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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1972

Das Jahr beginnt im Hockey mit den hessischen Titelkämpfen. Während die Seniorenmannschaft des RRK mit Otto Mack, Hans "Hennes" Hermann, Bodo Schäfer, Rüdiger "Pepi" Weidmann, Walter Leichtweiß, Thomas Blivier, Horst Pöppel und Winfried "Dick" Cezanne Hessenmeister wird, muss sich die Herrenmannschaft bei der ausgetragenen Punktrunde nach Siegen über THC Höchst (16:3), Offenbacher RV (20:1), TEC Darmstadt (14:3), Limburger HC (16:4), einer 3:4-Niederlage gegen den alten Widersacher SC Frankfurt 1880 und einem abschließenden Sieg über den Frankfurter SC Sachsenhausen-Forsthausstraße (8:3)  mit der Vizemeisterschaft hinter dem SC Frankfurt 1880 begnügen.

Beim großen Hallenturnier in Wiesbaden Ende Januar verpasst der RRK im Halbfinale gegen Uhlenhorst Mülheim knapp die Endspielteilnahme, jedoch bei den Süddeutschen Meisterschaften anfangs Februar in Bad Dürkheim ist die Mannschaft wieder in glanzvoller Form. Nach Siegen in den Gruppenspielen über das Englische Institut Heidelberg, den HTC Nürnberg, die SSV Ulm und die TG Frankenthal steht der RRK im Finale gegen den SC Frankfurt 1880. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

Süddeutscher Titel in Bad Dürkheim glanzvoll verteidigt

RRK – Ein Meister ohne Fehl und Tadel

Die Hessen triumphierten bei den süddeutschen Hallenhockey-Meisterschaften am Wochenende in der im neuen Glanz erstrahlenden Halle von Bad Dürkheim in einer Weise, die die Konkurrenz im Westen und Norden aufschrecken muss. Es war ein Triumph auf der ganzen Linie, aber mit unterschiedlicher Rollenverteilung, wenn man zum Vergleich die Hessenmeisterschaften heranzieht. Diesmal dominierte der Rüsselsheimer RK als süddeutscher Titelverteidiger im Endspiel gegen den Erzrivalen aus der Mainmetropole mit 10:5 eindeutig und spielte seine Trümpfe aus, die vor vierzehn Tagen im Ärmel geblieben waren. Die Zuschauer in der ausverkauften Halle erlebten einen Meister ohne Fehl und Tadel, feinsinnig in der Spielanlage, ohne Verkrampfung und mit einer Konzentration beim Abschluss, gegen die selbst die Frankfurter Routiniers um Kittstein und Baumgart machtlos waren.

Letztes Training vor der Deutschen Hallenhockey-Meisterschaft 1972 in Hannover für die Hockeyherren des RRK (Rainer Seifert, Wolfgang Beck, Klaus Held, Peter Kraus, Karl-Heinz Nuffer, Wolfgang Schneider, Manfred Liebig, Martin Müller, Spielertrainer Fritz Schmidt, Frieder Fleck, Hockey-Abteilungsleiter Hans Eisen, Coach Josef "Seppel" Schnur)

Drei Wochen später bei den Deutschen Hallenhockey-Meisterschaften in der Niedersachsen-Halle von Hannover beginnt der RRK in den Gruppenspielen deprimierend mit einer 3:4-Niederlage gegen den SC Frankfurt 1880. Es folgt ein 5:5 gegen den DHC Hannover und ein 8:7-Sieg gegen den Favoriten Rot-Weiss Köln. Damit ist der SC 80 Gruppenerster, der RRK mit etwas Glück Zweiter. Im Halbfinale trifft der RRK auf den hocheingeschätzten Berliner HC und zeigt sich hier auf dem Zenit des Turniers mit einem 8:3-Sieg über den Carsten-Keller-Club. Das ist das Endspiel! Im zweiten Halbfinale erreicht der SC 80 einen schwer erkämpften 5:4-Sieg über den HC Heidelberg. Somit treffen die beiden hessischen Vertreter zum zweiten Mal in diesem Turnier, zum vierten Mal während der Saison aufeinander. Auf dem nervenaufreibenden Weg zum Endspiel hat der RRK jedoch offensichtlich zuviel Energie verbraucht. Wir zitieren das "Rüsselsheimer Echo":

Die RRK-Bank in Hannover mit Karl-Heinz Nuffer, Wolfgang Schneider, Karl-Heinz Bog, Manfred Liebig, Josef "Seppel" Schnur und Klaus Held

