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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1969

"So etwas hat es in den 61 Jahren seit Bestehen des RRK nicht gegeben." "Es muss wieder zu einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Hockeyspielern und Ruderern kommen. Unter den Aktiven ist das Verhältnis noch am besten." "Ich sehe zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit, eine fruchtbare Arbeit zu gewährleisten." "Ich will der Katz' die Schelle anhängen: der schnöde Mammon ist's!" Das sind Aussprüche von RRK-Mitgliedern bei der am 24. Januar 1969 stattfindenden Generalversammlung. Lassen wir die "Frankfurter Rundschau" über diese denkwürdige Versammlung berichten:

Anzeige in der "Main-Spitze" zu den Fastnachtsveranstaltungen der RRK-Ruderabteilung des Jahres 1969

In sich zerstritten

Hauptversammlung des Ruder-Klubs ohne Ergebnis

Eitel Sonnenschein hatte noch im Sommer vergangenen Jahres beim Rüsselsheimer Ruder-Klub geherrscht, als die Hockeymannschaft erstmals den Titel eines Deutschen Feldhockeymeisters erringen konnte. Der großartige Erfolg konnte aber nur bis zur Generalversammlung des Vereins die Wolken verdecken, die sich schon seit geraumer Zeit über dem Verein zusammengeballt hatten. Offen trat der Bruch zwischen der Ruderabteilung und der Hockeyabteilung zutage, der wohl in der Feststellung des Hockey-Abteilungsleiters Hans Eisen gipfelte: "Einem Hockeyklub würde ich vorstehen, niemals aber einem Ruderklub."

Die Differenzen zwischen beiden Abteilungen wurden eher von den passiven denn von den aktiven Mitgliedern manifestiert. Kritik kam von den Sportlern lediglich im Bericht des Ruder-Abteilungsleiters Wilfried Hoffmann zum Ausdruck, der finanzielle Schwierigkeiten bemängelte und dafür den Gesamtverein verantwortlich machte, der den Ruderern zu wenig Zuschüsse gewähre. Auf finanzielle Schwierigkeiten des Vereins hatte zuvor schon Vorsitzender Josef Saar hingewiesen. Trotz eines sportlich überaus erfolgreichen Jahres sei es dem RRK aus finanziellen Erwägungen heraus nicht möglich gewesen, dringende Reparaturen am alten Bootshaus durchzuführen. Der Verein befinde sich ohne Zweifel in einem Engpass mit seinen Finanzen. Daraus gebe es nur einen Ausweg, den einer verstärkten Mitgliederwerbung und einer stärkeren Abschöpfung des Wirtschaftsbetriebes.

Echte Differenzen ergaben sich erst bei der Wahl zum neuen Vorstand, nachdem dem seitherigen Vorstand einstimmig Entlastung erteilt worden war. Heinz Vorfalt nahm eine Kandidatur zum Ersten Vorsitzenden an, während Hans Eisen mit der oben bereits erwähnten Erklärung ablehnte. Bei fünfzehn Stimmenthaltungen wählte die Versammlung Heinz Vorfalt zum neuen Vorsitzenden. Wider Erwarten lehnte Eisen auch eine Kandidatur zum stellvertretenden Vorsitzenden ab, wie sich auch Josef Saar nicht bereit erklären wollte, das Amt des Schatzmeisters zu übernehmen. Dreier Abstimmungen bedurfte es schließlich, bis Heinz Vorfalts Antrag auf Erweiterung des geschäftsführenden Vorstandes von bisher drei auf fünf Mitglieder Zustimmung fand. Diese Neuregelung aber ist nur durch eine Satzungsänderung und folglich in einer außerordentlichen Generalversammlung zu verwirklichen. Diese wird am 15. März stattfinden, wobei die Wahl zum Ersten Vorsitzenden noch einmal auf dem Programm stehen wird, denn Heinz Vorfalt legte angesichts der scheinbar unüberbrückbaren Differenzen sein Amt wieder nieder. Der langjährige Vorsitzende Günter Schmitt kommentierte diese Versammlung: "So etwas hat es in der Geschichte des Ruder-Klubs noch nicht gegeben."

