins Finale, im Doppelvierer mit Stm. erreichen Sascha Rachow, Hans-Peter Wagner, Alex Skoruppa, Marcel Falb und Stm. Maximilian Otto nach einem Vorlaufsieg das Finale und hier trotz zweier "Krebse" den 4. Rang. Das beste Ergebnis aber, eine Bronzemedaille, erkämpfen sich Hans-Peter-Wagner und Marcel Falb im Junior-Doppelzweier. Am gleichen Wochenende rudern Heinz Grittner und Michael Schindler in Heidelberg, jedoch nur zweite Plätze. 

Es folgt die Gießener Pfingstregatta, wo der RRK zwölfmal am Startnachen anlegt. Neunmal geht die Spitze eines RRK-Bootes (Einer oder Doppelzweier) als erste über die Ziellinie (Martin Kraft 4 Siege, Sascha Rachow 4, Hans-Peter Wagner 2, Marcel Falb 1). Dann startet Michael Schindler auf der Turfschippersregatta im holländischen Breda über 50 km und siegt im Einer bei fünf Gegnern nach 4h 10min 22sec. Anschließend gehen die Männer nach Mainz, die Junioren zur Deutschen Jugendmeisterschaft nach Essen, wo Martin Kraft und der Doppelvierer, allerdings in der neuen Besetzung mit Sascha Lenz, Hans-Peter Wagner, Martin Wagner, Marcel Falb und Stm. Danny Schmalkuche (kurzfristige Umbesetzung, weil Beurlaubung durch Schule versagt wird), starten. Martin Kraft muss im Hoffnungslauf schon passen, der Vierer rudert sich über den Vorlauf ins Halbfinale, doch das Finale ist nicht erreichbar.

Martin Kraft bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1992

Der RRK-Doppelvierer bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1992 auf dem Essener Baldeneysee vor dem Halbfinale (Marcel Falb, Martin Wagner (etwas verdeckt), Hans-Peter Wagner (etwas verdeckt), Sascha Lenz, Trainer Günter Müller und Stm. Danny Schmalkuche)

Nach dem Sieg im "Roseninselachter" auf dem Starnberger See über 12 km lassen sich die "Masters" des RRK eine bayerische Maß schmecken (Dietmar Ostermai, Rudi Reitz, Ulrich Vorfalt, Jochen Zimmermann, Werner Alt, Klaus Hartmann, Wolfgang Vorfalt, Wilfried Hoffmann, Steuerfrau Heike Leisegang)

Zählbare Erfolge für die RRK-Ruderer bringen die Herbstregatten auf der Kurzstrecke. In Mühleim (9 Siege) gewinnt der RRK als erfolgreichster Verein den "Jugend-Pokal", in Limburg gewinnt Michael Schindler zwei Einerrennen, 10 Siege holt sich der RRK in Schierstein, 12 in Großauheim und 1 in Bad Waldsee. Im Oktober folgen noch zwei Langstreckenregatten, die AHs siegen beim Roseninselachter in Starnberg über 12 km und Michael Schindler im Einer bei "Rund um Lüttich" über 62 km. Am Ende hat der RRK 46 Regattasiege im Jahr 1992 eingefahren. Erfolgreichster Ruderer nach der Zahl der Siege ist Sascha Rachow mit 13 Siegen.

Einige Teilnehmer der RaB-RRK-Ruderwanderfahrt 1992 auf dem Main von Bamberg nach Kitzingen (Karl-Heinz Wagner, Wolfgang Gummersbach, Dieter Lang, Rudi Reitz, Rudolf Müller, Klaus Jeske, Ragnar Otto, Dr. Dietmar Klausen, Wilfried Hoffmann, Karlheinz Ampütte)

Zwischenzeitlich gehen die Ruderfreunde von RaB und RRK im Juni auf Ruderwanderfahrt. Sechzehn RRKler und fast ebenso viele RaBler rudern in fünf Gigvierern auf dem Main von Bamberg nach Kitzingen und legen an den drei Rudertagen 105 km zurück.

Das traditionelle Abrudern beendet im Oktober die Regattasaison des Jahres 1992. Einer-Klubmeister im Vier-Boote-Feld wird Martin Kraft vor Marcel Falb und Martin Wagner.

