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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1953

Die Um- und Ausbauarbeiten am Bootshaus sind Ende des Jahres 1952 zügig vorangegangen und werden auch 1953 mit Elan fortgeführt. Am 2. Januar beginnen die Verputzarbeiten im Innern des Hauses, Schlosserarbeiten, Heizungsanlage, auch Kachelofen folgen, dann ist der Außenputz an der Reihe. Am 30. April 1953 kann Richtfest im Behelfs-Bootshaus mit "Rippchen und Kraut" gefeiert werden, zu dem alle Handwerker und Spender sowie die 15 Mitglieder mit den meisten Arbeitsstunden eingeladen werden. Die Arbeiten gehen weiter, so dass anfangs Juli die Einweihung des Bootshauses stattfinden kann.

Bereits im Januar treffen sich die Mitglieder des RRK zu ihrer Generalversammlung. RRK-Vorsitzender Dr. Karl Renker, der erneut zum Vorsitzenden gewählt wird, berichtet von dem am Anfang ganz im Zeichen der olympischen Vorbereitungen der Rudergemeinschaft stehenden Jahr 1952. Er spricht die nie ganz zu klärende "Pillenaffäre" bei der Meisterschaftsregatta an sowie auch die zur Zeit in Eigenhilfe laufenden Umbauarbeiten am wieder freigegebenen Bootshaus. Der zur Diskussion stehende Gemeinschaftsvertrag zwischen dem Flörsheimer Ruderverein und dem RRK, der zum 31. Dezember 1952 ausgelaufen ist, wird in abgeänderter Fassung von der Generalversammlung gutgeheißen. Damit bleibt der Ruderbetrieb für 1953 noch einmal der Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim überlassen.

 

Empfang von Ruderern und Offiziellen der Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim in Ostende 1953

 

Der Vorstand der Rudergemeinschaft fasst den Entschluss, von der Ausrichtung der für den 30. und 31. Mai vorgesehenen Flörsheimer Regatta abzusehen. Diese Absage kommt überraschend für viele Ruderer und wird bedauert, war doch die Flörsheimer Regatta in den Jahren 1949 bis 1952 ein sehr beliebter Regattaplatz für in- und ausländische Rudervereine. Begründet wird die Absage mit der Erneuerung des RRK-Bootshauses, die viele Kräfte beansprucht, und auch damit, dass man die bereitstehenden Mittel 1953 nicht in das "Zuschussunternehmen Regatta" stecken möchte, sondern anderweitig verwenden möchte.

Zum Training verpflichtet werden durch Trainer Fritz Brumme in der Rudergemeinschaft 19 Aktive, 35 Jugendliche und 3 Steuermänner. Nach einem sieglosen Start im Vierer-mit (Georg von Opel, Helmut Schwinn, Werner Lock, Willi Schmidt, Stm. Rolf Bopp) und Zweier-mit (Georg von Opel, Helmut Schwinn, Stm. Carlo von Opel) am Himmelfahrtstag in Gent auf der 1.500-m-Strecke der 63. Internationalen Regatta, bei der nach 16-jähriger Unterbrechung erstmals wieder deutsche Ruderer am Start sind, folgen Mitte Mai erfolgreiche Starts im Achter und Vierer in Ostende. Der Kohl-Vierer siegt im "Großen Vierer-mit", der Schmidt-Vierer und der Achter in Sprintrennen. Dann folgt das Finale des "Großen Achters", zu dem sich die Rudergemeinschaft durch einen Vorlaufsieg gegen Antwerpen und Brüssel qualifiziert hat. In einem Fünf-Boote Feld schiebt sich die Rudergemeinschaft mit Wilfried Seipp, Hans Heckmann, Georg von Opel, Helmut Schwinn, Werner Gallon, Horst Höhmann, Herbert Lock, Willi Schmidt und Steuermann Rolf Bopp bei 1.200 Metern am London RC und Antwerpen SC vorbei und ficht mit Antwerpen einen äußerst verbissenen Endkampf aus. Zwanzig Schläge vor dem Ziel ist Antwerpen (sechs Helsinki-Kämpfer im Boot und zwei Olympiasieger auf den Schlagplätzen) einen Meter vor, zehn Schläge weiter der Flörsheim-Rüsselsheimer Achter – ein kleiner Vorsprung ist gewonnen. Aber dann retten die belgischen Schlagleute mit ihrer Helsinki-Erfahrung ihre Mannschaft mit letzter Kraft über die Ziellinie. 6:14,0 min ist die Zeit für Antwerpen, 6:14,2 min die Zeit für den Schmidt-Achter, geschlagen auf den Plätzen der London RC, CdeR Brüssel und RSN Brüssel.