Niedersachsen-Halle in Hannover erlebte große Tage des Hallenhockeys

Kurz vor dem Thron verließen den RRK die Kräfte – 80 Frankfurt Meister – Totaler Triumph für Hessen

Jetzt hat das hessische Hockey seine Hegemonie auch offiziell auf die Halle ausgedehnt, in der es für die Mannschaften südlich des Mains bislang bei den größten Ereignissen keine freudigen Stunden gab: bei den Deutschen Hallenhockey-Meisterschaften am Wochenende in der großzügigen Niedersachsen-Halle von Hannover war der Triumph der Südhessen entgegen aller Prognosen der Fachwelt geradezu total. Der SC 80 Frankfurt und der Rüsselsheimer RK schalteten in einem allerdings nervenaufreibenden und strapaziösen Weg zum Finale die vielgerühmte west- und norddeutsche Konkurrenz aus, wobei der Kraftakt, den die Männer um Fritz Schmidt vollbringen mussten, allerdings schon mit dem Hinwegrollen eines Felsbrockens verglichen werden kann, der nach zwei Spielen schon Hoffnungen unter sich begraben zu haben schien. Diese Energien fehlten den Rüsselsheimern dann in den Minuten der Entscheidung, als der SC 80 Frankfurt in einem Treffen von spielerischer Klasse und fairem Geist mit 11:5 den Spieß von Bad Dürkheim bei den süddeutschen Meisterschaften umdrehte: 11:5 für die "Achtziger", also die deutsche Meisterschaft, Platz 2 und der Vizetitel für den Rüsselsheimer RK.

Noch nie waren hessische Mannschaften Meister in der Halle gewesen, jetzt düpierten sie die Konkurrenz. Den Experten blieb nur die Erkenntnis: Deutschlands Hockey-Hochburg steht am Main, wo der Rüsselsheimer RK als amtierender Meister auf dem Feld und der SC 80 als Europacup-Sieger auch in der Freiluftsaison alles gewannen, was zu gewinnen war."

Spielszene aus dem Finale mit Detlev Kittstein/SC80, Günter Dröse/SC80, Fritz Schmidt/RRK und Manfred Liebig/RRK

Spielszene mit Torwart Hofmann/SC80, Wolfgang Beck/RRK, Detlev Kittstein/SC80 und Frieder Fleck/RRK

Im Endspiel um die Deutsche Hallenhockey-Meisterschaft 1972 in Hannover verliert der RRK gegen den SC 80 mit 11:5 und wird "Vizemeister"

Damit dreht der SC Frankfurt 1880 den Spieß wieder einmal um, dem RRK mit Peter Kraus, Karl-Heinz "Utsche" Nuffer, Fritz "Schimmi" Schmidt, Friedrich "Frieder" Fleck, Manfred "Polo" Liebig, Rainer Seifert, Martin "Maddin" Müller, Wolfgang Beck, Klaus Held und Wolfgang Schneider bleibt die Deutsche Vizemeisterschaft im Hallenhockey.

Die Generalversammlung am 4. März 1972 bringt eine Wachablösung im Vorstand. Da der 1. Vorsitzende, der 2. Vorsitzende und auch der Schatzmeister von ihren Ämtern zurücktreten, müssen neue Mitglieder gefunden werden, die fähig und bereit sind, diese Aufgaben zu übernehmen. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Um eine akute Führungskrise zu vermeiden:

Hans Eisen lud sich schweren Herzens eine neue Bürde auf

Jetzt auch Vorsitzender des Rüsselsheimer Ruder-Klubs – "Unser Verein ist finanziell gesund"

Wie rar heute die Bereitschaft geworden ist, in einem Verein an verantwortungsvoller Stelle ehrenamtliche Arbeit zu leisten und wie sehr in dieser Hinsicht gerade die junge Generation das nötige Engagement verweigert, musste auch der Rüsselsheimer Ruder-Klub in seiner Jahreshauptversammlung erkennen. Wenn sich mit Hans Eisen, dem Leiter der Hockeyabteilung, schließlich doch ein Nachfolger für den aus beruflichen Gründen zurückgetretenen Vorsitzenden Heinz Vorfalt fand, dann nur, weil sich der ohnehin schon über Gebühr in Anspruch genommene Chef der Hockeyabteilung schweren Herzens zu einem zusätzlichen "Opfer" entschloss, in der Gewissheit, damit eine schwerwiegende Führungskrise vermieden zu haben. Auf die Dauer muss der Klub, der mit seinem Anwesen und seiner von großen Erfolgen bestimmten Tradition zu den renommiertesten in Rüsselsheim zählt, neue Kräfte heranziehen, um nicht eines Tages in eine schleichende Krise zu gleiten.

