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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1971

Am 1. Januar gehören dem RRK 373 Mitglieder an. Die Generalversammlung des RRK am 29. Januar 1971 ist von nur 39 Mitgliedern besucht. Die Besetzung der Vorstandsämter ändert sich nicht.

Im Hockey konzentriert sich die Herrenmannschaft des RRK, die die Vorrunde in der Südgruppe der Feldhockey-Bundesliga auf dem 1. Platz beendet hat, nun auf die Hallensaison. Die Hessische Hallenhockey-Meisterschaft wird in einer Punktrunde unter sieben Mannschaften ausgetragen. Überlegen mit 12:0 Punkten verteidigt der RRK den ja auch im Vorjahr gewonnenen Titel eines Hessenmeisters im Hallenhockey vor dem SC Frankfurt 1880. Die "Main-Spitze" berichtet:

Konkurrenz nur Spielball für Rüsselsheimer

RRK im Handgalopp zur neuerlichen Hessenmeisterschaft

7:1 gegen TEC Darmstadt und 12:3 gegen Limburger HC die Schlusssteine – SC Frankfurt 1880 mit Mühe Zweiter

Es war nur noch eine Formalität, mit der der Rüsselsheimer RK am vergangenen Samstagnachmittag in der Sporthalle-Süd der Frankfurter Willemerschule am letzten Spieltag der hessischen Hallenhockey-Oberliga seinen erneuten Titelgewinn bestätigen musste. Ebenso wie in den beiden Wochenenden zuvor der SC 80, Sachsenhausen-Forsthausstraße, RV Offenbach oder der Wiesbadener THC, mussten abschließend der TEC Darmstadt und der Limburger HC die Vormachtstellung der Rüsselsheimer respektieren. Mit 1:7 Toren kamen dabei die Darmstädter noch relativ glimpflich über die Runden, und auch die Limburger, die noch vor dem letzten Spieltag in zweiter Position lagen, hatten bei ihrer 3:12-Niederlage noch längst nicht die ganze Überlegenheit der Rüsselsheimer Hockeytruppe zu spüren bekommen. Mit dem Rüsselsheimer RK qualifizierte sich für die süddeutsche Endrunde der noch amtierende deutsche Feldhockeymeister, SC Frankfurt 1880 , der sich in seinen letzten Begegnungen freilich gewiss nicht mit Ruhm bekleckern konnte. Nach einem 10:2-Erfolg über Limburg erreichten die Frankfurter im Lokalderby mit Sachsenhausen-Forsthausstraße nur einen mühevollen und erst in der Schlussphase sichergestellten 6:5-Sieg.

Mit Peter Kraus, Frieder Fleck, Fritz Schmidt, Rainer Seifert, Martin Müller, Manfred Liebig, Wolfgang Beck und Walter Leichtweiß sowie Karl-Heinz Nuffer als zweitem Torhüter trat der Rüsselsheimer RK in seiner gewohnten Besetzung an.

Es folgt Ende Januar die Süddeutsche Hallenhockey-Meisterschaft in Bruchsal und hier kann der RRK, der sich von Spiel zu Spiel steigern kann, die hochgespannten Erwartungen der Anhänger vollauf befriedigen. Nach Siegen über Bad Kreuznach, SSV Ulm, HG Nürnberg und HC Heidelberg steht der RRK im Endspiel gegen die TG Frankenthal. Die Presse schreibt:

Nachklänge von den Hallenhockey-Titelkämpfen in Bruchsal

Rüsselsheimer RK – ein Vorbild an Harmonie, Fritz Schmidt und seine unheimliche Waffe

Jetzt soll die Hochform bis zum 5. März konserviert werden – Peter Kraus in dieser Form Deutschlands Torhüter Nr. 1 – Sekt und Jubelgesang

Im Endspiel der 8. Süddeutschen Hallenhockeymeisterschaften standen sich mit dem Titelverteidiger TG Frankenthal und dem Rüsselsheimer RK die Vorjahresfinalisten wieder gegenüber.

