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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1966

Verursacht durch die von der Mitgliederversammlung beschlossene Bau-Umlage für die geplante Boothaus-Erweiterung verringert sich der Mitgliederstand des RRK zum 1. Januar 1966 gegenüber dem Vorjahr um 33 auf 350.

Am 28. Januar 1966 bei der außerordentlich gut besuchten RRK-Generalversammlung, bei der das anstehende Bauvorhaben natürlich die Hauptrolle spielt, wird der Vorstand in seinen Ämtern bestätigt. RRK-Schatzmeister Hans Eisen schreibt in den "RRK-Mitteilungen" vom Februar 1966 über die Generalversammlung folgendes:

Das war einmal eine Generalversammlung, an die man nur mit echter Freude und auch mit Genugtuung zurückdenken kann! Einmal schon, was den Besuch anging. Für gewöhnlich ist es doch heute so, dass zwischen der Zahl von Personen, die ihren Beitrag (mehr oder weniger pünktlich) für einen Klub entrichten und derjenigen, die noch den Schwung aufbringen, auch zu einer Veranstaltung zu gehen, (z. B. zur Generalversammlung) ein nur noch grotesk zu nennendes Verhältnis herrscht. Aber diesmal war das anders! Kaum traute man seinen Augen. Und wenn einige, die zu spät kamen, (anscheinend von der Schicht) im prallgefüllten Saal keinen Stuhl mehr finden konnten, sondern sich diesen erst aus dem Nebenzimmer holen mussten, dann konnte ich mich eines leisen Lächelns nicht erwehren. Denn akkurat das hatte ich ja im Januar-Heft unserer Klubzeitung beschrieben, wie es Anno 1947 gewesen ist. Erfreulich die Anteilnahme der Jugend, ebenso erfreulich auch das zahlreiche Erscheinen einer langen Reihe "älterer Herren Passiven", die nach unserem Klublied zwar nur "zu Holz" gehen, offensichtlich aber doch auch gewillt sind, wieder regeren Anteil am Vereinsgeschehen zu nehmen. Nur weiter so! Wir können's gut gebrauchen bei den bevorstehenden bedeutungsvollen Zeiten, denen wir ohne Frage als RRK entgegen steuern.

Bei der Generalversammlung zeigt der der 1. Vorsitzende Günter Schmitt den Mitgliedern (hier Adolf Theiner) ein von Hans Müller und Klaus Köppen erstelltes Modell des "neuen" Bootshauses.