Hessenmeister 1972 in der Halle, die Seniorenmannschaft des RRK mit Winfried Cezanne, Thomas Blivier, Hans Hermann, Walter Leichtweiß, Otto Mack, Horst Pöppel, Rüdiger Weidmann und Bodo Schäfer

Nicht nur Heinz Vorfalt hatte sein Amt zur Verfügung gestellt, auch der 2. Vorsitzende Günter Schmitt dankte aus familiären Gründen ab, und Schatzmeister Gert Neumann kandidierte nicht mehr, nachdem er sich – gemessen an der Wichtigkeit seiner Aufgabe – im abgelaufenen Jahr zu wenig an den Sitzungen des Vorstands beteiligen konnte.

Zum Ersten Vorsitzenden wählten die rund 60 erschienenen Mitglieder – wie erwähnt – Hans Eisen, der ausgerechnet die Stimmen der Mitglieder der Hockeyabteilung nicht erhielt, aus naheliegenden Gründen. In diesem Lager fürchtete man, der dynamische Abteilungsleiter könne bei der kommenden Tätigkeit allzu stark "zweckentfremdet" werden. Neuer Zweiter Vorsitzender wurde Dr. Rainer Kobel, der die Ruderabteilung betreut, neuer Schatzmeister der altgediente Willi Nold, seit langem dem RRK eng verbunden. Die wichtige Wirtschaftskasse verwaltet weiter Josef Saar, das Amt des Schriftführers übt Paul Schmitt aus. Als Beisitzer fungieren die Herren Gerhard und Hermann Müller sowie Ludwig Stolz.

360 Mitglieder zählt der RRK nach dem neuesten Stand. Die beiden Abteilungen für Rudern und Hockey führen ein ausgeprägtes Eigenleben. Besonders das der Hockeyspieler führte, wie Hans Eisen in seinem Bericht ausführte, zu strahlenden Erfolgen, die in der Rüsselsheimer Sportöffentlichkeit derart bekannt sind, dass sie an dieser Stelle nicht mehr aufgezählt zu werden brauchen. Aber nicht nur die erste Mannschaft feierte Meisterschaftstriumphe, der auf rund 50 Köpfe angewachsene Nachwuchs unter der Betreuung von Fritz Schneider, Martin Müller und Wolfgang Beck bereitet den Verantwortlichen viel Freude.

Für die Ruderabteilung konnte Günter Schmitt nicht auf solch spektakuläre Erfolge verweisen, aber die zielstrebige Breitenarbeit macht in der Abteilung Fortschritte, auch wenn der zur Kloake entartete Main inzwischen für die Ruderer zum Graus geworden ist. Hans Eisen sieht nur dann noch eine Zukunft für die Abteilung, wenn es ihr gelingt, die allgemeinen tiefgreifenden Strukturänderungen im Rudersport mit den Möglichkeiten des Vereins in Einklang zu bringen.

Ein einzelner Verein, so Eisen, ist heute den Anforderungen nicht mehr gewachsen, und die Tatsache, dass allein im Frankfurter Raum 22 Zellen eine Gemeinschaft bilden, zeigt den einzig noch möglichen Weg mit einem Maximum an Kooperation.

Die finanzielle Struktur des RRK bezeichnete Hans Eisen gestern der "Main-Spitze" gegenüber als gesund. Es habe sich gezeigt, dass der mutige Schritt des Klubs vor einigen Jahren mit dem Neubau des Klubhauses richtig gewesen sei. Der Verein trage seine Schulden systematisch ab und besitze dafür auf der anderen Seite ein ansehnliches Anwesen.

Für die gesellschaftlichen Bande innerhalb des Vereins wollen sich in Zukunft die Vergnügungswarte Hans Müller und Georg Franke einsetzen, die den Vorstand komplettieren.

Wie schon des öfteren in der Nachkriegs-Geschichte des RRK taucht wieder einmal die Idee des Baus von Tennisplätzen am Bootshaus auf; erste Gespräche werden geführt.