Nach vier Minuten gingen dann die Frankenthaler überraschend in Führung. Trump und Sutter überspielten mit einem gekonnten Doppelpass die RRK-Abwehr. Zwar konnte Peter Kraus den Schuss parieren, doch es war kein Rüsselsheimer zur Stelle, um den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern. Sutter nahm den Abpraller auf, und es hieß 1:0 für die Pfälzer. Im Gegenzug erzielten die Rüsselsheimer ihre zweite kurze Ecke, gegen die Bastian diesmal machtlos war. Dieser Ausgleichstreffer von Fritz Schmidt gab den Rüsselsheimern mächtigen Auftrieb, und es sah ganz danach aus, als sollten die Rüsselsheimer dieses Endspiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden. Zwei weitere Tore von Fritz Schmidt ergaben bis zur 15. Minute eine 3:1-Führung des RRK, der zu diesem Zeitpunkt wesentlich höher führen konnte. Doch Rüsselsheims Stürmer zeigten Nerven beim Ausnützen der Torchancen, und als die Abwehr etwas leichtsinnig wurde, konnten die Frankenthaler durch Trump und Schumacher nochmals zu 3:3 ausgleichen. Die letzte Spielminute vor der Halbzeit zeigte dann den rund 1.000 Zuschauern in der vollbesetzten Bruchsaler Sporthalle, wie rasant Hallenhockey sein kann. Zunächst nahm Martin Müller einen langen Pass von Fritz Schmidt auf, umspielte noch einen Gegner und schoss aus spitzem Winkel flach und platziert zum 4:3 ein.

Hessenmeisterschaft und dann auch Süddeutsche Meisterschaft im Hallenhockey 1971 für den RRK (hinten: Abteilungsleiter Hans Eisen, Frieder Fleck, Martin Müller, Walter Leichtweiß, Manfred Liebig, Coach Josef Schnur, RRK-Vorsitzender Heinz Vorfalt; vorn: Fritz Schmidt, Wolfgang Beck, Peter Kraus, Karl-Heinz Nuffer, Rainer Seifert)

Auch nach dein Wechsel behielten die Rüsselsheimer deutlich die Oberhand. Ihre Überlegenheit drückte sich in einer ganzen Reihe von Strafecken aus. Zwei dieser Ecken verwandelte Fritz Schmidt zu einem beruhigenden 6:3-Vorsprung. In den Schlussminuten versuchten die Rüsselsheimer, diesen Vorsprung Über die. Zeit zu bringen. Lediglich Peter Trump konnte seinen Nationalmannschafts-Kameraden Peter Kraus bei einer Strafecke einmal bezwingen, und bei einer weiteren Ecke rettete Wolfgang Beck auf der Torlinie.

Für die Statistik sei erwähnt, dass die Rüsselsheimer in fünf Spielen 31 Tore erzielten. Erfolgreichster Schütze war Fritz Schmidt, der eindrucksvollste Spieler dieser süddeutschen Meisterschaft, mit 14 Toren vor Martin Müller mit sechs Zählern. Die restlichen Treffer besorgten Fleck (3), Seifert, Beck und Leichtweiß (je 2), sowie Liebig und Schneider. Zwei Siebenmeter erhielt der RRK zugesprochen, von denen Rainer Seifert allerdings nur einen verwandeln konnte.

Bestens vorgesorgt hatten Abteilungsleiter Hans Eisen und Seppl Schnur. In einem Bruchsaler Hotel hatten sie am Sonntag drei Zimmer gemietet, in denen sich die Spieler zwischen den Begegnungen ausruhen konnten.

Vor dem Finale baten Kameraleute des Fernsehens die Rüsselsheimer aus Kontrastgründen auf ihre roten Trikots zu verzichten. Da die Hockeyspieler in dieser Beziehung etwas abergläubig sind, wurde innerhalb der Mannschaft abgestimmt. Drei stimmten für rote Trikots, drei für blaue. Für die Entscheidung sorgte dann Walter Leichtweiß. Mit der Bemerkung, "In diesem Hemd wurde ich vor sieben Jahren süddeutscher Meister", streifte er sich das blaue Trikot über.

Bereits zum dritten Mal gewann Karl-Heinz Nuffer, der zweite Torhüter des RRK, die Süddeutsche Hallenhockey-Meisterschaft. 1964 und 1971 mit dem RRK und 1968 errang er den Titel im Tor des SC Frankfurt 1880.

Nach dem Endspielsieg herrschte natürlich großer Jubel in der Rüsselsheimer Kabine. Sektflaschen machten die Runde und auch das Lied von dem Verein, der nicht untergehen wird, feierte fröhliche Urständ.