Der 20-jährige Martin Müller (rechts) auch in der Halle für den RRK eine der tragenden Spieler, hier in einem Gruppenspiel um die Hessenmeisterschaft am 19. Januar 1969

Nach großen Erfolgen auf Hallenhockey-Turnieren qualifiziert sich die Herrenmannschaft für die Endrunde zur Hessen-Meisterschaft am 25. und 26. Januar 1969 in der Frankfurter Sporthalle-Süd. Nach einem 7:2 über den TEC Darmstadt und einem 7:5 über den SC Sachsenhausen-Forsthausstraße verliert der RRK nach einer 3:1-Führung noch 4:5 gegen den SC Frankfurt 1880 (aus zehn Strafecken macht der RRK nur ein Tor!) und wird damit "nur" hessischer Vizemeister. Damit ist die Teilnahme an der Süddeutschen und der Deutschen Meisterschaft in der Halle verspielt.

Die Hockeysenioren des RRK gewinnen in der Halle die Hessische Hockeymeisterschaft ihrer Klasse mit den Spielern Otto Mack, Winfried Cezanne, Hans Hermann, Bodo Schäfer und Rüdiger Weidmann.

Im Februar veranstaltet die Ruderabteilung im Bootshaus drei Fastnachtsveranstaltungen unter dem Motto "Apollo Sex".

Die zweite RRK-Mitgliederversammlung am 15. März 1969 segnet zunächst eine neue von Gerhard Müller und Friedrich Traiser erarbeitete Satzung ab, die unter anderem den Vorstand von drei auf fünf Personen erweitert, und wählt zum 1. Vorsitzenden Heinz Vorfalt, zum 2. Vorsitzenden Günter Schmitt, zum Schatzmeister Gert Neumann, zum Wirtschaftsverwalter Josef Saar und zum Schriftführer Paul Schmitt. Die seither noch vorhandenen Kanuaktivitäten werden der Ruderabteilung unterstellt. Außerdem werden die Mitgliedsbeiträge erhöht. Eine bei der Versammlung beschlossene Befragung der Mitglieder zum Zweck der zukünftigen Mittelverteilung ergibt, dass sich 151 Mitglieder mehr dem Rudern verbunden fühlen, 79 Mitglieder mehr dem Hockeysport und 149 Mitglieder keine Sportart vorziehen.

Im März besucht die deutsche Hockey-Nationalmannschaft ein Länderturnier in Pakistan (Lahore), wobei Fritz Schmidt, Peter Kraus, Rainer Seifert und Martin Müller in das deutsche Aufgebot berufen werden. "Das hat es meines Wissens nach dem Kriege in Deutschland noch nicht gegeben: vier Spieler von einem Verein im Aufgebot für die Nationalmannschaft. Ich freue mich riesig darüber, dass ich aus der Heimat Gesellschaft erhalten habe." Das ist die erste spontane Reaktion eines Altgedienten im Nationaltrikot, Fritz Schmidt, als er die Nachricht von der Berufung seiner Mannschaftskameraden erhält. Die Freudenbotschaft ist in einem persönlichen Brief enthalten, den Hugo Budinger, Trainer der Nationalmannschaft, Fritz Schmidt übermittelt hat.

Am 13. April 1969 steigt das 1. Hockey-Länderspiel am Rüsselsheimer Sommerdamm, das die deutsche Elf mit 2:0 gegen Südafrika gewinnt. In der deutschen Mannschaft überzeugen Peter Kraus im Tor und Fritz Schmidt im Mittelfeld.

Hans "Hennes" Hermann wird aus der 1. Mannschaft verabschiedet,  Mannschaftskapitän Fritz "Schimmi" Schmidt bedankt sich im Namen der Mannschaft (Hans Hermann, Roland Segner, Walter Leichtweiß, Martin Müller, Peter Kraus, Fritz Schmidt)

Der Hockey-Bundestag in Heidelberg beschließt im April die Einführung einer Feldhockey-Bundesliga, jedoch der amtierende Deutsche Meister, der RRK, wird nicht in dieser Bundesliga platziert. Daraufhin fasst die Mannschaft den festen Entschluss, diese "merkwürdige Entscheidung" der Funktionäre so bald wie möglich auf dem Spielfeld zu korrigieren. Freundschaftsspiele im In- und Ausland, als Höhepunkt am 3. September 1969 ein Spiel gegen den Olympiasieger, die "Pakistani", umrahmen das Spielprogramm der Herrenmannschaft in der neugegründeten Süd-Oberliga, Gruppe Nord, in der der RRK als Herbstmeister mit 10:2 Punkten bereits ernsthafte Ansprüche für einen Aufstieg in die Bundesliga anmeldet. Mit den anderen Mannschaften, der lb, den Senioren, der A- und B-Jugend und zwei Schülermannschaften spielt der RRK mit wechselndem Erfolg. Zum neuen Abteilungsleiter der Hockeyabteilung und damit Nachfolger von Alfred Rausch wird Hans Eisen von der Hockey-Hauptversammlung gewählt.