Bootstransporter der RuGem auf der Fahrt nach Ostende 1953 (Georg von Opel, Hans Heckmann, der junge Carlo von Opel, Rolf Bopp, Herbert Lock, Adam Munk)

Sieg des Achters der RuGem (links) im Sprintrennen in Ostende 1953

Es folgen weitere Siege auf deutschen Regatten. Auf der Mainzer Regatta holt sich der Kohl-Vierer den "Ersten Vierer-ohne" und den "Ersten Vierer-mit", der Schmidt-Achter mit Adam Munk für Georg von Opel an Bord siegt am ersten Tag nach einem harten Bord-an-Bord-Kampf im Achter gegen Amicitia Mannheim und den RV Cassel, belegt am zweiten Tag hinter Amicitia jedoch nur den zweiten Platz, die eine Hälfte des Achters entscheidet den "Zweiten Vierer-mit" für sich und Tonguc Türsan holt sich den "Leichten Senior-Einer".

Anschließend geht es zur Heidelberger Regatta (2 Siege), zur Offenbacher Jugend- (1 Sieg) und zur Mannheimer Regatta (3 Siege), wo sich jedoch auf der 1.900-m-Strecke der Kohl-Vierer gegen Köln 77 und der Schmidt-Achter gegen Amicitia Mannheim nicht durchsetzen können. Es stellt sich die Frage, Vierer und Achter umzubesetzen, um mit dem Achter zum Erfolg in der Spitzenklasse zu kommen. Doch Meinungsunterschiede in den beiden Lagern − FRV und RRK − verhindern das. Außerdem kommt es zum Streit zwischen Achter und Trainer Fritz Brumme, so dass Fritz Brumme nur noch den Kohl-Vierer vom Flörsheimer Bootshaus aus trainiert, während Gerhard Ruppert das Training des Achters vom Rüsselsheimer Bootshaus aus leitet.

Neun Siege bei der Gießener Regatta, darunter drei Siege im "Ersten Achter" und drei Siege im Einer durch Tonguc Türsan, und ein Sieg in Frankfurt durch den Kohl-Vierer im "Kaiserpreis", jedoch auch Niederlagen dieses Vierers folgen.

Am Wochenende der Frankfurter Regatta anfangs Juli startet der Achter der Rudergemeinschaft im "Thames Challenge Cup" der Henley-Regatta. Wir zitieren den "Rudersport":

Der Flörsheim-Rüsselsheimer Achter auf dem Weg von Henley nach Hause, hier beim Zoll am Kai von Ostende nach Verlassen der Fähre

Überhaupt der Thames-Cup. In ihm wird alles untergebracht was nicht woanders starten darf oder kann. Er macht in seiner Ausweitung den Engländern Sorgen. Diesmal hatte er 41 Meldungen erhalten. Aus dem Ausland: Kent-School, Princeton-Universität und Flörsheim-Rüsselsheim. Dazu Colleges, Rudervereine, Royal Air Force und eine Jugendmannschaft. Wegen der großen Zahl der Meldungen waren am Freitag der Vorwoche durch Vorrennen neun englische Mannschaften ausgeschieden worden. Blieben immer noch 32 Achtermannschaften in diesem Rennen.