Die Feldsaison der RRK-Hockeyspieler beginnt im April. Im vorläufigen Olympiakader für Barcelona stehen die RRK-Damen Bianca Weiß, Tanja Dickenscheid, Britta Becker, Eva Hagenbäumer und Susanne Müller sowie RRK-Keeper Christopher Reitz. Der 22-jährige Peter Oberhaus wird vom DHB ab der Freiluftsaison 1992 als Schiedsrichter für Damenspiele in der Bundesliga nominiert. Bei den RRK-Herren haben sich Dr. Christoph Krehl aus Altersgründen und Gerrit Rothengatter wegen seines Wechsels zu Lazio Rom verabschiedet, dafür werden die Jugendlichen Torben Stalmach und Björn Emmerling integriert. Die RRK-Damen haben internationale Verstärkung durch die Niederländerin Marloes Rhebergen erhalten.

In der Damen-Bundesliga spielt der RRK eine starke Runde, verliert allerdings unglücklich bei Eintracht Frankfurt und beim Berliner HC, am Ende haben diese drei Vereine je 22:6 Punkte, das Torverhältnis entscheidet über den Einzug in die Endrunde, der RRK und Eintracht Frankfurt schaffen es. Für die RRK-Herren hebt sich nach zwanzigjähriger Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga der Vorhang zur ersten Freiluftsaison in der Zweitklassigkeit. Man spielt eine durchaus akzeptable Runde und steht nach 16 Spielen mit 18:14 Punkten auf dem 4. Tabellenplatz.

Die Punktrunden in den Ligen werden ab Ende Juli wegen der Olympischen Spiele in Barcelona unterbrochen. Die in den vorläufigen Kadern nominierten sechs RRKler sind auch im endgültigen Aufgebot. In überzeugender Manier zieht die Damen-Nationalmannschaft ins Halbfinale ein, schlagen Großbritannien mit 2:1 und stehen im Endspiel. In einem dramatischen Finale gegen Gastgeber Spanien, das erst in der Verlängerung entschieden wird, verliert Deutschland mit 2:1 (1:1, 1:1) und "gewinnt" die Silbermedaille. Noch besser macht es die Herren-Nationalmannschaft; trotz teils schwacher Leistung in der Vorrunde steht sie im Halbfinale gegen Pakistan, bezwingt diesen starken Gegner mit einer großen Energieleistung in der Verlängerung mit 2:1 (1:1, 0:1) und trifft im Finale auf Australien. Zwanzig Jahre nach dem Olympiasieg in München gelingt mit dem 2:1-Sieg über Australien zum zweiten Mal einer deutschen Mannschaft die höchste "olympische Weihe", der Gewinn der Goldmedaille.

Olympia-Erfolge werfen Glanz auch auf die Stadt

Empfang im Rathaus: Selbst OB kennt Lampenfieber

Auch ein Oberbürgermeister kennt das Lampenfieber. Norbert Winterstein, der im großen Sitzungssaal des Rathauses die acht Rüsselsheimer Olympiateilnehmer willkommen hieß, vergaß bei der Vorstellung der sechs jungen Damen und zwei jungen Herren, Christopher Reitz zu nennen. Ausgerechnet den einzigen Sportler der Stadt, der mit einer Goldmedaille aus Barcelona heimgekehrt war. Es bedurfte einer Einflüsterung von Sportamtsleiter Dieter Nachtigall. Doch Reitz, seines Zeichen Torhüter des Hockey-Zweitligisten Rüsselsheimer RK, nahm's angesichts seines sportlichen Erfolges gelassen.

Empfang im Rathaus für Rüsselsheims Olympioniken: Christopher Reitz, Bianca Weiß, Susanne Müller, Eva Hagenbäumer, Tanja Dickenscheid, Britta Becker, Kerstin Emich und Daniel Lascau

Dennoch verlief der Empfang insgesamt im gewohnt feierlichen Rahmen ab. Nicht zuletzt aufgrund der musikalischen Eröffnung durch Monica Gutmann. Sie stimmte die Anwesenden mit dem Klavierstück "Impromptu" (Opus 90, Nummer 3) von Franz Schubert ein.