Erster Test für die Ruderer ist der Maarauelauf in Mainz-Kastel. Werner Greif siegt für den RRK in der Jugendklasse, außerdem wird hier mit Bernd Nothnagel auf dem vierten Platz und Klaus Schmidt ein erster Platz in der Mannschaftswertung belegt. Einen weiteren ersten Platz in der Mannschaftswertung bei den männlichen Teilnehmern über 32 Jahre erreichen Heinz Peter Walter, Heinrich Alt und Ernst Weidmann.

Am 2. Mai 1969 schreibt das RRK-Ehrenmitglied Dr. Georg von Opel an "seinen" RRK einen Brief mit folgenden Sätzen: "... , möchte ich den Vorschlag machen, dass Sie einmal Herrn Fritz Brumme aufsuchen und ihn bitten, zwei oder drei Trainingsabende durchzuführen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass unsere Jungen nicht wissen, wie man einem Boot den besten Antrieb gibt. Es hat keinen Sinn, nur halbe Schläge zu tun oder zu versuchen, aus Wasser Schlagsahne zu machen, oder ins Wasser hinein und hinaus zu hauen wie die Kanuten. Nur das richtige Vorrollen, Spannen des Körpers wie einen Bogen und dann härtestes Setzen mit den Beinen bringt den Erfolg."

Die Rennmannschaften, die unter der Leitung von Klaus Köppen, Werner Alt und Andreas Hartmann trainieren, bestehen aus einem Seniorachter sowie zwei schweren und zwei leichten Jugendvierern. Insgesamt werden im Jahr 1969 zwölf Regatten besucht, darunter die Eichkranzrennen in Essen, und 52 Rennen belegt.

Der Seniorachter mit Helmut Schumacher, Joachim Saborowski, Norbert Ulrichs, Reinhard Kober, Hans-Peter Kraft, Wolfgang Pfizenmaier, Horst Kamke, Horst Ruf und Stm. Ralph Dreisbach (Georg Hofferberth) siegt in Gießen, Bamberg und Kassel (2 mal). Bei den Eichkranzrennen (U23) in Essen liegt der RRK-Achter im Finale bei der 1.500-m-Marke noch in günstiger zweiter Position, doch 500 Meter weiter im Ziel ist man nur sechstes und damit letztes Boot. Die Jugend kann nur einen Sieg in Gießen erringen. Insgesamt gesehen steht die Ausbildung junger Ruderer im Vordergrund der Bemühungen.

Der Seniorachter (U23) des RRK im Jahr 1969 mit Helmut Schumacher, Joachim Saborowski, Norbert Ulrichs, Reinhard Kober, Hans-Peter Kraft, Wolfgang Pfizenmaier, Horst Kamke, Horst Ruf und Stm. Ralph Dreisbach

Am 20. September 1969 steigt unter der Leitung von Wolfgang Vorfalt das 2. Bayerische Bierfest der Ruderabteilung, zu dem auch die Ruderfreunde vom RaB Essen anreisen und das wieder sehr guten Anklang findet. Bereits am Nachmittag des Tages tragen die Ruderer von RaB und RRK ihren Städteachter aus, den der RRK erstmals gewinnen kann.

Das Abrudern am 5. Oktober 1969 beschließt die Rudersaison mit einer internen Regatta, an der sich 42 Aktive beteiligen und Rennen im Einer, Vierer und Achter austragen. Klubmeister im Einer wird Wilfried Hoffmann mit einem Vorsprung von zwei Bootslängen vor Ulrich Vorfalt und Rudolf Müller.

Eine Mordsgaudi ist das 2. Bayerische Bierfest der Ruderabteilung des RRK. Für eine der vielen Überraschungen des Abends
sorgen die Ruderfreunde des RaB aus Essen. Sie haben ein Spanferkel mitgebracht, das Gaststättenpächter Walter Henss (rechts)
"zur weiteren Erledigung" entgegennimmt (Klaus Köppen, Wolfgang Vorfalt, Karsten Neuhäußer, Walter Henss)

RRK-Seniorvierer 1969 mit Reinhard Kober, Hans-Peter Kraft, Horst Kamke und Helmut Schumacher

Die Ende des Jahres beginnende Hallensaison läuft für die Erste Herrenelf des RRK hervorragend. Bis zum Jahresende hat die Mannschaft in der Halle kein Spiel verloren, hat das Reutlinger Hockeyturnier zum dritten Mal und das wohl größte Hallenturnier mit allen deutschen Spitzenmannschaften in Frankfurt ebenfalls gewonnen. Mit Sehnsucht wartet man auf die Fertigstellung der Walter-Köbel-Halle, damit die abendliche Fahrerei zum Training in fremde Hallen ein Ende hat. Ebenfalls prächtig schlägt sich die A-Jugend des RRK in der Halle, gegen Höchst fehlt ihr ein Tor zum Gewinn der Hessenmeisterschaft – doch auch die Vizemeisterschaft ist ein Erfolg.