Zum Abschneiden der Mannschaft von Flörsheim-Rüsselsheim folgendes: Der Achter der Rudergemeinschaft gewann sein erstes Rennen gegen King`s College London überlegen. Nur noch in einem anderen Rennen gab es an diesem Tage wie bei Flörsheim-Rüsselsheim als Richterspruch "easily". Am zweiten Tag musste die Rudergemeinschaft gegen die Princeton-Universität antreten. Die Amerikaner gewannen dieses Rennen mit einer Länge. Sie waren besser vom Start weggekommen. Auf der Strecke gab es ein "level", aber Flörsheim-Rüsselsheim kam nicht vorbei. Die Zeit dieses Rennens war eine neue Rekordzeit für den Thames-Cup: 6:45 Minuten, acht Sekunden unter dem alten Rekord. ...

... Vom britischen Standpunkt war es eine große Genugtuung, dass der Thames-Cup, erstmals gestiftet im Jahr 1868, der elfmal in zwölf Jahren über den großen Teich nach den Vereinigten Staaten gegangen war, in diesem Jahr im Land blieb. Die siegreiche Mannschaft der Königlichen Luftwaffe zeigte großes Durchstehvermögen, aber die amerikanische Mannschaft der Princeton-Universität wäre vielleicht nicht schon im Semifinale ausgeschieden, wenn sie sich nicht im Vorlauf gegen die Rüsselsheimer, die sie, scharf nachsetzend, bis zu einem 40er Schlage herauftrieben, mehr verausgabt hätte, als ihnen taktisch lieb war. Die Auseinandersetzung zwischen den Flörsheim-Rüsselsheimern und den Amerikanern war eines der schärfsten Rennen der ganzen Regatta.

Es folgt die Regatta in Essen, wo Tonguc Türsan zwei Einerrennen gewinnen kann und der Kohl-Vierer in beiden Vierern knapp verliert, außerdem mit dem Vierer des RV Cassel in Renngemeinschaft im Achter startet, aber auch hier klar gegen Amicitia Mannheim das Nachsehen hat. Dennoch wird der Kohl-Vierer wegen seiner Stetigkeit in den Leistungen vom DRV im Vierer-mit für den Dreiländerkampf in Bled gemeldet, wo man sich allerdings dem jugoslawischen Boot klar geschlagen geben muss.

Erfolgreicher Einerruderer der RuGem Flörsheim-Rüsselsheim 1953: Tonguc Türsan, hier mit Georg Löhr am Bootssteg

Fünf Siege im Seniorvierer-mit 1953: Horst Rocker, Edmund Petry,
Hans Schneider, Horst Zimmermann und Steuermann Hubert Klein (vorn)

Nach den sich anschließenden Regatten in Offenbach (4 Siege), Hannover (2 Siege), Stuttgart (1 Sieg) und Frankfurt (1 Sieg) steht die Meisterschaftsregatta auf dem Mannheimer Mühlauhafen auf dem Programm. In der Rudergemeinschaft gibt es noch einmal den Versuch, aus Vierer und Achter einen Achter mit Titelchancen zu "basteln", doch die Meinungen sind zu unterschiedlich, so dass keine Einigung zustande kommen kann.

So starten beim Deutschen Meisterschaftsrudern und den gleichzeitig stattfindenden Jugend-Bestenkämpfen in Mannheim anfangs August für die RuGem Flörsheim-Rüsselsheim der Kohl-Vierer im Vierer-mit, der Baumgardt-Vierer im Jugend-Vierer und zwei Achter. Der Flörsheimer Achter, der von Fritz Brumme trainiert wird, startet in der Besetzung mit Horst Rocker, Edmund Petry, Hans Schneider, Horst Zimmermann, Georg Schneider, Erich Kohl, Adam Munk, Schlagmann Karl Bauer und Steuermann Hubert Klein, der Rüsselsheimer Achter unter der Trainingsleitung von Gerhard Ruppert und des Frankfurters Karl Momberger mit Wilfried Seipp, Hans Heckmann, Georg von Opel, Helmut Schwinn, Werner Gallon, Horst Höhmann, Helmut Lock, Schlagmann Willi Schmidt und Steuermann Rolf Bopp.