Man sollte aber sich selber gegenüber auch kritisch sein, wenn's am Platz ist. Und da glaube ich, kann nicht unerwähnt bleiben, dass der Besuch der Versammlung zwar, wie schon gesagt, außergewöhnlich gut gewesen ist, dass er aber trotzdem einen Mangel aufwies, über den hinweg man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen sollte. Ich meine die Tatsache, dass von unserer Ersten Hockey-Mannschaft und unserer Ib, also von 22 Spielern, ganze zwei es für nötig hielten, der Generalversammlung ihres Klubs, die einmal im Jahr stattfindet, die Ehre ihres Besuches zu geben. Da die Erscheinung beim Hasenessen, beim Herbstball und zu Silvester nicht sehr viel anders gewesen ist, kann es sich kaum noch um einen Zufall handeln. Bitte, liebe aktiven Hockeyspieler, lässt es sich nicht einrichten, dass Ihr am Geschehen Eures Vereins auch auf diesem Sektor etwas mehr Anteil nehmt? Es ist doch Euer Verein, und das zu bauende Klubhaus soll Euch mit Euren künftigen Gästen sportliches und geselliges Leben ermöglichen und verschönen. Ist es da wirklich zu viel verlangt, wenn man um Euer Erscheinen bittet? Wie man das so bei vielen Dingen manchmal beobachten kann: Beim Kegeln der erste Wurf einer Mannschaft, bei einem Feldspiel die ersten zwei, drei Minuten, beim Rudern die paar ersten Schläge am Start (Verzeihung, ich habe nie in einem Boot gesessen, ich weiß nicht, ob gerade dieser Vergleich messerscharf hinhaut), also wie gesagt, ein überdurchschnittlicher Anfang, und alles, was danach kommt, gibt sich redlich Mühe, diesem Anfang gegenüber nicht zurückzustehen. So war es auch in dieser Generalversammlung! Wie weggeblasen die manchmal doch zu beobachtenden, kräfte- und zeitraubenden Debatten (die bei Licht betrachtet dann niemand genützt haben, im Gegenteil, nicht selten die Atmosphäre vergifteten). Kein qualvoller Abschluss, längst nach Mitternacht, sondern ein zügiges Abwickeln der einzelnen Punkte unserer Tagesordnung mit durchaus positiven Ergebnissen. Und gerade die Tatsache, dass dann trotz des rechtzeitigen Abschlusses des offiziellen Teiles unserer Generalversammlung die Mitglieder nicht auseinander stoben wie eine Schar aufflatternder Hühner, sondern sich in Gruppen und Grüppchen zusammensetzten, lebhaft diskutierend um das Modell unseres neuen Klubhauses herumstanden, gerade all' das beweist doch, dass die Sehnsucht nach diesem Haus, in dem man sich so richtig pudelwohl fühlen kann, vielleicht stärker in einem großen Teil unserer Mitglieder schlummert, als diese für gewöhnlich das selber wahrhaben wollen. Bewusst verschweige ich, dass, verlässlicher Information zufolge, die letzten unserer Mitglieder von dieser Versammlung zu einer Zeit nach Hause kamen, da früher die Bäckerjungen ihre Brötchen austrugen. Doch was schadet's? Gar nichts. Im Gegenteil, es nützt! Und zwar unserem Zusammengehörigkeits-Gefühl!

So viel also zu den Begleitumständen unserer Generalversammlung. Das Ergebnis im Telegrammstil: Der Vorstand bleibt für ein weiteres Jahr in der bekannten Besetzung. Dies schon deshalb, weil er den Mitgliedern, aber auch den Behörden, Verbänden und Firmen gegenüber, die uns wesentliche Hilfe beim Neubau unseres Bootshauses angedeihen lassen, irgendwie eine moralische Verpflichtung übernommen hat, seinerseits Gewähr dafür zu bieten, dass alles seinen bestmöglichen Gang geht. Und durch was könnte er, der Gesamtvorstand, das besser und verlässlicher, als dass er unverändert im Amt bleibt, mindest so lange, bis das neue Bootshaus total unter Dach und Fach ist? (Ohnehin wäre es vielleicht des Überlegens wert, ob man nicht dazu übergeht, Vorstandswahlen nur alle 2 Jahre vorzunehmen. Es gibt eine Reihe von Vereinen und Verbänden, bei denen man das mit Erfolg schon praktiziert. Es hat einiges für sich, wie man zugeben muss.

Die Sportberichte ließen erkennen, dass auch im abgelaufenen 1965er Jahr die Farben des RRK zu Lande und zu Wasser (in der Luft betätigen wir uns noch nicht) mit gutem Erfolg vertreten worden sind. Einer Erscheinung sollten wir alle, jeder für sich, unsere besondere Aufmerksamkeit widmen. Der Mitglieder-Bewegung. Denn ein Blick in den Finanzplan weist unmissverständlich aus, dass eben die Mitgliedsbeiträge bei einem Verein, wie dem unsrigen, bei dem also mit Zuschauerzahlen und daraus fließenden Geldern nicht zu rechnen ist, das finanzielle Rückgrat darstellen. Warum sollte nicht auch ein ehrenwerter Bürger, von dem man ohnehin weiß, dass er mit unseren Idealen sympathisiert, zum zahlenden Mitglied geworben werden? In der Richtung ist ohne Zweifel noch mancher Raum für Betätigung.