Beim RRK-Herbstball Ende November kann der Klub sieben Jubilare für langjährige Mitgliedschaft ehren: Rudolf Holz, Karl Müller und Paul Schubert für 50 Jahre, Willi Filtzinger, Hans Knoll und Rudolf Limbach für 40 Jahre sowie Alfred Rausch für 25 Jahre. Karl Müller und Paul Schubert erhalten auch die Goldene Ehrennadel des DRV.

Die Ruderer des RRK haben für den 9. Dezember ihre zweite Hauptversammlung nach Gründung einer selbständigen Ruderabteilung im Jahr 1968 angesetzt. Die "Main-Spitz" berichtet:

Finanzielle Lage verwehrt Neuanschaffung

Wilfried Hoffmann weiter an der Spitze der Ruderer

RRK-Ruderabteilung hatte Hauptversammlung – Fünf Saisonerfolge

Im Mittelpunkt der Hauptversammlung der Ruderabteilung des Rüsselsheimer Ruder-Klubs stand die Wahl der Ruderleitung. Vorher berichtete der seitherige Leiter der Ruderabteilung über das nun vergangene Ruderjahr. Nachdem im Jahr 1968 781 Ruderfahrten und 15.079 Mannschaftskilometer von 120 Mitgliedern absolviert wurden, waren es im Jahr 1969 713 Fahrten mit 15.585 Mannschaftskilometern unter Teilnahme von 108 Ruderern. Die Trainingsleitung der Aktiven und der Jugendlichen lag im wesentlichen in den Händen von Klaus Köppen, Werner Alt und Andreas Hartmann. Insgesamt wurden während der vergangenen Regattasaison zwölf Regatten besucht und 52 Rennen bestritten. Fünfmal konnte der RRK als Erster über die Ziellinie gehen. Der AH-Achter konnte in diesem Jahr in seinem Städte-Achterrennen gegen den RK am Baldeneysee Essen zum ersten Male einen Sieg herausfahren.

Neben der sportlichen Tätigkeit war man jedoch auch auf gesellschaftlichem Gebiet tätig. Herausragendes Fest war dabei das von der Ruderabteilung unter der Leitung von Wolfgang Vorfalt arrangierte zweite Bayerische Bierfest, das sehr viel Anklang fand.

Finanziell hat man trotz einer Besserung gegenüber dem Jahr 1968 immer noch große Schwierigkeiten, so dass an die Neuanschaffung eines unbedingt notwendigen Bootes immer noch nicht zu denken ist. Mit einem Dank an alle, die die Ruderabteilung während des Jahres unterstützt haben, schloss der Bericht der Ruderleitung.

Nach dem Bericht des Kassenwarts Rudi Reitz, der in einer interessanten Aufschlüsselung Ausgaben und Einnahmen differenzierte, folgte die einstimmige Entlastung und anschließend die Neuwahl der Ruderleitung, die folgendes Ergebnis zeigte: Leiter Ruderabteilung Wilfried Hoffmann, Stellvertreter Hans-Karl Gerbig, Kassenwart Rudi Reitz, Jugendleiter Ulrich Vorfalt, Organisation Wolfgang Vorfalt und Rudolf Müller, Bootswart Hermann Müller, Schriftführer Klaus Hartmann, Beisitzer Walter Petri, Helmut Boemke und Gerhard Ruppert.

Bei der Sportlerehrung der Stadt Rüsselsheim im großen Saal der Stadthalle "singt" Rüsselsheim seinen verdienten Sportlern die Laudatio und ehrt sie durch Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Storsberg. Der RRK ist "nur" vertreten durch die Hessenmeister der Hockeysenioren und Karl Pöppel, der für sein ehrenamtliches Engagement im RRK mit dem Ehrenbrief ausgezeichnet wird.

Durch den Tod verliert der RRK im Jahre 1969 den Klubkameraden Dr. Theo Brandt, in jungen Jahren erfolgreicher Ruderer des Rudervereins Rüsselsheim.

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