Über Ostern steigt am Sommerdamm die Qualifikation für die Endrunde des Hockey-Europapokals der Landesmeister. Der RRK siegt 4:0 über den SC Budapest und 7:1 über den HC Wien und ist damit für die Endrunde an Pfingsten in Frankfurt qualifiziert. Da der 1. Tabellenplatz in der Süd-Bundesliga und damit das Finale um die Deutsche Meisterschaft nicht mehr erreicht werden kann, konzentriert sich alles auf die Europacup-Endrunde der zwölf besten europäischen Mannschaften. Die Gruppenspiele werden in vier Gruppen zu drei Mannschaften ausgetragen. Nach einem 10:0-Kantersieg über die Iren aus Lisburn reicht dem RRK ein Unentschieden gegen den spanischen Meister Egara Terrassa Barcelona, um als Gruppenerster in das Halbfinale einzuziehen. Und hier kommt es dann zu einer dramatischen Begegnung, doch lassen wir die Presse berichten:

Hockey-Europacup bleibt in Frankfurt

5:1 im Finale gegen Eindhoven – Nur Rüsselsheim gefährdete den SC 80

Der SC Frankfurt 1880 wurde auf der sonnenüberfluteten Anlage an der Adickesallee in Frankfurt zum zweiten Mal Sieger des Europacups der europäischen Landesmeister. Vor 4.500 Zuschauern erfüllten die Frankfurter die in sie gesetzte Favoritenrolle und besiegten im Finale den holländischen Meister HTCC Eindhoven mit 5:1. Dritter im Klassement wurde der Rüsselsheimer RK, der den tschechischen Meister Slavia Prag mit 6:1 besiegen konnte und damit unterstrich, dass Hessen und damit die Bundesrepublik Deutschland zur Zeit die Hochburg des europäischen Hockeys ist.

Szene aus dem spannenden Halbfinale, dem vorweggenommenen Endspiel, um den Europapokal der Landesmeister 1972 in Frankfurt zwischen dem SC Frankfurt 1880 und dem RRK, das der SC 80 im Siebenmeterschießen schließlich glücklich für sich entscheiden kann (Helmut Köhler, Wolfgang Nehb, Walter Leichtweiß, Herbert Wimmers, Wolfram Jirzik, Paul Lissek)

Das vorweggenommene Endspiel lief bereits am Sonntagnachmittag vor fast 4.000 Zuschauern zwischen den beiden hessischen Spitzenvereinen der Bundesliga Gruppe Süd, dem Cup-Verteidiger SC 1880 und dem amtierenden deutschen Meister Rüsselsheimer RK. In diesem Treffen voller Dramatik sah man alle Höhen und Tiefen, die beide Mannschaften in einer wahren Nervenschlacht durchmachen mussten.  Zum Schluss war es dann der "Held von Rom", Mike Martin, im 80er Tor, der die Voraussetzungen für den Einzug der Frankfurter ins zweite Cupfinale schaffte. Wie vor einem Jahr im Velodrom der italienischen Hauptstadt standen er und diesmal mit ihm der Rüsselsheimer Nationalhüter Peter Kraus, nachdem die reguläre Spielzeit ein 2:2 und die Verlängerung ein 3:3 ergeben hatte, beim Siebenmeterschießen im Blickpunkt des Geschehens. 

Aber diesem Siebenmeterschießen ging schon ein wahrer Hitchcock voraus. Nach 17 Minuten musste Herbert Wimmers bereits die erste Rüsselsheimer Strafecke von der Linie holen. Aber bereits fünf Minuten später hieß es 1:0 für Rüsselsheim. Liebig hatte die zweite Strafecke auf das 80er Tor gefeuert, den zurückkommenden Ball jagte Fritz Schmidt zur Führung ins Tor. Dann versuchten es die Frankfurter in den letzten Minuten vor der Pause, aber zwei Strafecken brachten nichts ein und bei der dritten – sofort nach Seitenwechsel – machte der nervöse Baumgart einen Handfehler. In der 40. Minute schien es für Rüsselsheim gelaufen. Schmidt brachte Seifert prächtig in Position und schon hieß es durch ihn 2:0 für den Meister aus Rüsselsheim. 

Nun blies Kurt Wimmers zum Frankfurter Großangriff. Und bereits in der 41. Minute wurde er von der Rüsselsheimer Deckung zu spät gebremst und erzielte das 1:2. Nun übernahmen die Frankfurter klar das Kommando, erhielten innerhalb von 13 Minuten sechs Strafecken, doch Torhüter Kraus wuchs über sich hinaus und zeigte eine Parade nach der anderen. Gegen den im Fallen von Günter Dröse eingeschobenen Nachschuss der neunten Frankfurter Strafecke war aber auch er machtlos. Die 1880er stürmten weiter. Aber obwohl Seifert auf Zeit vom Platz musste, blieb es beim 2:2 Endstand. 