Zum Vierer-mit haben neun Boote gemeldet. Der Flörsheimer Kohl-Vierer belegt im 2. Vorlauf den letzten Platz, muss in den Hoffnungslauf, siegt hier und steht damit im Finale. Jedoch Köln 77 und Favorite Hammonia Hamburg bestimmen das Rennen, im Ziel liegen die Kölner 3,1 Sekunden vor Hamburg, 1,2 Sekunden zurück folgt die RG Oberrad, dann Köln 91, auf dem fünften Platz der Kohl-Vierer der RuGem und Letzter wird der Bremerhavener RV. Der Flörsheimer Baumgardt-Vierer siegt im Vorlauf des Jungruderer-Vierers, muss sich allerdings in einem der beiden Zwischenläufe mit dem vierten Platz begnügen, so dass das Finale abgehakt werden muss.

Wie im Vierer-mit haben auch neun Boote zum Achter gemeldet, so dass zunächst zwei Vorläufe zu überstehen sind. Der Bauer-Achter aus Flörsheim belegt in seinem Vorlauf klar zurück den dritten Platz, und auch der Schmidt-Achter aus Rüsselsheim kann in einem äußerst knappen Rennen − Mannheimer RV Amicitia 5:47,5 min, Der Hamburger und Germania RC 5:47,6 min und RuGem Flörsheim-Rüsselsheim 5:47,7 min − nur Dritter werden. Zu dem folgenden Hoffnungslauf treten die Flörsheimer nicht mehr an, die Rüsselsheimer kommen als Dritte ins Ziel, damit sind auch sie im Endlauf nicht dabei. Deutscher Meister wird Amicitia Mannheim vor dem Hamburger und Germania RC und dem Mannheimer RC.

Bei den Herbstregatten in Limburg und Frankfurt wird nochmals der Rudernachwuchs in Rennen geschickt, so dass hier vier Regattasiege dazu kommen. Insgesamt kann die Rudergemeinschaft im Jahr 1953 mit 38 Rennsiegen, davon 33 im Renn- und 5 im Gig-Boot, in der DRV-Jahrespunkttabelle nach ersten Plätzen in den Jahren 1951 und 1952 mit 270 Punkten noch einen dritten Platz hinter dem Kölner RV 1877 mit 320 Punkten und dem Mannheimer RV Amicitia mit 300,5 Punkten belegen.

Getrenntes Trainieren und Starten von Mannschaften in der Regattasaison 1953 erweisen sich als der Beginn des Auseinanderlebens der Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim. Zunehmende Uneinigkeiten führen schließlich dazu, dass in einer Sitzung der Rudergemeinschaft am 26. August 1953 im RRK-Bootshaus beschlossen wird, die Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim zum 15. September 1953 aufzulösen. Dazu schreibt Heino Knopp in der "Nachtausgabe" am Tag der Auflösung einen Nachruf:

Flaggen auf halbmast

Zur Auflösung der RuGem Flörsheim-Rüsselsheim

Am heutigen Dienstag ist die RuGem Flörsheim-Rüsselsheim sanft entschlafen. Sie hatte einen normalen Exitus, wie Vorstandsmitglied Dr. med. Karl Renker konstatierte; Komplikationen im Krankheitsbild ließen bereits seit langem das Schlimmste befürchten, das nunmehr auch eingetreten ist.

Der gesamte deutsche Rudersport hat in tiefer Trauer seine Flaggen auf halbmast gesenkt, und Beileidstelegramme aus aller Welt geben unverfälscht Ausdruck von der großen Beliebtheit, der sich der Schlachtruf "Jumbo" überall erfreute.