Norbert Winterstein bedankte sich im Namen der städtischen Körperschaften für die schönen Erfolge bei Christopher Reitz (Gold), Britta Becker, Tanja Dickenscheid, Eva Hagenbäumer, Susanne Müller, Bianca Weiß (alle Silber), Kerstin Emich und Daniel Lascau, auf die alle Daheimgebliebenen sehr stolz seien: "Ihr habt mit Euren Leistungen Glanz auf unsere Stadt geworfen." Man habe am Bildschirm mitgefiebert: "Zählte Fernsehen zum Leistungssport, wären wir sicherlich alle Medaillengewinner geworden."

Das Stadtoberhaupt fand auch tröstende Worte für Kerstin Emich und Daniel Lascau (JC Rüsselsheim), die in Barcelona leer ausgegangen waren: "Kerstin Emich sind die zahlreichen deutschen Meisterschaften nicht zu nehmen und Daniel Lascau bleibt unser Weltmeister. Und schließlich ist der Umstand, überhaupt für die Olympiade nominiert worden zu sein, ein großer Erfolg. Für viele Leute zählt leider nur noch der Sieg."

Den Glückwünschen schlossen sich im Namen der Stadtverordnetenversammlung Inge Wolske, der Vorsitzende des Rüsselsheimer Sportbundes, Norbert Weil, der Leiter des Olympiastützpunktes Frankfurt-Rhein-Main, Werner Schaefer und für die Firma Opel Dietmar Fuchs an. Nachdem alle Blumensträuße und Geschenke übergeben waren, war es kaum noch möglich, den Sportlern und Sportlerinnen die Hand zu schütteln, oder sie gar einmal innig zu herzen, was sich in Anbetracht der sechs jungen Damen doch so mancher gewünscht hatte. Norbert Weil erhaschte immerhin noch ein paar Küsschen.

Die Vereinsvertreter des JC Rüsselsheim, Manfred Liedtke, und des Ruder-Klubs, Dr. Dietmar Klausen, bedankten sich bei der Stadt. Sie habe mit der Schaffung des Umfeldes mit zu den Erfolgen beigetragen. Der erste Vorsitzende des RRK bemerkte aber bezüglich der langwierigen Vorgeschichte um den Kunstrasenplatz im Stadion am Sommerdamm zu Norbert Winterstein gewandt schmunzelnd: "Jetzt haben wir ihn uns sicherlich verdient."

Nachdem sich die Athleten und Athletinnen in das Gästebuch der Stadt eingetragen hatten, wurde bei Sekt und Orangensaft in lockerer Runde noch ein wenig gefeiert.

Finale um die Deutsche Feldhockey-Meisterschaft 1992, RRK gegen RTHC Leverkusen, das der RRK mit 1:0 gewinnt. Hier die spielentscheidende Szene aus dem Finale, die zum Siebenmeter führt (Sybille Breivogel, Denise Klecker, Tanja Dickenscheid), den Britta Becker sicher verwandelt.

Die Spiel-Sport-Spaß-Fete am 30. August 1992 für alle Mitglieder und Freunde des RRK ist nach einigen Jahren erstmals wieder ein gemeinsames Sommerfest der drei Sportarten Hockey, Rudern und Tennis. Mini-Tischtennis, Spielmobil, Volleyball, Rudern auf dem Main, Rudern am Ergometer, Tennis-Rundlauf, Hockey-Torwandschießen – neben sportlichen Aktivitäten und dem Alleinunterhalter "Paul" werden auch lukullische Leckerbissen angeboten, das i-Tüpfelchen der gut frequentierten Veranstaltung.

Einige Tage später wird Denise Klecker, die 20-jährige Abwehrspezialistin des RRK-Damenteams mit der deutschen Juniorinnen-Nationalmannschaft im schottischen Edinburgh durch einen 2:1-Sieg über die Niederlande Europameisterin und tritt damit in die Fußstapfen ihrer berühmten Mannschaftskameradinnen. Bei der Europameisterschaft der Junioren im holländischen Vught steht Christopher Reitz im Tor der deutschen Mannschaft, die durch einen 7:1-Sieg über England die Bronzemedaille gewinnt, Europameister werden die Niederlande.