Das bedeutete Verlängerung: sie war noch keine drei Minuten alt, da spielte sich Baumgart durch und erzielte das 3:2 für 1880. Dieser Treffer erhitzte die Gemüter, da der lange "Baum" vor dem Abschluss die Kugel mit dem Fuß berührt haben sollte. Aber Schiedsrichter Tinto (Italien) blieb bei seiner Entscheidung. Rüsselsheim setzte alles auf eine Karte, und in der 75.  Minute jagte Liebig eine weitere Strafecke zum 3:3 ins Frankfurter Netz. Die 1880er nahmen im Hinblick auf ein etwaiges Siebenmeterschießen Martin als Torhüter für Hofmann ins Spiel und tatsächlich war dies der große Schachzug. Nach dem 3:3 beim Ende der Verlängerung traten Günter und Horst Dröse, Kittstein, Kurt Wimmers und Baumgart für 1880, Schäfer, Liebig, Seifert, Beck und Schmidt für Rüsselsheim zum Siebenmeterschießen an. Günter Dröse und Baumgart trafen für den SC 80, Seifert und Beck für Rüsselsheim. Es stand also 2:2 und der Tanz begann von vorne. Wieder Günter Dröse und dann Kittstein brachten die 80er 4:2 in Front, aber Seifert und Beck gelang erneut der Ausgleich. Dann fiel die Entscheidung. Während Baumgart zum 5:4 einschlenzte, meisterte Martin den Schuss von Schmidt und der SC 1880 war erneut im Cup-Finale.

Bei den Olympischen Spielen im August und September in München sind drei Spieler des RRK in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft dabei: Peter Kraus, Fritz Schmidt und Rainer Seifert. Nach einem hart erkämpften 2:1-Gruppensieg über den Olympiasieger von 1960 und 1968, Pakistan, bei dem Peter Kraus im Tor, der "Held von München", zwei Siebenmeter der Pakistani abwehrt, zieht die deutsche Mannschaft mit 13:1 Punkten ins Halbfinale ein. Nach diesem denkwürdigen Spiel gegen Pakistan schreibt die "Main-Spitze" folgendes Porträt:

Peter Kraus 1972 in München

Porträt Peter Kraus

Seine Mannschaftskameraden trugen ihn auf den Schultern vom Platz und er wurde gefeiert, als hätte er soeben die Goldmedaille für Deutschland im olympischen Hockeyturnier gewonnen. Mit zwei reaktionsschnellen Paraden hatte der 31-jährige Rüsselsheimer Nationaltorhüter Peter Kraus beim Spielstand von 2:1 zwei Siebenmeter kurz hintereinander "getötet" und damit den Sieg gegen den Olympiasieger und Weltmeister Pakistan im Vorrundenspiel gerettet. Siebenmeter im Hockey entsprechen dem Elfmeter beim Fußball und für die Abwehr eines scharf geschlenzten Balles bleiben nur Sekundenbruchteile.

"Ich konzentriere mich dabei nur auf den Ball" verrät der 1,78 Meter große und 85 Kilogramm schwere Rüsselsheimer sein Erfolgsgeheimnis als gefürchteter "Siebenmeter-Töter". Kraus, der als Hesse eine "bayerische Bierruhe" ausstrahlt, sieht es so. "Ein Torhüter hat in dieser Situation nichts zu verlieren. Die größere Nervenbelastung ruht auf dem Schützen. Als Kraus den ersten Siebenmeter des Pakistani Anwar abgewehrt hatte, und dieser zum zweiten Mal zum Duell gegen ihn antrat, dachte Kraus für sich, "ein 2:2 gegen Pakistan reicht ja auch". Doch dann hielt der Rüsselsheimer, der seinem Gegner in diesem Duell "nicht in die Augen sieht, sonst geht die Konzentration auf den Ball verloren", auch den zweiten Siebenmeter.