Zusammenfassend: Auf eine detailliertere Berichterstattung über den Ablauf unserer Generalversammlung ist in diesem Bericht bewusst verzichtet. Deshalb, weil die örtliche Tagespresse darüber ausführlich genug schrieb. Und unsere auswärtigen Mitglieder bitte ich um Verständnis dafür, dass wir uns, was die Berichterstattung in unserem Klubheft angeht, bewusst mühen wollen, die Dinge von etwas höherer Warte zu schildern. Der RRK geht mit einigem Selbstbewusstsein in die Epoche, die ihm sein neues Bootshaus mit neuem Glanz am Maindamm bringen soll. Ein Unternehmen, das kühn sein wird, aber nicht leichtfertig. Und von dem wir hoffen, dass es auch das letzte Mitglied eines Tages mitreißt und mit Stolz erfüllt, dann nämlich, wenn wir zur Einweihung über die Toppen flaggen.

Wegen des geplanten Bootshausumbaus kann Fasching zum letzten Mal im "alten Rahmen" gefeiert werden. Der Maskenball unter dem Motto "Quergestreift" ist bei entsprechender Dekoration des Bootshauses unter der Leitung des bewährten "RRK-Chefdekorateurs" Dieter Eberle wie der Klubfasching am Rosenmontag und der Lumpenball wieder große Klasse.

Frühjahr 1966: Der Umbau am Bootshaus beginnt!!

Nach einigen Hallenhockey-Turnieren, bei denen die Herrenmannschaft immer die Endrunde erreicht, folgt der Sieg beim stark besetzten 2. Süddeutschen Hallenturnier in Nürnberg durch einen 3:1-Sieg im Endspiel über den HC Heidelberg. Überraschend kommt das Ausscheiden der Mannschaft jedoch schon in der Vorrunde zur Hessenmeisterschaft. Nach einer Niederlage gegen den Wiesbadener THC, einem Sieg über Bad Homburg und einer weiteren Niederlage gegen den SC Frankfurt 1880 muss der RRK im letzten Spiel den Limburger HC mit vier Toren Differenz schlagen, um in die Endrunde vorzustoßen. Fatales Auslassen von Torchancen sowie eine eklatante Schwäche bei der Verwertung von Strafecken (zehn Ecken, kein Tor) führen zum Endergebnis von 4:4; der RRK ist in der Endrunde der Hessenmeisterschaft nicht dabei.

Männliche und weibliche A-Jugend gewinnen die Hessische Vizemeisterschaft im Hallenhockey.

Zu Pfingsten besuchen die Herren ein Turnier in Berlin und anschließend endet die Feldrunde für den RRK nach einer 0:1-Niederlage im Spitzenspiel gegen den SC Sachsenhausen-Forsthausstraße und einer 0:2-Niederlage beim SC Frankfurt 1880 mit der Hessischen Vizemeisterschaft, nun schon zum dritten Mal in Folge der Platz, der nicht zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft berechtigt. Dagegen können zwei "RRK-Jungspunde" einen Erfolg feiern. Karl-Heinz Nuffer und Rainer Seifert gewinnen mit der hessischen Nachwuchsauswahl durch einen 3:0-Sieg über Berlin den Franz-Schmitz-Pokal.

Harter Bord-an-Bord-Kampf im "Zweier-mit" auf der Mannheimer Regatta 1966 zwischen dem RRK (vorn) mit Dieter Lang, Werner Alt und Steuermann Reinhard Scholta sowie der Renngem. Worms / Stuttgart-Cannstatt / Marbach mit Dr. Peter Stephan, Dietrich Besch und Steuermann Hans-Heinrich Beiersdorf

Fritz Schmidt (links) im April 1966 im Meisterschaftsspiel des RRK gegen den Offenbacher RV, das der RRK dank der Superleistung des "Konditionswunders" Fritz Schmidt mit 3:1 gewinnt.