Die bei internationalen Anlässen erfolgreichen Hockeyspieler werden vom RRK im Rahmen einer Olympia-Fete auf der Terrasse des RRK-Bootshauses geehrt. Der 1. Vorsitzende, Prof. Dr. Dietmar Klausen, verleiht Britta Becker, Tanja Dickenscheid, Eva Hagenbäumer, Susanne Müller, Christopher Reitz und Bianca Weiß die RRK-Leistungsnadel in Gold, Denise Klecker die RRK-Leistungsnadel in Silber.

Anfangs Oktober kommt es bei den Hockeydamen zur Entscheidung. Im heimischen Stadion am Sommerdamm steht dem RRK im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft Eintracht Braunschweig gegenüber. Der RRK hat Probleme, denn seine Medaillengewinnerinnen sind vom Tunesienurlaub der Olympia-Medaillengewinner ("Club der Besten" im Robinson-Club in Djerba) mit "Montezumas Rache" zurückgekehrt. Doch mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung überzeugt der RRK, die 25-jährige Sabine Lersch macht vielleicht das beste Spiel ihres Hockeylebens als "letzte Frau" und am Ende steht es 1:0 für den RRK durch ein Tor von Tanja Dickenscheid. Eine Woche später treffen sich erneut am Rüsselsheimer Sommerdamm der RTHC Leverkusen und der RRK, um die Deutsche Feldhockey-Meisterschaft auszuspielen. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Britta behielt die Nerven – RRK ist Deutscher Meister

Hockeydamen des RRK gewinnen das Finale gegen RTHC Leverkusen vor 1.000 Zuschauern 1:0 / Bertis Geburtstagsgeschenk

Deutscher Feldhockey-Meister 1992, die Damen des RRK (hinten: Betreuer Thomas Blivier, Trainer Berti Rauth, Britta Becker, Sabine Lersch, Denise Klecker, Eva Hagenbäumer, Marloes Rhebergen, Nicole Hardt, Katrin Schmidt, Tanja Dickenscheid, "Physio" Pit Bulajic; vorn: Stefanie Rinderer, Susanne Müller, Anja Mück, Sybille Breivogel, Marja Busch, Bianca Weiß, Petra Vollhardt, Angela Müller)

Der Zeiger der Stadionuhr war gerade auf 16.30 Uhr gesprungen, da gab es kein Halten mehr: Alles, was auf der Bank des Rüsselsheimer RK Beine hatte, stürmte auf den Platz und bildete mit den jubelnden Spielerinnen ein unübersichtliches Knäuel jauchzender Leiber. Der Schlusspfiff der beiden Schiedsrichterinnen, der diese Jubelorgie auslöste, hatte zuvor endgültig manifestiert, worauf die Hockey-Abteilung des Rüsselsheimer RK so lange hatte warten müssen. 14 Jahre nach dem letzten Freilufttitel der ruhmreichen Männermannschaft, ging erstmals wieder eine deutsche Feldhockey-Meisterschaft nach Rüsselsheim. Durch ein Siebenmetertor von Nationalspielern Britta Becker, erzielt zwei Minuten vor der Pause, behielten die RRK-Damen in der 47. Auflage eines Damen-Endspiels gegen RTHC Leverkusen 1:0 (1:0) die Oberhand. Nach zuvor zwei Titeltriumphen in der Halle, trat die Mannschaft von Erfolgstrainer Berti Rauth damit auch im international weitaus angeseheneren Feldhockey in die Fußstapfen ihrer berühmten männlichen Klubkollegen.

"Erst zwei Minuten vor Schluss habe ich daran geglaubt, dass wir es packen können", sprudelte es nach dem Abpfiff aus dem überglücklichen Berti Rauth heraus, dem seine Schützlinge ein nachträgliches Geschenk zum 34. Geburtstag am Freitag gemacht hatten. Verständlich, denn der knappe Vorsprung beließ dem viermaligen Titelträger aus Leverkusen theoretisch bis zum Schluss die Chance, zumindest noch eine Verlängerung zu erzwingen. Praktisch indes sah die Sache anders aus: Während die Gastgeberinnen, durch die imposante Kulisse von annähernd 1.000 Zuschauern angespornt, in der zweiten Halbzeit bei Kontern durch die auffällige Tanja Dickenscheid mehrmals dicht vor dem 2:0  standen, musste Torfrau Bianca Weiß im zweiten Abschnitt nur noch einmal ihr Können demonstrieren (44.). Die letzte RTHC-Strafecke zischte sieben Minuten vor Schluss knapp am langen Eck vorbei.