Im Halbfinale gewinnt die deutsche Mannschaft mit 3:1 über Holland und trifft im Endspiel um den Olympiasieg wieder auf Pakistan, dem ein 2:0 über Indien gelingt. Durch einen 1:0-Sieg holt sicht die deutsche Mannschaft in einem hektischen Spiel, das schließlich bei der Siegerehrung mit einem Skandal endet, heraufbeschworen durch unsportliches Verhalten der Pakistani, Olympisches Gold. Hier eine Schilderung des Geschehens im Endspiel:

Olympisches Gold für deutsche Hockeyspieler

Ein Schuss verändert die Hockey-Welt. Es ist rund Viertel nach eins, als das Hockey-Olympiastadion von München das erste Mal von einer Freudenwelle geschüttelt wird. Der überwiegend deutsche Teil der mit knapp 16.000 Zuschauern restlos gefüllten Tribünen bejubelt das erfolgreiche Geschoss von Michael Krause. Der Strafeckenspezialist der von Werner Delmes geführten Mannschaft hat in der 60. Spielminute des olympischen Endspiels zwischen Deutschland und Pakistan erfolgreich zugeschlagen. Die vierte deutsche Strafecke – exakt von Kapitän Carsten Keller hereingeschoben, von Uli Vos einige Meter innerhalb des Schusskreises elegant mit der Hand totgestoppt und von Michael Krause mit hartem Schuss halbhoch an Torhüter Saleem Sherwani vorbei im gegnerischen Tornetz versenkt – sorgt für die 1:0-Führung des Europameisters, der danach noch bange zehn Minuten zu überstehen hat.

Mit wütenden Gegenangriffen reagiert der amtierende Weltmeister und Gold-Titelverteidiger auf das Tor. Doch den Grünhemden bleibt der Erfolg versagt. Später schiebt die pakistanische Mannschaft die Schuld auf die beiden Unparteiischen aus Argentinien und Australien ("Eine unmögliche Schiedsrichterleistung. Wir sind um den Sieg bestohlen worden", sagt Teammanager Chaudhry) und hat auch während der Siegerehrung ihre Enttäuschung noch nicht im Griff. Dann ist Schlusspfiff. Ein zweiter Freudenorkan zieht durchs Stadion. Deutschland ist Olympiasieger. Das erste Mal. Und erstmals seit 1928, also nach über vier Jahrzehnten, heißt der olympische Hockey-Goldmedaillengewinner nicht Indien oder Pakistan. Michael Krauses Treffer hat die asiatische Vorherrschaft im Welthockey gebrochen. Wahrlich ein Schuss, der die Welt veränderte."

Olympische Spiele 1972 in München: Peter Kraus "tötet" im Gruppenspiel gegen Pakistan auch den zweiten Siebenmeter und Deutschland siegt 2:1.

Die Entscheidung ist gefallen! Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft ist Olympiasieger 1972 (Peter Trump, Peter Kraus)

Empfang der Rüsselsheimer Goldmedaillengewinner durch den Magistrat der Stadt Rüsselsheim (hinten: Dieter Rieke, Dr. Karl-Heinz Storsberg, Josef Schnur, Friedrich Mickler, Hans Eisen, Dieter Nachtigall, Ursula Kraus; vorn: Peter Kraus, Ingrid Mickler-Becker, Fritz Schmidt, Rainer Seifert)

Einen großen Empfang bereitet der Magistrat der Stadt Rüsselsheim den erfolgreichen Teilnehmern an den Olympischen Spielen in München. Schon frühzeitig hat sich eine größere Zahl Schaulustiger auf dem Marktplatz versammelt, die den Medaillen-Trägern zujubeln wollen. Zuerst kommt Ingrid Mickler-Becker im roten BMW mit ihrer flotten gelben Olympia-Kleidung. Sie gewann ihre Goldmedaille in der 100-Meter-Staffel. Es folgen in Begleitung des Abteilungsleiters und RRK-Vorsitzenden Hans Eisen und des Coachs Josef Schnur die erfolgreichen Drei aus der Rüsselsheimer Hockeymannschaft: Fritz Schmidt, der Pechvogel, der durch eine Verletzung am Mittelhandknochen nur an einem Spiel teilnehmen konnte, Rainer Seifert und Peter Kraus, der sich im Tor hervorragend bewährte. Gold für Deutschland im Hockey haben sich alle drei gewünscht, doch es kam fast ein wenig unerwartet. Um so strahlender zeigen sich alle vier Olympia-Teilnehmer bei der Begrüßung durch den Magistrat. Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Storsberg spricht den Medaillenträgern seine Glückwünsche aus und überreicht im Namen des Magistrats Blumen und Präsente.