Ehrender Nachruf

Selbst Heinz Loosen, der grimmige Rivale von Köln 77, vergaß allen Hader und kondolierte, DRV-Präsident Dr. Walter Wülflng aber hat in einem Blitztelegramm einen ehrenden Nachruf im "Rudersport" versprochen, dessen Umfang und Aufmachung selbst den kürzlichen "Rückblick 1951 – 1953" bei weitem noch übertreffen sollen.

Gern gesehener Gast

Wohl getan, meine Lieben. Denn: die RuGem Flörsheim-Rüsselsheim war der erfolgreichste deutsche Ruderverein der Nachkriegszeit. Noch vor der Wiederaufnahme des DRV in die FISA weilte der Opel-Achter in Henley. Der gute Name Georg von Opels öffnete Tür und Tor; man erwies sich des Präsidenten würdig und war überall ein gern gesehener Gast.

Der Achter, von Fritz Brumme trainiert, war das Paradestück, mit dem vier Meisterschaften errungen wurden. Die Vierer-Kombinationen waren nicht minder erfolgreich, und selbst im Skiff langte es 1947 zu einem Titelgewinn.

"Regatta der Superlative"

Die alljährliche Pfingstregatta mit gutem Recht als die "Regatta der Superlative" propagiert, war für viele das rudersportliche Großereignis des Jahres und hatte all die Namen aufzuweisen, die führend waren im europäischen Rudersport. Anthony Rowe, Gewinner der "Diamond Sculls", kam mit Eric Phelps aus England an den Untermain (und wurde von Waldi Beck geschlagen!), Schmid/Kalt vom Seeclub Zug dominierten im Zweier-ohne. Schweden, Franzosen, Belgier, Österreicher, Jugoslawen, Türken und Australier: wer zählt die Völker, nennt die Namen, die all' zu Opel rudern kamen ...

Und dies soll nun vorbei sein? Passé? Kaum zu glauben. Ganz Schlaue behaupten, Georg von Opel habe nur die Firma gewechselt. Wer weiß?

Wesentliche Voraussetzung für die Loslösung des RRK vom Flörsheimer RV ist das fertiggestellte RRK-Bootshaus. Etwa ein Jahr nach der Freigabe kann der RRK vom 3. bis 5. Juli 1953 mit wohlgelungenen Veranstaltungen sein in Eigenhilfe renoviertes Haus einweihen. Die Anwesenheit des Präsidenten der FISA, Gaston Mullegg, gibt dem Einweihungsfest die besondere Note. Für die unter seiner Leitung und auch von ihm persönlich geleistete Aufbauarbeit wird Friedrich Traiser mit der Goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet und zum Ehrenmitglied des RRK ernannt. Wir zitieren aus dem "Mitteilungsblatt der Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim":

Am 3., 4. und 5. Juli wurde die Weihe des Bootshauses gefeiert. Es waren zwar nur die Abendstunden dafür vorgesehen, aber es wurde Tag, das lag wohl an den Gästen und war ein Zeichen dafür, dass es allen sehr gut gefallen hat.

Der Klubabend am Freitag war der Familie gewidmet, ein offizielles Programm war nicht vorgesehen. Vielleicht war das der Grund, weshalb es schon gleich so gemütlich anfing. Sofort wurde intern beschlossen, dass am Donnerstagabend die Stammtischbesucher ihre Armbanduhren beim Wirt abgeben müssen und dass die schöne Bauernstubenuhr abgestellt wird. Die protestierenden Ehefrauen wurden nach diesem Beschluss, durch einen Huckepack-Tanz mundtot gemacht, wobei die Tänzer immer wieder behaupteten, dass sie alle in den Himmel kommen, weil sie so brav sind.