Schillerndste Spielerpersönlichkeit des neuen Süddeutschen Meisters: Fritz Schmidt. Obwohl der Bäckermeister in der Nacht vor dem Turnier noch seinem Beruf nachging und deshalb am ersten Tag nicht seine Bestform erreichen konnte, war er in der Übersicht, in der Fähigkeit, aus einem abgewehrten Angriff blitzschnell einen eigenen Vorstoß zu konstruieren, der "König" von Bruchsal. Zudem hat sich die Schwäche des Rüsselsheimer Spiels, die mangelnde Konzentration beim Verwandeln von Strafecken zu einem Trumpf ersten Ranges entwickelt. Beim Endspiel-Sieg der Rüsselsheimer verwandelte Fritz Schmidt allein fünf der sechs kurzen Ecken zu Treffern, im Vorrundenspiel gegen Ulm sogar vier von vier Möglichkeiten. Peter Kraus, der zweite Rüsselsheimer A-Nationalspieler, hat derzeit selbst von Rott nichts zu fürchten, denn in dieser Form kann der Bundestrainer einfach nicht an ihm vorbeigehen. Abteilungsleiter Hans Eisen: "Peter Kraus im Tor – das ist schon die halbe Miete."

Jetzt gilt es, die gute Form bis zu den deutschen Titelkämpfen am 5. und 6. März in Hamburg zu konservieren. Deshalb wollen Rüsselsheimer, deren Harmonie auffällig gegen die individuelle Unbestimmtheit des SC Frankfurt 1880 absticht, noch einige Turniere besuchen, darunter schon am Wochenende eines mit der westdeutschen Elite in Bergisch-Gladbach. Nach der Absage des Weltturniers in Lahore können die Rüsselsheimer nachmelden, und das tun sie auch.

"Wir fürchten keinen", sagt Hans Eisen im Hinblick auf die Titelkämpfe in Hamburg, bei denen die Rüsselsheimer in ihrer Gruppe auf Rot-Weiss Köln (West II), DHC Hannover (Nord II) und den Titelverteidiger Berliner HC (Berlin l) treffen. In der anderen Gruppe spielen: Gladbacher THC (West I), Klipper Hamburg (Nord I), TG Frankenthal (Süd II) und HC Heidelberg (Süd III). Die Heidelberger erkämpften sich die Fahrkarte in Bruchsal mit einem 6:4 gegen den HC Ludwigsburg.

Damit ist der RRK für die Deutsche Hallenhockey-Meisterschaft am 5. und 6. März 1971 in Hamburg qualifiziert und wird von vielen Experten mit zu den Favoriten dieser Meisterschaft gestempelt. Doch in der Alsterdorfer Sporthalle läuft es nicht wie erwartet. Nach einer knapp gewählten Anreise sowie einer größeren Zugverspätung muss der RRK nach der Ankunft sofort auf das Spielfeld, ohne sich einspielen zu können. Das geht natürlich schief und der RRK verliert gegen Rot-Weiss Köln 7:9. Nun will man es gegen den Berliner HC mit aller Macht schaffen, doch es folgt auch hier eine 6:7-Niederlage und aus ist der Traum. Der folgende 8:4-Sieg über den DHC Hannover berechtigt nur noch zum Spiel um den 5. Platz gegen Klipper Hamburg, das schließlich 8:8 endet.

Bereits eine Woche später startet die Mannschaft zu einer 15-tägigen Traumreise nach Kenia in den afrikanischen Spätsommer, einmal um sich von der anstrengenden Hallensaison zu erholen, zum anderen um sich auf die Rückrunde der Feldhockey-Bundesliga vorzubereiten. Die Rüsselsheimer Expedition umfasst 25 Teilnehmer. Neben dem kompletten Bundesliga-Aufgebot sind auch Hans "Hennes" Hermann aus der Meistermannschaft 1968 sowie die RRK-Hockeyleitung dabei, außerdem ein Journalist sowie ein Reporter und ein Kameramann des Hessischen Fernsehens. In der 1. Woche werden vier Spiele im 1.700 m hoch gelegenen Nairobi ausgetragen, anschließend folgt eine Woche Erholung am Indischen Ozean. Das "Rüsselsheimer Echo" schreibt nach der Reise:

14-tägige Traumreise der Herrenmannschaft des RRK nach Kenia (hinten: Wolfram Jirzik, Bodo Schäfer, Wolfgang Schneider, Walter Leichtweiß, Martin Müller, Fritz Schmidt, Rainer Seifert, Frieder Fleck, Schiedsrichter; vorn: Wolfgang Beck, Peter Kraus, Manfred Liebig)

RRK-Hockey übertraf Erwartungen

Zufriedenstellende Bilanz nach der Ostafrikareise

Die Hockeymannschaft des Rüsselsheimer RK wird heute von ihrer 15-tägigen Ostafrikareise auf dem Rhein-Main-Flughafen zurückerwartet. In Nairobi, der Hauptstadt von Kenia, wurden in der ersten Woche vier Spiele bestritten, wobei die Rüsselsheimer dreimal siegreich blieben und das letzte gegen eine Auswahl mit einem Unentschieden beendeten.