"Der Sieg war glücklich, aufgrund der besseren zweiten Halbzeit aber nicht unverdient", war der einhellige Tenor am Sommerdamm nach dem Abpfiff einer Partie, die sicher als eine der schwächsten in die Annalen des DHB eingehen wird. Packende Torraumszenen, an denen sich die Zuschauer bei herbstlichen Temperaturen hätten erwärmen können, gab es viel zu selten. Die zahlreichen Nationalspielerinnen auf beiden Seiten – fünf beim RRK, drei beim RTHC – neutralisierten sich zum Teil selber, oder blieben unter ihren Möglichkeiten. Dazu standen beide Abwehrreihen ziemlich gut, wobei recht früh erkennbar wurde, dass den Leverkusener Außenverteidigerinnen die hohen Schlenzbälle aus der RRK-Abwehr heraus überhaupt nicht behagten.

Auch die Reserveteams der RRK spielen eine erfolgreiche Saison. Die Ib-Damen erreichen in der Verbandsliga den 2. Platz und steigen mit diesem Ergebnis in die Oberliga auf. Für die Ib-Herren ist das Ziel der Saison, sich in der Oberliga zu etablieren und Nachwuchskräfte einzubauen. Das gelingt  und am Ende steht der 6. Tabellenplatz. Die 3. Mannschaft spielt eine starke Saison in der 2. Verbandsliga. Während in der Vorrunde Libero Stefan Pöppel mit seinen Eckentoren überzeugt, ist es in der Rückrunde Goalgetter Ralf-Peter Rausch, der sogar zum Torschützenkönig der Mannschaft wird. Der Lohn ist die Vizemeisterschaft und der Aufstieg in die 1. Verbandsliga. Die RRK-Senioren holen sich unangefochten mit 18:0 Punkten und 15:3 Toren den Hessenpokal auf dem Feld.

Hessenmeister 1992 auf dem Feld, die A-Knaben des RRK (hinten: Torsten Naß, Holger Gerlach, Tim Schmuck, Heiko Heß, Christian Domke, Torsten Kraft, Trainer Torsten Althoff; davor: Björn Fuchs, Björn Birkicht, Tolga Özkol, Thomas Uebel, Rene Kolb; vorn: Steffen Dreisbach, Martin Ehrhardt)

Hessenmeister 1992 auf dem Feld, die B-Jugend des RRK (hinten: Trainer Torsten Althoff, Sebastian Körber, Christoph Napp, Oliver Domke, Axel Groth, Simon Reiss, Michael Grote; davor: Marcus Schäfer, Christian Kösling, Sven Hoffmann, Patrick Birkicht, Martin Ruf, Christian Domke; vorn: Martin Ehrhardt; es fehlen: Dennis Wohlfahrt, Jürgen Stuhlträger)

Vier Hessenmeister auf dem Feld für den RRK von sieben möglichen, das kann sich sehen lassen. Weibliche Jugend, B-Mädchen, B-Jugend und A-Knaben werden Meister, A-Mädchen und B-Knaben werden Zweite, die A-Jugend wird Dritter. Damit haben sich weibliche Jugend sowie männliche B-Jugend und A-Knaben für die Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft qualifiziert. Doch nur die weibliche Jugend des RRK kann sich in Mülheim, allerdings erst im Siebenmeter-Schießen, durchsetzen. Die B-Jugend muss sich am Sommerdamm im Siebenmeter-Schießen geschlagen geben und die A-Knaben sind in Mülheim chancenlos. Damit hat der RRK im Kampf um die Deutsche Meisterschaft nur noch ein "Eisen im Feuer", die weibliche Jugend des RRK verteidigt den Titel des Vorjahres in Stuttgart. Gegner im Halbfinale sind die "Nordlichter" des Großflottbeker HTC. Mit einem 2:1-Sieg erreicht der RRK das Finale und trifft hier auf die "Spreegören" des Berliner HC. Lassen wir die "Main-Spitze" zu Wort kommen:

Hessenmeister und Deutscher Vizemeister im Feldhockey, die weibliche Jugend des RRK (hinten: Sina Fröhlich, Katrin Gerlach, Annika Martin, Marja Busch, Christina Schubert, Nicole Hardt, Lisa Jacobi, Stefanie Rinderer, Ingrid Stuhlträger, Betreuerin Birgit Jacobi; vorn: Cordula Müller, Nadin Özkol, Jennifer Lutz, Birgit Kühn, Andrea Naß, Andschana Mendes)

Im Finale knapp verloren

Hockeymädchen des RRK deutscher Vizemeister

Nicht ganz gereicht hat es diesmal für die weibliche Jugend des RRK, die sich anschickte, in Stuttgart ihren Feldhockey-Meistertitel zu verteidigen. Zwar erreichten die RRK-Mädchen erneut das Finale der DM-Endrunde, unterlagen dort aber dem favorisierten Berliner HC knapp 2:3.

Auch wenn die von Berti Rauth gecoachten und zusätzlich von Jugendleiter Kurt Becker und Birgit Jacobi betreute weibliche Jugend als Titelverteidiger im Finale stand, war der Berliner HC zumindest leicht favorisiert Die Spreestädterinnen liefen mit dem "Supertalent" Natascha Keller auf und hatten am Samstag im zweiten Semifinale Stuttgart mit 7:1 Treffern abgekanzelt.

Das vom 72er Olympiasieger Carsten Keller trainierte Team knüpfte auch gleich nach zwei Spielminuten an diesen Kantersieg an und ging nach einer Unachtsamkeit in der noch nicht richtig formierten RRK-Abwehr 1:0 in Führung. Zum Glück zeigte sich der Ruder-Klub aber nicht geschockt und die frischgebackene deutsche Damen-Meisterin Nicole Hardt egalisierte quasi im Gegenzug per Strafecke (5.). In der Folgezeit erarbeitete sich der BHC zwar leichte Feldvorteile, die Rauth-Schützlinge hielten aber geschickt dagegen. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff musste dann aber doch das 1:2 hingenommen werden, und auch nach dem Seitenwechsel wurde Rüsselsheim kalt erwischt: Eine Strafecke führte zum vorentscheidenden 3:1 aus Sicht des neuen deutschen Meisters. Bis zum Spielende bemühte die RRK-Truppe sich zwar redlich, doch mehr als der 2:3-Anschlußtreffer durch Lisa Jacobi (60.) wollte nicht mehr herausspringen.

Zum Aufgebot des Deutschen Vizemeisters gehörten Sina Fröhlich, Katrin Gerlach, Annika Martin, Marja Busch, Christina Schubert, Nicole Hardt, Lisa Jacobi, Stefanie Rinderer, Ingrid Stuhlträger, Cordula Müller, Nadine Özkol, Jennifer Lutz, Birgit Kühn, Andrea Naß und Andschana Mendes.

Zu den Klubmeisterschaften im Tennis gehen bei den Herren 17, bei den Damen 0, bei den Jugendlichen 9 und im Mixed ebenfalls 9 Meldungen ein. Halbfinals und Endspiele finden am 20. September bei herrlichem Wetter statt. Klubmeister bei den Herren wird Thomas Späck vor Thomas Susenburger und Alfred Segner, bei den Jugendlichen Christian Domke vor Björn Birkicht und im Mixed Utta Stalmach und Rainer Seifert vor Hildegard Domke und Manfred Liebig. Ein Freundschaftsturnier gegen die Seniorengruppe des SC Opel um Gerhard Hauschild muss wegen Regens abgebrochen werden und macht dennoch viel Spaß sowie eines gegen den TV Haßloch um einen neu gestifteten Wanderpokal endet 7:5 für den RRK.