Im Herbst beendet der RRK die Vorrunde der Süd-Feldhockey-Bundesliga auf dem 1. Platz. In der neu eingeführten Hallenhockey-Bundesliga wird auch der RRK platziert.

Das Rudern im RRK steht eindeutig im Schatten des Hockeysports. Die Trainingsleitung liegt in den Händen von Dr. Rainer Kobel und Ulrich Vorfalt. Die Saison wird am 23. April 1972 eröffnet mit dem Anrudern verbunden mit einer Bootstaufe. Ruder-Abteilungsleiter Günter Schmitt tauft einen Renneiner auf den Namen des RRK-Ehrenmitglieds "Fritz Brumme" sowie zwei Kunststoff-Skiffs auf die Namen "Pip" und "Karl" zu Ehren des Ehrenmitgliedes Friedrich "Pip" Traiser und des verdienten Mitglieds Karl Pöppel. 

Für den RRK gehen auf den zunächst anstehenden Regatten folgende Mannschaften an den Start: Ein Seniorvierer mit Helmut Schumacher, Hans-Peter Kraft, Horst Kamke, Reinhard Kober und Stm. Harald Wimmer, dann ein Jugendvierer im Vierer-ohne mit Manfred Gerlach, Klaus Kraft, Heinz Nold und Guido Petri sowie ein Jugendvierer im Gigboot mit Michael Walther, Michael Seipp, Karl-Heinz Schwarzer, Kurt Hofferberth und Stm. Reinhold Richter. Es werden die Regatten in Wesel, Flörsheim, Lauffen und Gießen besucht, jedoch es gelingen nur Platzierungen aber kein Sieg. Dann folgt die Regatta Worms auf einem Bibliser Baggersee und der Hofferberth-Vierer landet den ersten Sieg. Es folgen die Regatten in Breisach und Hanau, wo der RRK erstmals mit seinen beiden Jugendvierern auch im Achter an den Start geht. Doch trotz guter Leistungen kann nur die Jugend im Gigvierer in Breisach einen Sieg verbuchen. Dann folgen die Deutschen Jugendmeisterschaften auf dem Baldeneysee in Essen. Der RRK meldet seinen Jugendvierer im Vierer-ohne. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Der RRK-Jugendvierer 1972, hier allerdings 1971 im Gig-Boot (Manfred Gerlach, Klaus Kraft, Heinz Nold, Guido Petri, Stm. Reinhold Richter)

Junioren-DM Essen

RRK beim Junior-Vierer auf Rang 6

Zweitbester Vierer-ohne in Süddeutschland

Mit dem Ergebnis, das der Junior-Vierer ohne Steuermann des RRK auf den Deutschen Juniorenmeisterschaften am 1. und 2. Juli auf dem Baldeneysee in Essen erzielte, kann die Ruderabteilung zufrieden sein. Guido Petri, Heinz Nold, Klaus Kraft und Manfred Gerlach erreichten für den RRK zum ersten Mal wieder seit 14 Jahren die Teilnahme am Endlauf um eine Deutsche Juniorenmeisterschaft.

Da der Sieger des Vorlaufes bereits vor dem Start feststand, nämlich die Rudergemeinschaft Frankfurt, mussten die Rüsselsheimer taktisch klug fahren, um über den Zwischenlauf in den Endlauf zu gelangen. Mit Berlin und Bremen hatte man außer Frankfurt noch zwei sehr starke Länderkampf-Teilnehmer zum Gegner. Auf den ersten 750 m ruderte man im RRK-Boot mit voller Kraft, Frankfurt und Berlin lagen klar in Führung. Bremen und Rüsselsheim lagen etwa eine Länge auseinander. Um die Kräfte für den Zwischenlauf zu schonen, unterließ es der Petri-Vierer, mit den Bremern um Platz 3 und 4 zu kämpfen und ruderte "locker leicht" ins Ziel.