Nach dem ersten Spiel bezweifelten die Rüsselsheimer selbst, ob sie die Erwartungen der Gastgeber erfüllen können, doch abschließend lässt sich sagen, dass sie gar noch übertroffen wurden. Gewiss, im ersten Spiel gegen die Vereinsmannschaft des Waranchi HC, sah der RRK beim 2:1 nicht besonders gut aus. Die große Hitze und die Höhenlage (1.700 m) machte sich doch stärker bemerkbar als angenommen. Dazu kam, dass die Mannschaft erst in der Nacht zuvor eintraf und seit vier Monaten kein Feldhockey mehr absolvierte. So war es auch kein Wunder, dass schon in der Halbzeit vier Spieler ausgewechselt werden mussten.

Dass zwei Tage später gegen den Impala-Club nur mit 3:2 gewonnen wurde, war ein "Verdienst" der beiden indischen Schiedsrichter, die dem RRK serienweise Strafecken und zwei Siebenmeter verweigerten. Aus diesem Grund bestanden die Rüsselsheimer darauf, gegen die Stadtauswahl von Nairobi selbst den Schiedsrichter zu stellen. Dies wurde auch akzeptiert, doch dafür durften die Rüsselsheimer nicht auswechseln. Fritz Schneider als Schiedsrichter zeigte den Gastgebern, was unter einem Unparteiischen zu verstehen ist. Den 1:0-Erfolg hatte der RRK vor allem Torwart Peter Kraus zu verdanken, der mit zahlreichen Paraden einen Gegentreffer verhinderte.

Dieser knappe Sieg gab dann aber den nötigen Auftrieb zum letzten Treffen gegen die Liga-Auswahl, die mit acht Nationalspielern antrat. Zu diesem Treffen war auch der Sportminister von Kenia erschienen, dem die Rüsselsheimer vorgestellt wurden. Auch der deutsche Botschafter Ruhfuss weilte zusammen mit Botschaftsrat Dr. Haas dem Treffen bei. Zweimal ging die Auswahl in Führung, doch Beck und Müller erzielten jeweils den Ausgleich und kurz vor Schluss hatte Seifert die gesamt Abwehr ausgespielt, seine harte Flanke lenkte Schneider knapp am Tor vorbei.

Trotz dieser Erfolge wurden die Rüsselsheimer in der letzten Woche, als sie zur Erholung am Indischen Ozean weilten, nicht übermütig. Zwar wurde die Enttäuschung über das schwache Abschneiden bei den Deutschen Hallenmeisterschaften überwunden, der Mannschaft ist aber auch klar, dass ihr in der am kommenden Sonntag beginnenden Rückrunde der Bundesliga nichts geschenkt wird. Auch während der Urlaubswoche setzte Mannschaftskapitän Fritz Schmidt an jedem Morgen eine Stunde Training an.

Sofort nach der Rückkehr fordert die Bundesliga die Mannschaft wieder voll. Der RRK will seine Spitzenposition verteidigen, um am 20. Juni 1971 zum zweiten Mal das Hockey-Endspiel in Rüsselsheim am Sommerdamm austragen zu können. Es folgt Sieg auf Sieg und nach einem hart erkämpften 2:1 in der "Höhle des Löwen", beim Deutschen Meister des Jahres 1970, dem SC Frankfurt 1880, ist der RRK praktisch für das Hockey-Endspiel am 20. Juni am Sommerdamm qualifiziert. 

Während die Hockey-Abteilungsleitung mit den organisatorischen Vorbereitungen vollauf beschäftigt ist, bereitet sich die Mannschaft unter Coach "Seppel" Schnur und Spielertrainer "Schimmi" Schmidt, dem mittlerweile 68-fachen Nationalspieler, in aller Ruhe auf den großen Tag vor. Als Endspielgegner setzt sich in der Nord-Bundesliga Rot-Weiss Köln durch. Und dann ist es endlich soweit. Bei strömendem Regen vor etwa 3.000 Zuschauern wird der RRK in einem packenden Hockeyfinale durch einen 1:0-Sieg zum zweiten Mal in der Klubgeschichte Deutscher Feldhockeymeister. Während der RRK vor der Halbzeit die klar dominierende Mannschaft ist (1:0 durch Liebig in der 12. Minute), kommen die Rheinländer in der zweiten Spielhälfte stärker auf, laufen sich jedoch immer wieder an der stabilen Deckungsreihe des RRK fest. Aus der Hand des DHB-Präsidenten Dr. Adolf Kulzinger erhält Fritz Schmidt den von Olympiasieger Pakistan gestifteten Pokal überreicht. Karl Ulrich Schließmann schreibt im "Rüsselsheimer Echo": 