Saal und Vorstandszimmer des renovierten Bootshauses 1953

Bauernstube des renovierten Bootshauses 1953

Seite aus dem "Goldenen Buch des RVR" anlässlich der Einweihung
 des renovierten RRK-Bootshauses am 4. Juni 1953

Der Festkommers am Samstagabend war der offiziellen Weihe des wiederaufgebauten Bootshauses gewidmet. Gaston Mulleg, der Präsident der FISA, konnte leider an diesem Abend nicht bei uns sein, da sein Flugzeug über zwei Stunden Verspätung hatte.

In seiner Festansprache führte Dr. Karl Renker u. a. aus, dass der Bau eines Hauses das Ziel eines Menschen sei und von allen Sportvereinen müssten besonders Rudervereine nach dem Bau eines Bootshauses streben. Nach dem geschichtlichen Überblick sagte er zum Abschluss, dass die Zahl der gefallenen Aktiven erschütternd wäre und dass die durch den Krieg entstandenen Verluste nur durch erhöhten Fleiß und zähen Willen ausgeglichen werden können. Er wünsche, dass dieses Haus nie mehr ein solches Schicksal erleiden möge, wie in der Vergangenheit.

"Pip" Traiser meinte: "Wir haben die Hemdsärmel hochgekrempelt und angefangen. Ein jeder hat nach bestem Können, Vermögen und Interesse mitgeholfen. 5.400 Arbeitsstunden wurden von den Mitgliedern geleistet!" Er übergab dem RRK-Vorsitzenden Dr. Karl Renker feierlich die Schlüssel des neu erstandenen Hauses.

Die Hockeyabteilung trägt, wie schon in den Vorjahren, Freundschaftsspiele gegen namhafte Gegner aus, besucht das Osterturnier in Bad Kreuznach und das Pfingstturnier in Lahr. Anfang September folgt eine Wettspielreise der 1. Herrenmannschaft in die Schweiz, bei der fünf Spiele ausgetragen werden, darunter gegen den Schweizer Meister, Stade Lausanne, wovon vier siegreich und eines unentschieden beendet werden.

Die Erste Herrenmannschaft des RRK beim Oster-Hockeyturnier in Bad Kreuznach 1953 (hinten: Alfred Rausch, Philipp Gütlich, Karl Saar, Ludwig Kraft, Fritz Schneider, Josef Schnur, Werner Leonhardt, Hans Richter; vorn: Werner Klepper, Heinz Klein, Dieter Cezanne)

Das renovierte Bootshaus des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 im Jahr 1953

Im Herbst findet die Hockey-Hauptversammlung im RRK-Bootshaus statt. Trotz des guten Umfeldes – zwei fabelhaft hergerichtete Hockeyplätze und ein wiederhergestelltes Klubhaus mit wunderbaren Gesellschaftsräumen – lässt die Mitarbeit sehr viele Wünsche offen. Der Besuch der Versammlung ist so schlecht, dass keine komplette Abteilungsleitung gebildet werden kann. Abteilungsleiter bleibt Karl Saar, Kassierer Alfons Margraf sowie Jugendtrainer Werner Klepper und Fritz Schneider.

Bei der Hessischen Hallenhockey-Meisterschaft 1953/54, die bereits am zweiten Dezember-Wochenende in Wiesbaden ausspielt wird und bei der achtzehn Mannschaften in drei Gruppen um den Einzug in die Endrunde kämpfen, kann zwar die Endrunde erreicht werden, jedoch in die Entscheidung kann der RRK nicht eingreifen. Hessenmeister wird der Wiesbadener THC.

Insgesamt spielt die Hockeyabteilung mit sieben Mannschaften – Erste Herren, 1b-Herren, Alte Herren, Damen, Jugend, Schüler und Mädchen, es werden 106 Spiele ausgetragen, davon werden 45 gewonnen, 41 verloren und 20 enden unentschieden.