 

Die Tennisspieler des SC Opel und des RRK bei ihrem Freundschaftsturnier am RRK-Tennisplatz (hinten: Walter Leichtweiß, Peter Kraus, Kurt Maurer, Adolf Neumann, Christa Köthe, Silvia Braner, Frau Springenberg, Ellen Weidmann, Manfred Hegny, Frau Latzel, Gerd Hartgen, Thomas Späck (verdeckt), Frau Hegny, Ellen Winter, Frau Meuser; vorn: Gerhard Hauschild, Ottmar Wolf, Rainer Seifert, Friedl Springenberg, Karl-Heinz Wagner, Manfred Liebig, Heidi Seifert, Ursula Jungbauer, Rüdiger Weidmann, Jürgen Winter, Heinz Köthe)

 

"Doberstein" ist der Titel eines Agententhrillers, den das ZDF dreht. Hauptdarsteller sind Hannelore Elsner und Andre Hennicke. Und welche Rolle spielt der RRK? Regisseur Charlie Weller, ein begeisterter Ruderer, dreht Szenen dieses Films, bei dem es um Wirtschaftsspionage geht, unter Mitwirkung junger Ruderer des RRK und des Ruder-Olympiasiegers Albert Hedderich am und im RRK-Bootshaus. RRK-Pritsche, alte Bootshalle, Tennishütte, ein nackter "Albert" und insbesondere die RRK-Duschautomaten, die offensichtlich beim Regisseur Eindruck geschunden haben, sind die Stars der etwa fünf Minuten langen Sequenz des Films beim RRK.

Sportamtsleiter Dieter Nachtigall interviewt beim Sportlerball des Sportbundes die Sportler des Jahres 1992 in Rüsselsheim, Christopher Reitz und Britta Becker

Anfangs November beginnt schon wieder die Hallenhockeysaison mit dem 7. in der Sporthalle Dicker Busch ausgerichteten Hallenhockey-Turnier des RRK. Zwar müssen die RRK-Herren als Überraschungssieger des Vorjahres diesmal mit dem 3. Platz hinter den Stuttgarter Kickers und dem souveränen Turniersieger TG Frankenthal vorlieb nehmen, dafür gewinnen die ebenfalls von Berti Rauth trainierten RRK-Damen verlustpunktfrei ihr eigenes Turnier. Und auch beim traditionellen "Nord-Süd-Gipfel" in Leverkusen zeigen sich die Damen in bestechender Frühform. Sie gewinnen auch dieses Turnier ganz souverän. In Dortmund machen die RRK-Herren es den Damen nach und gewinnen das Vorbereitungsturnier überzeugend im Finale gegen Club Raffelberg. Ebenfalls der Turniersieg gelingt den von Volker Schädel trainierten Ib-Damen auf dem gleichen Turnier.

Mitte November ehrt der RRK seine erfolgreichen Sportler des Jahres 1992 bei der "Meisterfeier" im Bootshaus, wobei insbesondere der Dank an die zahlreichen erfolgreichen Jugendsportler, an Betreuer und Eltern ausgesprochen wird.

Bei der Schüler-Sportlerehrung der Stadt Rüsselsheim werden vierzig Jugendliche für ihre sportlichen Erfolge von Sportdezernentin Liesel Thurn geehrt. Davon gehören 27 dem RRK an. Es folgt die Sportlerehrung der Stadt Rüsselsheim und der Sportlerball des Sportbundes. 271 Sportler aus Rüsselsheim, die mindestens Hessenmeister wurden, erhalten von OB Norbert Winterstein den Silbernen Lorbeerzweig oder eine Ehrenurkunde. Vom RRK werden 18 Sportler mit dem Silbernen Lorbeerzweig und 70 mit Urkunden geehrt. Und bei der Sportlerwahl ist der RRK unter sich: Britta Becker wird Sportlerin des Jahres, Christopher Reitz Sportler des Jahres und die RRK-Damen werden Mannschaft des Jahres, der totale Triumph für den RRK und den Hockeysport in Rüsselsheim.

Vor der Weihnachtspause stehen die RRK-Damen nach Abschluss der Vorrunde in der Bundesliga und auch in der Oberliga auf dem 1. Platz, die RRK Herren sind in der Regionalliga Vierter.

Während des Jahres verliert der RRK eine ganze Reihe treuer Mitglieder durch den Tod: Maria Helfrich, Regina Rausch, Fritz Schmidt sen. und Heike Schneider, auch verliert der RRK sein Ehrenmitglied Paul Schubert und auch seinen Ehrenvorsitzenden Günter Schmitt.

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