Seite aus dem "Goldenen Buch des RVR" anlässlich der Akademischen Feier zum Gewinn der zweiten Deutschen Feldhockey-Meisterschaft durch die RRK-Herren im Jahr 1971

Taktik und Verbissenheit waren die Merkmale

Rüsselsheimer RK ein würdiger Meister – Fairness nicht an allen Ecken

Als sich Fritz Schmidt und seine Mannschaftskameraden für die Kamera in Pose setzen – in der Mitte der große hässliche Pott als Trophäe des Sieges –, waren die Anstrengungen siebzig langer Minuten vergessen. Sie hatten das Lachen des Siegers im Gesicht, derweil die Besiegten abseits standen und mit dem Schicksal haderten. 

Nur der Sieg zählt. Diese Maxime des Leistungssports fand hier ihre eindringliche Bestätigung. Die einen umjubelt, gefeiert, die anderen geschlagen, vergessen. Es wäre beschämend gewesen, hätte nicht wenigstens Bürgermeister Dr. Storsberg noch im nachhinein ein Lob für die sportliche Leistung der Kölner gefunden. Denn wer mag schon ermessen, ob nicht ein Quäntchen mehr Glück dazu beitrug, dem Rüsselsheimer RK zum Sieg zu verhelfen. 

Ein einziges Tor – gewiss schwer erkämpft – war das Maß aller Dinge dieses 29. Endspiels. Dieses einzige Tor wird die Elle sein, mit der der Meister gemessen wird, zwölf Monate lang, bis dass vielleicht erneut ein einziger Treffer in siebzig Minuten darüber entscheidet, wer im Rampenlicht steht und wer im Schatten. Im Olymp des Sports ist stets nur Platz für einen – für den Sieger.

Dieses Ringen um den Sieg war nicht bestimmt durch Schönheit. Hierfür war der Preis zu hoch. Taktik und Verbissenheit kennzeichneten das Spiel, und den Rüsselsheimer Anhängern mag sehr wohl bewusst gewesen sein, dass der RRK va banque spielte – und Glück hatte. Denn wenn auch die Kölner in der ersten Halbzeit nicht gerade eine überzeugende Leistung boten, in der zweiten Halbzeit waren sie oftmals brandgefährlich und dem Ausgleich sehr nahe. 

Die Spannung des Spiels war derart hoch, dass die Zuschauer erst begriffen, als die Schläger der Rüsselsheimer Spieler durch die Luft wirbelten. Salti mortale der Freude, wohl aber auch der Erleichterung. Der Regen hatte ohnehin Begeisterung gedämpft. Ein Dach von tausend Schirmen umspannte das Spielfeld, und der Rasen des Platzes trug hässliche braune Narben als Spuren des Kampfes. Nur vereinzelt belebten Sprechchöre die Szene. Der Fairness auf dem Rasen stand die Unfairness der Zuschauer gegenüber. Als 1968 der RRK zum ersten Mal – damals gegen Schwarz-Weiß Köln – die Meisterschaft holte, war man großzügiger, konnte es sein, weil die Rüsselsheimer stets Herr der Lage waren. Gestern aber, als das Spiel trotz der frühen Führung auf des Messers Schneide stand, wurden die Kölner bei jedem Eckball ausgebuht. Und dieses Schmähen zeigte Wirkung, denn so mancher Schlag verfehlte weit die Richtung. Dies schmälert letztlich nicht die große Leistung aller Rüsselsheimer Spieler, soll aber auch der Fairness wegen nicht unerwähnt bleiben. Der RRK ist gewiss ein würdiger Meister. Er hat eine eindrucksvolle Serie von Bundesligaspielen mit dem Gewinn der Meisterschaft gekrönt. Bei den Hallenmeisterschaften hatte man die Rüsselsheimer noch verhöhnt, als sie sang- und klanglos untergingen, wo sie als Favoriten galten. Jetzt huldigt man dem Meister Rüsselsheimer RK.