Im RRK feiern im Jahr 1953 zwölf Jubilare ihr 25-jähriges Jubiläum; es sind die Mitglieder Friedebert Armbruster, Willi Filtzinger, Georg Franke, Karl Jacob, Edgar Klein, Willi Klein, Wilhelm Nold, Dr. Karl Renker, Josef Saar, Karl Schömbs, Josef Schön und Curt Schrod.

Im Laufe des Jahres verliert der RRK den Ruderkameraden Friedrich "Fritz" Schadt und, durch einen tragischen Unfall, den jungen Hockeykameraden Peter Büdel.

Flörsheim-Rüsselsheim holt die Gemeinschaftsflagge ein

"Ein Rückblick auf sieben Jahre sportlicher Aufbauarbeit"

Von Paul Elschner (aus "Rudersport" vom 23. Oktober 1953)

Die Leitung der in Liquidation getretenen RuGem Flörsheim-Rüsselsheim hat nachstehende Verlautbarung herausgegeben: "Die Mitglieder der RuGem Flörsheim-Rüsselsheim haben im Einvernehmen mit den beiden Stammvereinen Flörsheimer RV 08 und Rüsselsheimer RK 08 zum 15. September 1953 die Auflösung der Renngemeinschaft beschlossen. Durch die erfolgreiche Spitzen- und Breitenarbeit der Rudergemeinschaft haben sich die beiden Vereine derart entwickelt, dass der Wunsch nach einer stärkeren Entfaltung ihres Eigenlebens entstand. Auf Grund der langjährigen Erfahrungen in gemeinsamer sportlicher Arbeit und vieler Erfolge halten beide Vereine es in Zukunft für das zweckmäßigste, ihre Jugend unter eigener Flagge starten zu lassen und von Fall zu Fall für die erstklassigen Mannschaften die Form einer Renngemeinschaft zu wählen."

Eingeweihte wussten, dass bereits seit mehr als einem Jahr gewisse Spannungen bestanden, die sich schließlich verdichteten, was durch die zweifache Achtermeldung zu den diesjährigen Meisterschaften unterstrichen wurde. Es soll nicht unsere Aufgabe sein, zu den eingetretenen Ereignissen Stellung zu nehmen, um so mehr nicht, als die auf Veranlassung des Rüsselsheimer Partners in dessen Bootshaus stattgefundene Auflösungsversammlung einen durchaus harmonischen und würdigen Verlauf nahm. Sie stand unter Leitung von Dr. Georg von Opel, assistiert von den beiden stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Karl Renker (Rüsselsheim) und Heinrich Dreisbach (Flörsheim) und gipfelte in der Feststellung, dass sich Dr. Georg von Opel und Fritz Brumme große Verdienste um die Rudergemeinschaft erworben haben. Mag die Situation gewesen sein wie sie will, eines steht jedenfalls fest: es hat eine Gemeinschaft ihre Flagge eingeholt, die während ihres fünf- bzw. siebenjährigen Bestehens nicht nur für den mainischen und hessischen, sondern für den gesamten deutschen Rudersport außerordentlich viel getan und erreicht hat. Es bedarf gewiss nicht des Hinweises, dass sich die Rudergemeinschaft auch im Ausland einen Namen schaffte. Von Flörsheim-Rüsselsheim aus wurden zu einer Zeit, als der DRV noch nicht wieder in die FISA aufgenommen war, die ersten internationalen Startbeziehungen aufgenommen, und das in einer Epoche größter rennsportlicher Erfolge der Rudergemeinschaft, die von 1947 bis 1952 die erste Stelle in der Punkttabelle eingenommen hat. Unbestreitbar – und das werden auch die aus bestimmten Gründen zurückhaltend urteilenden Stellen zugeben müssen –, haben zwei Männer am Untermain das uneingeschränkte Verdienst, durch ihr vielseitiges Wirken für den deutschen Rudersport Großes geleistet zu haben.