Im Zwischenlauf kam es darauf an, unter die ersten vier Boote zu kommen, um am Finale teilnehmen zu können. Sofort nach dem Start setzte sich der RaW Berlin und der PSV Bremen an die Spitze, gefolgt vom RC Hamm, dem RRK und dem Neusser RV. Der RV Gelsenkirchen fiel gleich zurück. Das RRK-Team hatte gut daran getan, als es sich am Vormittag für diesen Lauf schonte, denn bis 600 m führte der RC Hamm eine Bootslänge vor Rüsselsheim und Neuss. Doch dann schoben sich die Rüsselsheimer an Hamm heran. Neuss schloss mit einem Zwischenspurt auf und setzte sich an die Spitze des Verfolgerfeldes. Nun schob der RRK seine Bugspitze in Führung, bei 1.000 m aber führte Hamm erneut. 250 m vor dem Ziel war das RRK-Boot plötzlich um eine Länge zurückgefallen. Und im Rüsselsheimer Lager glaubte nun keiner mehr an eine Qualifikation zum Endlauf. Doch die Ruderer Guido Petri, Heinz Nold, Klaus Kraft und Manfred Gerlach zogen zu einem hervorragenden Endspurt an, schoben sich unaufhaltsam an Neuss vorbei und belegten mit einem Abstand von 1,2 Sek. vor Neuss und 0,8 Sek. hinter Hamm den 4. Platz, was gleichzeitig die Teilnahme am Endlauf bedeutete. Somit war die RRK-Vertretung am Ziel ihrer Erwartungen.

Platzierungen im Meisterschafts-Endlauf: 1. Rudergemeinschaft Frankfurt, 2. RaW Berlin, 3. PSV Bremen, 4. RV Siemens Berlin, 5. RC Hamm, 6. Rüsselsheimer RK

Anschließend wird nur noch die Herbstregatta in Frankfurt besucht. Bei 32 Regattastarts können arm Ende nur 2 Siege und 17 zweite Plätze erreicht werden.

Beim Anrudern der RRK-Ruderabteilung tauft Abteilungsleiter Günter Schmitt drei Boote auf die Namen "Fritz Brumme", "Pip" und "Karl"

Der RRK-Jugendachter 1972, hier mit Bernd Weiser, Michael Walther, Michael Seipp, Kurt Hofferberth, Manfred Gerlach, Klaus Kraft, Heinz Nold, Guido Petri und am Steuer Trainer Ulrich Vorfalt

Beendet wird die Rudersaison mit dem Abrudern, bei dem wie schon im Vorjahr Harald Ruppert Klubmeister im Einer wird.

Im Mittelpunkt des festlichen RRK-Herbstballs im Bootshaus steht die Ehrung der Olympiateilnehmer und Goldmedaillengewinner Peter Kraus, Fritz Schmidt und Rainer Seifert, die mit der RRK-Vereinsnadel in Gold für besondere Verdienste ausgezeichnet werden. RRK-Vorsitzender Hans Eisen geht in seiner Begrüßungsrede noch einmal auf die Leistungen der drei Spieler ein, wobei er vor allem die sportliche Größe des in München wegen einer gebrochenen Hand nicht einsatzfähigen Fritz Schmidt lobt. Beim Ball, zu dem sich auch Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Storsberg, MdB Dr. Schmitt-Vockenhausen, MdB Otto Zink, Kreisbeigeordneter Skala sowie viele Freunde und Mitglieder eingefunden haben, wird auch eine große Zahl von RRK-Jubilaren geehrt. Für 50-jährige Mitgliedschaft ist es Wilhelm Hummel, für 40 Jahre ist es Josef Schnur und für 25 Jahre sind es Helmut Dehn, Werner Grün, Hans Pfeifer, Karl-Heinz Weiß, Margret Grass, Prof. Dr. Philipp Gütlich, Heinz Ihrig, Reinhold Brumme und Hans Hermann.

Der Stadtverband für Leibesübungen wählt Ende des Jahres den Olympiasieger Peter Kraus zum "Sportler des Jahres 1972" in Rüsselsheim. Die Stadt Rüsselsheim ehrt Georg Franke und Karl Saar durch Überreichung des Ehrenbriefes für ihr ehrenamtliches Engagement im RRK.

Und noch eine große Ehre wird den drei Olympioniken des RRK am Ende des Jahres zuteil, sie werden von den Sportjournalisten Deutschlands zusammen mit der Hockey-Nationalmannschaft zur "Mannschaft des Jahres 1972" gewählt und im Kurhaus von Baden-Baden gekürt.

Der RRK verliert 1972 durch den Tod einen der Treuesten und Aktivsten, das Ehrenmitglied und Ehrenvorstandsmitglied Friedrich Traiser, im Freundeskreis "Pip" genannt. Unermüdliche, jahrzehntelange Tätigkeit im Ruderverein Rüsselsheim und im Rüsselsheimer Ruder-Klub 08 in fast allen Vorstandsämtern, seine Ideale Treue, Opfersinn und Kameradschaft immer voranstellend, machen ihn unersetzlich. 

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