Bei den Ruderern steht wieder ein Trainerwechsel an. Für Ulrich Hintze kommt Fritz Brumme, das Ehrenmitglied des RRK, der nach großen Trainererfolgen bei Nassovia Höchst zu "seinem" RRK zurückkehrt. Er übernimmt das Männertraining und Rudolf Müller kümmert sich, wie schon in den Vorjahren, um den Nachwuchs. Nach dem Neubau einer Bootspritsche und dem Kauf eines neuen Riemenzweiers mit Stm. beginnt das Wassertraining, das zum Teil auch in Erfelden auf dem Altrhein wegen der dort besseren Verhältnisse stattfindet. Vor dem Beginn der Regattasaison schreibt Paul Elschner im "Rudersport" in einer Vorschau zum Rudern in Süddeutschland über Rüsselsheim:

Über 300 Skuller im Einer und Doppelzweier − Rüsselsheim

Der schon lange geplante große Bootshaus-Umbau ist nach Regelung der Finanzierung nunmehr in vollem Gange. Darunter wird das Training mit dem Ruderausschuss-Vorsitzenden Heinz Vorfalt sicher etwas beeinträchtigt werden. Für Senior-Vierer und Senior-Zweier-mit stehen Werner Alt, Dieter Lang, Klaus Köppen, Günter Müller und Klaus Zander bereit, während Martin Herrlich (80 kg) und Adolf Theiner (65) für Starts im Jungmann-Einer sowie Helmut Alt im Jugend-Einer vorgesehen sind. In Flörsheim werden nur die Vierer-Senioren im Kampf zu sehen sein.

Da zwei Ruderer des im Jahr 1965 erfolgreichen Vierers das "strenge" Training aufgegeben haben, wird das Schwergewicht, trotz eines Vierersiegs in Flörsheim, anschließend auf die erfolgreiche Zweiermannschaft des Vorjahres gelegt. Nach Siegen in Heidelberg und Mannheim und einem hervorragenden 2. Platz in Duisburg beruft der Deutsche Ruderverband die Mannschaft mit Werner Alt, Dieter Lang und Stm. Reinhard Scholta in die Nationalmannschaft für den Länderkampf gegen Holland in Amsterdam. Und hier auf der Boosbaan gelingt dem RRK-Zweier die Überraschung des Tages, denn in einem mitreißenden Endspurt kann er die Favoriten Zumkeller und Jordan kurz vor dem Ziel überspurten und wird Länderkampfsieger mit 8/10 Sekunden Vorsprung, abgeschlagen die beiden holländischen Boote von Njord Leiden und Triton Utrecht. Im Rückblick berichtet die "Main-Spitze":

Nationaldress stand Lang/Alt gut zu Gesicht

Amsterdam war eine Reise wert für Rüsselsheims Ruderfreunde! Vorsitzender Günter Schmitt und sein Kollege vom Ruderausschuss des RRK, Heinz Vorfalt, kehrten mit hoffnungsvoll stimmenden Erkenntnissen vom Länderkampf der beiden stärksten westeuropäischen Rudernationen, Holland und Deutschland, zurück. Mit Dieter Lang, Werner Alt und Steuermann Reinhard Scholta, die im gesteuerten Zweier die hohen Favoriten und Europameister Zumkeller/Jordan und das stärkste holländische Boot – es hatte noch im Vorjahr bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille errungen – hinter sich ließen, besitzt der Rüsselsheimer Rudersport wieder eine Trumpfkarte. Der Name Rüsselsheim tauchte wieder in den internationalen Ergebnislisten auf, eine Tatsache, die Erinnerungen weckt an die große Zeit des Opel-Achters und der anderen Boote der Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim. Und wie damals steht Fritz Brumme als umsichtiger, erfahrener Trainer hinter diesem Erfolg. Günter Schmitt berichtete uns gestern über seine Eindrücke in Amsterdam an der Seite der jungen Rüsselsheimer Ruderer, die ihre internationale Feuerprobe glänzend bestanden.