 

"Wir haben den Pott!!" Aus der Hand des DHB-Präsidenten Dr. Adolf Kulzinger erhält der Deutsche Feldhockey-Meister 1971 erstmals den vom Hockey-Olympiasieger des Jahres 1968 Pakistan gestifteten Pokal überreicht.

Nach einem 1:0-Sieg über Rot-Weiss Köln ist der RRK Deutscher Meister im Feldhockey 1971 (hinten: Wolfgang Schneider, Roland Segner, Manfred Liebig, Walter Leichtweiß, Wolfgang Beck, Karl-Heinz Nuffer, Rainer Seifert, Masseur Karl-Heinz Bog, Frieder Fleck, Fritz Schmidt, Coach Josef Schnur; vorn: Peter Kraus, Bodo Schäfer, Martin Müller, Helmut Köhler; es fehlen: Tomas Blivier, Wolfram Jirzik)

 

Der sportlichen Großtat folgt die gesellige, die Meisterschaftsfeier im RRK-Bootshaus. Unter den Gästen Hessens Ministerpräsident Albert Osswald, Landrat Willi Blodt, Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Storsberg, DHB-Präsident Dr. Adolf Kulzinger, IOC-Mitglied und RRK-Ehrenmitglied Dr. Georg von Opel, HHV-Vorsitzender Jürg Schaefer, Helmut Meyer vom DSB, MdB Otto Zink, MdL Martin Schlappner und viele mehr. 

Im Gegensatz zur Hockeyabteilung arbeitet die Ruderabteilung mehr im Stillen und in der Breite. Beim Anrudern am 2. Mai 1971 können vier neue Boote ihrer Bestimmung übergeben werden, drei davon gehören dem Schulsportzentrum, eines dem RRK. RRK-Vorsitzender Heinz Vorfalt kann bei der angesetzten Feierstunde zahlreiche Ehrengäste begrüßen, unter ihnen Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Storsberg und den Bürgermeister von Evreux, Augustin Azemia. Nachdem Augustin Azemia den RRK-Doppelzweier auf den Namen "Evreux" getauft hat, folgt die Taufe der Schulboote; ein Rennvierer erhält den Namen "Gerhart Hauptmann", ein Gigvierer den Namen "Max Planck" und ein Gigzweier den Namen "Friedrich Ebert". Wir zitieren die "Main-Spitze":

Bürgermeister Augustin AzemiaTaufpate

Denkwürdiges Ereignis im Rudersport

Schulsportzentrum erhielt drei neue Boote – Neuer RRK-Zweier auf den Namen "Evreux" getauft

Gegen 11 Uhr am Sonntagmorgen war es endlich soweit: die Jugendruderer des RRK konnten vier neue, gerade getaufte Boote nach einem kräftigen "Hipphipphurra" zum diesjährigen Anrudern zu Wasser lassen. Drei von ihnen werden dem Schulsportzentrum für Ausbildungszwecke zur Verfügung stehen, eines der neuen Boote geht in den Besitz des RRK über.

Beim RRK-Anrudern 1971 tauft Evreux Bürgermeister Augustin Azemia einen neuen Renn-Doppelzweier des RRK auf den Namen seiner Stadt

Gegen 10 Uhr hatten sich geladene Gäste und Freunde des Rudersports auf der Bootshauswiese eingefunden, um an der kleinen Feierstunde, die zu einem denkwürdigen Ereignis des Rüsselsheimer Rudersports wurde, teilzunehmen. RRK-Präsident Heinz Vorfalt sprach die begrüßenden Worte und betonte dabei, dass der Beginn vor einem Jahr, ein C-Vierer wurde für das Schulsportzentrum aus Mitteln einer Spendenaktion der Mitglieder erworben, zu einer Bewegung mit breiter Resonanz eingeleitet habe.

"Das war das Startzeichen für das Schulrudern", stellte der Redner erfreut fest, "dem jetzt 37 Schüler nachgehen können." Der Präsident dankte vor allem den Männern des Kultusministeriums, die in bürokratischer Weise dem Vorhaben entgegenkamen und die Mittel zur Anschaffung, immerhin rund 22.000 Mark, zur Verfügung stellten.

Eine Herzensangelegenheit des Präsidenten, das Wanderrudern, "eröffne dem Menschen ganz neue Perspektiven beim Kennenlernen der Heimat". "Rudern ist eine der Sportarten, die geeignet ist, den jungen Menschen in die Gemeinschaft zu führen. Dort muss er sich unbewusst freiwillig einordnen", führte der Redner weiter aus.