Es würde den Rahmen des von der Redaktion zur Verfügung gestellten Raumes sprengen, wollte man alle die Erfolge, und die von Flörsheim-Rüsselsheim ausgegangenen Anregungen aufzählen; sie liegen auf dem Gebiet des Rennsports, des Regattawesens, des Bootsbaues. Es soll nur kurz daran erinnert werden, welche stolze Erfolgsserie die Mannschaften der RuGem Flörsheim-Rüsselsheim (1947 und 1948 waren die Ruderer in einer Renngemeinschaft zusammengefasst) in den verflossenen sieben Jahren nachweisen können. Ihre 303 Siege erkämpften sie in Deutschland auf 27 Regattabühnen, einschließlich aller Großplätze mit Ausnahme von Hamburg, und im Ausland beim Dreiländerkampf 1951 in Wien, ferner in Basel und Ostende. Die Senioren starteten außerdem in Marlow, wo sie wertvolle zweite Plätze im Finale belegten, in Gent, Henley und Bled. Die Siege verteilen sich auf alle Bootsgattungen. Im Jahre 1947 wurden die Erfolge mit den Meisterschaften im Einer, Achter und "Leichten Vierer-mit" und im darauffolgenden Jahr ebenfalls im Achter, Vierer-ohne und "Leichten Vierer-ohne" gekrönt. Auch im Jahre 1949 gelang es Flörsheim-Rüsselsheim, seine Meistertitel im Vierer-ohne und Achter erfolgreich zu verteidigen.

Das Jahr 1950 brachte viele große Allgemeinsiege, auch im Achter, der Titel in dieser Bootsgattung musste aber an Köln 77 abgegeben werden. Auf dem Floßhafen in Mainz holte die Achtermannschaft 1951 ihren Meistertitel zurück und war somit zum vierten Male in dieser Bootsgattung Sieger. In Renngemeinschaft mit Undine Offenbach wurde auch der Sieger im Doppelzweier gestellt. Außer diesen zehn Deutschen Meisterschaften reichte es 1952 zum Doppelzweiersieg bei den Jugend-Bestenkämpfen und in der vergangenen Saison wurde der Einer-Titel bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften an den Untermain gebracht. Die Preise aus vielen hochwertigen Achter- und Viererrennen auf den bedeutendsten deutschen Regatten wanderten in die beiden Bootshäuser.

Neue Wege wurden bei der Ausrichtung der alljährlichen Flörsheimer Regatta beschritten und teilweise von den benachbarten Groß- und mittleren Regatten übernommen. Die Werbung durch Flörsheim-Rüsselsheim ging soweit, dass der Untermain im Jahre 1950 eine Regatta präsentieren konnte, die in ihrer zahlenmäßigen Besetzung unerreicht dasteht. Die Rekord-Statistik dieser Regatta weist eine Beteiligung von 3.100 Ruderern aus 89 Vereinen, zusammengefasst in annähernd 700 Booten aus. In der 117-jährigen Geschichte des deutschen Rudersports ist das einmalig. Die beiden letzten Flörsheimer Regatten trugen internationalen Charakter und brachten Klassemannschaften aus England, der Schweiz und Australien an den Start. Neben Spitzenkönnern aus Österreich, Schweden und Jugoslawien gingen Mannschaften aus Belgien und der Türkei in die Rennen. Welcher deutsche Ruderverein hat in einem Zeitraum von nur sieben Jahren eine solch stolze Erfolgsbilanz aufzuweisen?

Nur ungern vermisst man im vereinsstarken Main-Rhein-Gebiet die zu einem festen Begriff gewordene Flörsheimer Regatta. Es dürfte jedoch damit zu rechnen sein, dass die beiden nun wieder ihr Eigenleben führenden Rudervereine in den Städten Rüsselsheim und Flörsheim sich nach der nächstjährigen Unterbrechung doch wieder zur Ausschreibung einer Regatta entschließen werden.

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