Nach weiteren guten Leistungen in Hannover (Sieg im Zweier-mit), Mainz (Sieg im Vierer-mit in Rgm. mit den Darmstädtern Manfred Pauly und Achim Wienstroer) und Karlsruhe folgt das Deutsche Meisterschaftsrudern in Hannover. Von den zehn im "Zweier-mit" gemeldeten Booten erreichen in den beiden Vorläufen Zumkeller/Jordan sowie Alt/Lang sofort den Endlauf. Bei heftigem Westwind, der beim Finale schräg von vorn in die Regattabahn des Maschsees einfällt, sind die niedrigen Startnummern stark bevorteilt. Zumkeller und Jordan liegen auf eins, Alt und Lang auf vier. Trotz dieses Handikaps hält sich der RRK-Zweier beachtlich und liegt im Ziel auf dem 3. Platz hinter Günther Zumkeller und Klaus Günter Jordan sowie Dietrich Besch und Dr. Peter Stephan. Die "Frankfurter Rundschau" schreibt über das RRK-Zweierpaar:

Rüsselsheims glücklose Ruderer zufrieden

Lang/Alt als Dritter mehr gelobt als der Sieger – Hessens Ruderpräsident Löser: "Deutschlands Zweier der Zukunft"

Werner Alt und Dieter Lang, der 1966 mit Stm. Reinhard Scholta (vorn im Bug) in Heidelberg, Mannheim, Hannover und beim Länderkampf in Amsterdam siegreiche Zweier-mit  des RRK

Für die Rüsselsheimer Ruderer Dieter Lang und Werner Alt schloss die Saison mit dem dritten Platz in der deutschen Meisterschaft erfolgreich ab. Sie haben es gelassen hingenommen, dass sie nicht Zweiter oder gar Meister wurden, denn der Rüsselsheimer Zweier-mit gehörte zu den Glücklosen in Hannover, die im Endlauf die Startnummern 3 bis 6 erwischten. Experten haben errechnet, dass der Zeitvorteil von der windgeschützten Bahn 1 bis zu den Startplätzen hinter 2 etwa 15 Sekunden betrug. Lang/Alt waren Im Ziel acht Sekunden hinter dem Siegerboot Zumkeller/Jordan und zwei Sekunden hinter dem Vizemeister Worms/Cannstatt.

Die Rüsselsheimer gewannen am Samstag ihren Vorlauf so klar, Zumkeller/Jordan aber den ihren so knapp und glücklich gegen die Wetzlarer RG, dass fast an eine Wiederholung des Rüsselsheimer Sieges über Konstanz/Höchst von Amsterdam zu glauben war. Wenn die Sache mit dem Wind und den Wellen nicht gekommen wäre ...

DRV-Ehrenvorsitzender Dr. Walter Wülfing sagte nach dem Zweier-Rennen, er hätte lieber gesehen, wenn eine junge Mannschaft gewonnen hätte. Trainer Fritz Brumme aber meint lakonisch: "Sie sind ja noch so jung."

Der 23-jährige Werner Alt und der 22-jährige Dieter Lang träumten zu Beginn der Saison von keiner Titelchance. Sie hofften auf Vierer-Siege und wurden dann die deutsche Überraschungsmannschaft im Zweier-mit. HRV-Präsident Waldemar Löser ist hocherfreut über die Entwicklung. "Ich bin zufrieden", sagte er dem Rundschau-Sport, "und ich hege große Hoffnungen für die nächste Saison. Vielleicht erfüllen sich bei Lang/Alt im Jahr 1968 die großen Erwartungen. Die Rüsselsheimer waren in ihrer Klasse das technisch ausgereifteste Boot", fügte Löser in der Fachsprache hinzu.

Der hessische Ruderpräsident meint sogar, dass es vielleicht ganz gut sei, dass Lang/Alt nicht Meister wurden. "Vielleicht hätte man sie dann verheizt." Auf den Rüsselsheimer Zweier und auf den Frankfurter Zweier-ohne könnte Hessen im nächsten Jahr bauen. Zumkeller/Jordans Laufbahn wird Anfang September in Bled ohnehin zu Ende gehen.