Bürgermeister Azemia aus der Partnerstadt Evreux, der zu Gast in Rüsselsheim weilte, ergriff dann als erster den großen Sektkelch und taufte das Boot des RRK auf den Namen "Evreux". Gerade als man ihm den Pokal aus der Hand nehmen wollte, wehrte er gelassen mit einem "Langsam, langsam" ab und nahm selbst einen kräftigen Schluck, zum Vergnügen aller Anwesenden.

Oberstudiendirektor Werner Keil von der Kantschule würdigte ebenfalls die Verdienste des Kultusministeriums und fügte humorvoll hinzu, dass seine Arbeit des rechten Verwaltens der neuen Boote mindestens ebenso wichtig sei. Er übergab nacheinander Oberstudiendirektor Dr. Dr. Matthias und den Rektoren Höche und Betz den Pokal zur Taufe auf die Namen der Planck- und Ebertschule. Das mit tiefroten Nelken geschmückte Boot "Friedrich Ebert" veranlasste Direktor Matthias zu der Bemerkung, als man ihm das zu taufende Boot zeigen wollte: "Eigentlich nicht zu übersehen, bei der Farbe!" Er sagte ferner: "Mag dieses Boot im Frieden für eine freie deutsche Jugend im Sinne des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik zu Wasser gehen!"

Bei herrlichem Sonnenschein wurden dann die vier Boote nacheinander zum Anrudern ins Wasser gebracht. Oberstudiendirektor Matthias ließ es sich nicht nehmen, auf der Jungfernfahrt des Friedrich-Ebert-Vierers als Steuermann zu fungieren. Mainaufwärts ging's zur ersten Fahrt in die neue Saison.

RRK-Jugendruderer im Oktober 1971 mit zwei Ruderbooten auf dem Neckar unterwegs (hinten: Thomas Sperber, Heinz Nold, Michael Seipp, Karl-Heinz Schwarzer, Ulrich Steinfurth, Manfred Gerlach, Thomas Leichtfuß; vorn: Michael Walther, Bernd Weiser)

Beim Stadtstaffeltag des Stadtverbandes für Leibesübungen können die RRK-Ruderer überzeugen. Eine Mannschaft besteht aus neun Läufern, die eine Strecke von 3,2 km – unterteilt in 4 mal 200 m, 4 mal 400 m sowie 1 mal 800 m – zurückzulegen haben. Vom Start, dem Parkplatz gegenüber der Parkschule, führt die Rennstrecke durch die Taunusstraße, Grabenstraße, Stettiner Straße, Ahornallee, den Ostpark, Feuerbachstraße zum Ziel, der Albrecht-Dürer-Schule. Zunächst sind die Jugendlichen an der Reihe, und hier erreicht der SC Opel als Erster die Ziellinie, gefolgt vom RRK, dem TV Haßloch, dem TV Königstädten, der TG und schließlich der TuS. Im Lauf der Aktiven sind es nicht, wie vielleicht erwartet, die Leichtathleten die ihre Konkurrenz aus artfremden Sportdisziplinen beherrschen. Ab der 7. Wendemarke demonstrieren die RRK-Ruderer ihre Qualitäten auf dem Lande. Dietmar Klausen kann sich auf seinem 400-Meter-Abschnitt von der Konkurrenz absetzen und den entscheidenden Vorsprung herausholen, den dann Heinz Peter Walter bis ins Ziel verteidigt. Auf den Plätzen landen der TV Königstädten, der Schwimm-Club, die TuS, der Judo-Club und die Undine. Die siegreiche Mannschaft des RRK startet mit Wolfgang Vorfalt, Lutz Dörsam, Ralf Wachtarz, Ulrich Steinfurth, Klaus Schmidt, Werner Laut, Helmut Schumacher, Dietmar Klausen und Heinz Peter Walter.

Mit den Rennmannschaften, die Ulrich Vorfalt trainiert, werden die Regatten in Gelsenkirchen, Flörsheim, Wesel, Hamburg, Hanau, Eberbach, Kassel, Mühlheim, Kitzingen und Schierstein besucht. Außerdem erfolgen neun Starts beim Städtevergleichskampf mit Aschaffenburg, von denen der RRK allerdings nur zwei siegreich beenden kann. Bei 33 Starts können sieben Siege und acht zweite Plätze erkämpft werden. Erfolgreichste Ruderer des Jahres sind mit drei Siegen der jugendliche Einerfahrer Kurt Hofferberth sowie der Jugendvierer mit Guido Petri, Heinz Nold, Klaus Kraft, Manfred Gerlach und Stm. Reinhold Richter.