Mit sechs Saisonsiegen nimmt sich die Bilanz der beiden jungen Rüsselsheimer Ruderer statistisch nicht einmal toll aus. Aber man verzichtete lieber auf billige Siege auf irgendwelchen bedeutungslosen Regatten. Wichtig war es für Trainer Fritz Brumme, die beiden eher zarten als robusten jungen Männer auszubilden und aufzubauen.

Drei schöne Siege im Seniorachter fahren die Ehemaligen, der sogenannte "Bierachter", auf den Regatten in Frankfurt, Offenbach-Bürgel und Schweinfurt heraus. Helmut Schwanke und Wilfried Hoffmann starten für die TH Darmstadt bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Berlin-Gatow und erringen mit Burkhard Zellmer (Kassel) und Diethelm Harenberg (Frankfurt) im Vierer-ohne hinter der Uni Hamburg die Vizemeisterschaft. Ein Langstrecken-Achterrudern auf dem Starnberger See über 8 km mit anschließendem Besuch des Oktoberfestes beendet die Regattasaison für die RRK-Ruderer. Insgesamt werden im Jahr 1966 neun Regattasiege für den RRK errungen, wobei Werner Alt und Dieter Lang mit sieben Siegen am erfolgreichsten sind.

Der "Bierachter" des RRK (vorn) im Seniorachter der Schweinfurter Regatta auf der Strecke kurz vor dem Sieg über den WSV Offenbach-Bürgel und die Rgm. RG Heidelberg / Heidelberger RK / Neptun Neckarelz

Der "Bierachter" 1966, hier nach dem Sieg in Schweinfurt, mit Wolfgang Vorfalt, Rudi Reitz, Helmut Schwanke, Günter Müller, Andreas Hartmann, Klaus Hartmann, Klaus Köppen, Wilfried Hoffmann und Stm. Philipp Wagner

Beim Abrudern mit der traditionellen internen Regatta wird auch die Klubmeisterschaft im Einer unter fünf Bewerbern ausgerudert. Im Finale siegt Klaus Köppen klar vor Adolf Theiner und gewinnt nach 1964 damit den Wanderpreis zum zweiten Mal.

Nachdem bei der Hockey-Hauptversammlung Mitte des Jahres 1966 kein Abteilungsleiter gewählt werden kann, wird in einer Folgeversammlung eine funktionsfähige Leitung gewählt. Wolfgang Balven übernimmt erneut den Posten des Abteilungsleiters, dem ein Spielausschuss mit Josef Schnur, Debu Paul und Werner Klepper für die sportlichen Entscheidungen zur Seite gestellt wird. Die neue Punktrunde in der hessischen Hockey-Oberliga beginnt bereits im August. Dieser Runde wird besondere Bedeutung zukommen, weil die Platzierung entscheidend sein soll für die im Entstehen begriffene überregionale Liga. Nach dem Ende der Vorrunde vor der Hallensaison steht der RRK mit an der Tabellenspitze und kann der Rückrunde mit Zuversicht entgegensehen. Herausragender Spieler des RRK ist Fritz Schmidt, der mehrmals in die Nationalmannschaft berufen wird und auch die dreiwöchige Reise der Nationalmannschaft nach Pakistan miterlebt. Karl-Heinz Nuffer erhält eine Berufung in die Junioren-Nationalmannschaft.

Nachdem im März die Ruhrgas AG die durch das RRK-Gelände verlaufende Ferngasleitung zum Teil in die Mainwiesen verlegt hat, wird im April mit den Bauarbeiten am Bootshaus begonnen. Unzählige Bauausschuss- und Vorstandssitzungen sind notwendig, um die auftretenden Probleme einer Lösung zuzuführen. Am Bau kümmert sich nimmermüde, bis an die Grenze der Selbstlosigkeit einer – man hat ihn gerade rechtzeitig pensioniert – um alles, das Ehrenmitglied des RRK, Friedrich Traiser. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Juli 1966 informiert die "Main-Spitze" über die Arbeiten:

Bootshallen in den Damm hineingebaut

Zwei 22 Meter lange Bootshallen vorgesehen – Neuer Gesellschaftsraum – Baukosten etwa 400.000 DM – Stadt unterstützt Bauvorhaben

Im modernsten Gewande wird sich das neue Bootshaus nach seiner Fertigstellung spätestens im Frühjahr 1967 zeigen. Schon in diesen Tagen konnte der erste Bauabschnitt mit einer Hohlkörperdecke beendet werden. Weit ragen die beiden fünf und drei Meter langen Freiterrassen, wie auf unserem Foto sichtbar, vor. Noch umgeben sie Verschalung und Eisenstützen, aber nach geraumer Zeit werden auch diese Bauteile verschwinden und einen besseren Überblick über den gesamten Baukomplex geben. Über die Arbeiten informierte uns das Ehrenmitglied des Rüsselsheimer RK, Friedrich Traiser.

Im Juli 1966 kann der erste Bauabschnitt am neuen Bootshaus beendet werden. Weit ragen die beiden fünf und drei Meter langen Freiterrassen vor.

Die alte Bootshalle ist für heutige Ansprüche nicht mehr tragbar. So musste sich der Verein um die Errichtung einer neuen Unterkunft für Rennboote bemühen", sagte uns Traiser. Im Frühjahr wurde dann mit dem Abbruch des alten Bootshauses begonnen. Der Parterrebau, der früher die Bootshalle darstellte, war im Krieg zerstört und die Amerikaner richteten sich im nicht versehrten Teil später einen Clubraum ein. Eine behelfsmäßige Bootshalle wurde unweit des jetzt abgerissenen Teils hingestellt. Bei dem jetzigen Bau der Bootshalle wurde darauf gesehen, dass sie in den Damm hineingelegt wurde. "Dadurch wird gewährleistet, dass die Boote kühl lagern." Feuchtigkeit, die den Booten sehr schaden könnte, ist somit ausgeschlossen.

Auf die nun fertig gestellte Hohlkörperdecke werden Wände hochgezogen, für einen neuen großen Gesellschaftsraum. Er ist etwa 17,40 Meter lang und 6,70 Meter breit, kann aber bei Festlichkeiten durch eine Faltwand auf die doppelte Breite ausgedehnt werden. Die Bootshalle selbst ist unterteilt in zwei 22 Meter lange Räume, von denen jeder etwa 6,50 Meter breit ist. Die Boote des Ruder-Klubs können in fünf Schichten übereinander liegend gelagert werden. Zur Zeit stehen dem RRK 25 Boote, davon drei Achter mit einer Länge von je 19 Metern zur Verfügung.

Wie bereits erwähnt, sind die Hallen noch mit einer fünf Meter überragenden Betondecke überspannt. Auch die neben den Hallen liegenden Umkleideräume mit Duschen und ein Trainingsraum sind mit einer drei Meter langen Überdachung versehen. Vom Main aus gesehen wird der Klubraum mit einer durchgehenden Fensterfront versehen. Zwei vollautomatische Kegelbahnen vervollständigen das neue Gebäude. Auch im alten Klubhaus werden Renovierungsarbeiten vorgenommen. Zudem wird auch der alte Balkon abgerissen. Wenn alle Arbeiten erledigt sind, wird noch der Platz vor dem neuen Gebäude eingeebnet und angelegt. Ein Bootssteg aus Metall wurde bereits im vorigen Jahr angebracht. Die gesamten Baukosten für dieses Projekt werden mit 400.000 DM beziffert. Zuschüsse werden von der Stadt, aus dem Rot-Weißen Plan des Landes Hessen und vom Kreis gewährt.

Am 16. September 1966 kann Richtfest gefeiert werden. Anschließend wird, da auch die zugesagten Zuschüsse eintreffen, sofort mit dem Ausbau fortgefahren. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung werden Mitglieder und Presse über den Baufortschritt und die finanziellen Gegebenheiten informiert. Die "Main-Spitze" berichtet:

Bau des Bootshauses kam der Sparwelle zuvor

Rüsselsheimer Ruder-Klub will seine Heimstatt im Mai kommenden Jahres an die Vereinsfamilie übergeben

"Wir können froh sein, dass wir den Beginn für unser großes Projekt noch rechtzeitig vor die Sparwelle gesetzt haben", meinte Schatzmeister Hans Eisen vom Rüsselsheimer Ruder-Klub, als er in einer Mitgliederversammlung des Klubs die finanziellen Aspekte des neuen Bootshauses beleuchtete, das zügig seiner Vollendung entgegengeht. Der Erweiterungsbau soll nach den Worten von Vorstandsmitglied Friedrich Traiser im Mai nächsten Jahres fertig sein. Er enthält neue Räumlichkeiten zur Aufbewahrung der Boote, Umkleide- und Brausemöglichkeiten sowie einen großen Saal, der im Dienste des ausgeprägten gesellschaftlichen Lebens des Vereins steht.

Günter Schmitt, der Erste Vorsitzende des RRK, hatte die Versammlungsteilnehmer begrüßt und das Wort an Friedrich Traiser weitergegeben, der auf das vor sechs Wochen gefeierte Richtfest für den Neubau zurückblendete. Das Heizungsproblem, das den verantwortlichen einige Sorgen bereite, habe sich dank der gründlichen Arbeitsweise der Baufirma glücklicherweise lösen lassen.

Die Fensterfront mit dem freundlichen Sichtbetonbezeichnete Traiser als das Paradestück des Baues. Es sei nicht einfach gewesen, den Altbau in das Projekt einzubeziehen. Man habe neue Unterzüge schaffen müssen und die Kellerräume erheblich erweitert. Auf die Dacharbeiten eingehend wies Traiser darauf hin, dass man sich für einen Dachgarten entschlossen habe. Von den Kegelbahnen erhofft sich der Klub nicht nur eine Förderung der Geselligkeit, sondern auch eine ersprießliche Einnahmequelle. Der große Saal über den Bootshallen wird durch eine Trennwand unterteilt. Sowohl die Schiebefenster, als auch der Fußbodenbelag aus Marmorkommen aus Italien, dessen Firmen die Deutschen in ihrem Angebot bei weitem überträfen, erklärte Traiser. Er sprach die Hoffnung aus, dass die anstehenden Arbeiten bis zum Frühjahr abgeschlossen sein werden.

Nach einer lebhaften Diskussion über die Versorgung mit warmem Wasser warf die Versammlung die Frage auf, ob der Klub den Vertrag mit der Brauerei lösen solle. Die Entscheidung darüber soll dem Vorstand überlassen bleiben. In Zukunft soll im Bootshaus auch offenes Bier ausgeschenkt werden.

Wie Schatzmeister Hans Eisen mitteilte, wurden bisher für den Bootshaus-Neubau 149.000 DM ausgegeben. Die Stadt Rüsselsheim habe sich mit einer Spende von 50.000 DM an dem Projekt beteiligt. Zur Freude der Mitglieder konnte Eisen bekannt geben, dass auch die hessische Landesregierung einen Zuschuss von 75.000 DM gewährt habe. Das Vorhaben wird außerdem durch einen doppelten Mitgliederbeitrag über zwei Jahre hinweg finanziert und getragen. Eisen appellierte an die Mitglieder, auch weiterhin Eigenleistungen für den Klub zu erbringen, um mit diesem Opfer für das große Ganze einen Beitrag zu leisten.

Zum Abschluss des Abends wurde ein Film über die Rudersaison gezeigt.

Das gesellschaftliche Leben im Klub beginnt sich zu bessern und zu festigen. Beim Herbstball mit der Kapelle Kurt Roth letztmals im alten Saal, ist die Stimmung so gut wie selten zuvor, der sonntägliche Frühschoppen erfreut sich steigender Beliebtheit und auch der Silvesterball kann als gelungen bezeichnet werden.

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