Bei der die Regattasaison beendenden internen Regatta des Abruderns kann mit Harald Ruppert erstmals einer der jüngeren Ruderer Klubmeister im Einer werden, da er den sechsmaligen Klubmeister Wilfried Hoffmann in die Schranken weisen kann.

Im Oktober geht Trainer Ulrich Vorfalt mit 9 Jugendruderern − Manfred Gerlach, Heinz Nold, Karl-Heinz Schwarzer, Michael Seipp, Thomas Sperber, Ulrich Steinfurth, Michael Walther, Bernd Weiser und Thomas Leichtfuß − auf eine zweitägige Ruderwanderfahrt. Man hat sich den Neckar ausgewählt und rudert mit zwei Klinkervierern an den beiden Tagen insgesamt 76 km von Bad Wimpfen nach Heidelberg.

Großes Hallo im Bootshaus: Der RRK feiert sein nun schon traditionelles Bayerisches Bierfest. Nach dem Zwei-Längen-Achtersieg am Nachmittag über die Ruderfreunde vom Ruderklub am Baldeneysee Essen stemmen die Ruderer des RRK mit ihren Frauen ein Bier und tanzen anschließend bis in den frühen Morgen (hinten: Wilfried Hoffmann, Rudolf Müller, Werner Alt, Reinhard Kober, Lutz Dörsam, Klaus Hartmann, Ulrich Vorfalt, Dr. Rainer Kobel (etwas verdeckt); vorn: Margarete Kober, Elvira Müller, Ursula Alt, Renate Dörsam, Maria Hartmann, Birgit Hoffmann, Christiane Vorfalt, Frau Kobel)

Am Ende des Jahres haben 108 Ruderer 1.450 Fahrten auf dem Wasser unternommen und erreichen dabei etwa 12.000 Bootskilometer. Die "fleißigsten" Ruderer sind Guido Petri mit 1.279 km vor Manfred Gerlach mit 1.247 km und Kurt Hofferberth mit 1.086 km.

Das "Bayerische Bierfest" der Ruderer ist wieder ein voller Erfolg, nachdem am Nachmittag der RRK-Achter die Essener Freunde klar distanziert hat. Knüller des Festes ist die "amerikanische" Versteigerung eines Klaviers.

Ende November treffen sich die Mitglieder Ruderabteilung zu ihrer Hauptversammlung. Erfreulich ist die Entwicklung des Schülerruderns im RRK, von dem belebende Impulse ausgehen. Für den nicht mehr zur Verfügung stehenden Wilfried Hoffmann wird Günter Schmitt zum neuen Abteilungsleiter gewählt. Sein Stellvertreter wird erneut der Protektor Schülerrudern Hans-Karl Gerbig, Kassenwart wird wieder Klaus Hartmann. Als Trainer für 1972 sind Dr. Rainer Kobel (Aktive) und Ulrich Vorfalt (Jugend) vorgesehen.

Bei der Sportlerehrung der Stadt Rüsselsheim erhalten die Hockeymeister den "Silbernen Lorbeerzweig"; Hans Eisen wird für sein ehrenamtliches Engagement im RRK mit dem Ehrenbrief der Stadt Rüsselsheim ausgezeichnet. Der Stadtverband für Leibesübungen kürt die Hockeymannschaft zur "Mannschaft des Jahres 1971" in Rüsselsheim.

Kurz vor Weihnachten werden Peter Kraus und Fritz Schmidt gemeinsam mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft von Staatssekretär Wolfram Dorn im Bonner Hotel "Tulpenhof" mit dem "Silbernen Lorbeerblatt", der höchsten Sportauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, ausgezeichnet. Damit werden die Siege bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft in Bombay sowie der Europameisterschaft in Brüssel im Jahr 1970 gewürdigt.

Am 14. August 1971 stirbt nach einem Herzversagen im Alter von 59 Jahren das Ehrenmitglied des RRK, Dr. Georg von Opel (in Freundeskreisen "Schorsch" oder "de Ungel" genannt), der mit 117 Rudersiegen, darunter sieben Deutsche Meisterschaften, erfolgreichste Ruderer in der Geschichte des RRK, weiterhin langjähriger 1. Vorsitzender des Rudervereins Rüsselsheim und später des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08. Damit verliert der RRK einen großen Förderer des Sports. 

"Bild" berichtet zum Tod von Georg von Opel

Todesanzeige "Georg von Opel"

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