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Geschichte des Rudervereins Rüsselsheim (RVR)
von 1908 bis 1942

1935

Am Neujahrstag startet eine Vierermannschaft des RVR – obwohl 17 Mann zugesagt haben, kommen nur fünf, nämlich Wilhelm Reinheimer, Richard Trapp, Arthur Schwarz, Hans Mietzschke und Heinz Hummel – zur traditionellen Neujahrsfahrt stromaufwärts. Gegen Ende der Fahrt wird traditionsgemäß beim "Anker" in Flörsheim zu "Aeppelwoi un Worscht" eingekehrt.

Schon am 12. Januar 1935 werden im Bootshaus bei einem Vortragsabend mit Paul Elschner und gleichzeitigem Schlachtfest unter großer Beteiligung – eine ganze "Wuzz" wird ins Innere befördert – die Ruderer von Trainer Fritz Brumme zum strengen Training verpflichtet. Wir lassen die "Main-Spitze" berichten:

Blick von der im Jahr 1928 eingeweihten Opelbrücke zwischen Rüsselsheim und Flörsheim Richtung Westen im Jahr 1935, vorn das Rüsselsheimer Schwimmbad am Main, dahinter links das Bootshaus des Rudervereins Rüsselsheim, im Hintergrund die Opel-Werke mit Schornsteinen

Im Rahmen eines auch von Interessenten aus Mainz, Frankfurt und Offenbach gut besuchten Vortragsabends – ein Mitglied des Frankfurter Regattavereins sprach über den Rudersport in Kanada und USA – fand die Trainingsverpflichtung für das kommende Ruderjahr statt. Das erfolgreiche Abschneiden der von Fritz Brumme nach einer Fairbairn ähnelnden Lehrmethode trainierten Mannschaften, dargestellt durch sechs Achter-, einen Vierer- und sechs Einersiege, ließ ohnedies eine gute Beteiligung an der Verpflichtung erhoffen.

Der Schlagmann des vorjährigen Achters, Hans Mietzschke, gab infolge eines willkommenen Zugangs einiger guter Kräfte für nicht weniger als dreizehn Senioren (Heinrich Berner, Rudolf Fritz, Medard Hartrath (früher Kasteler RG), Paul Hartwig (früher Hellas Offenbach), Karl Heuß, Kurt Kramer (früher Mainzer RV), Hermann Kremmler, Hans Mietzschke, Georg von Opel, Wilhelm Reinheimer, Gotthard Roßbach, Heinrich Schick, Karl Schömbs), einen Junior und fünf Jungmannen das Trainingsgelöbnis für 1935 ab. Fritz Brumme wird aus den zur Verfügung stehenden Ruderern außer dem gegenüber dem Vorjahr verstärkten Achter für bessere Aufgaben auch einen hiervon unabhängigen Vierer für Seniorrennen bilden. Der Einerfahrer Georg von Opel, der sich in guter körperlicher Verfassung befindet, wird wieder für den Trainingsbeginn im Februar und März die wärmere Gegend in Locarno aufsuchen und dort über lange Strecken üben. Er wird begleitet von Eric Phelps, Putney, der an Weihnachten1934 in einem Handicap-Rennen für Berufsruderer in London aus einem Feld von 40 Skullern als Sieger hervorgegangen ist. Man spricht davon, dass der Ruderverein Rüsselsheim in diesem Jahr auch mit einem von guten Kräften besetzten Doppelzweier auf dem Plan erscheinen wird. Im übrigen wird der Verein ein oder zwei neue Boote in Auftrag geben.

Der Vereinsvorstand hat mit der Stadtverwaltung Rüsselsheim einen Vertrag wegen des am Bootshaus angrenzenden Platzes am sogenannten Sommerdamm abgeschlossen, so dass den Ruderern das alleinige Benutzungsrecht dieses Grundstücks für sportliche Zwecke eingeräumt ist. Nachdem kürzlich Friedebert Armbruster und Philipp Sittmann ihre 25-jährige Zugehörigkeit zum Verein feiern konnten, werden Oscar Schlieben und Georg Diehl am "Tag des deutschen Rudersports" aus dem gleichen Grunde geehrt und ausgezeichnet werden.

Die Kappensitzung des RVR am 9. Februar ist – wie immer – eine "Sensation". 200 Närrinnen und Narren füllen den Saal und das Foyer im Bootshaus. Der närrische Elferrat unter Präsident Friedebert Armbruster mit Ludwig Hill, Arthur Schwarz, Oscar Schlieben, Richard Trapp, Herbert Schmelter, Hugo Armbruster, Karl Pöppel, Carl Nebelung, Edgar Klein und Hans Mietzschke hat ein Programm auf die Beine gestellt, so dass diese Kappensitzung sicher als der Clou der Fastnacht 1935 in Rüsselsheim bezeichnet werden kann. Unter der Gesamtleitung von Margarete Hill und Maria Armbruster bringen Tilla Blüm als "Prinz Karneval", Ludwig Hill als Protokoller, Edgar Klein und Karl Büdel als "Fräulein Hühnerbein und Herr Schinkenspeck", Maria und Lisbeth Schäfer mit dem Tiroler Bubentanz, Friedrich Traiser und Albert Meeser als "Maaflinger", B. Börner und Lisbeth Schäfer als "Dörte und Hanne", Hanna Richter als "Euphrosine Lattenbau", Ludwig Hill als "Deutscher Michel", Maria Helfrich und Tilla Blüm mit ihrem Tanz "Das Püppchen und der Harlekin", Edgar Klein als "Hoppla Thekla" sowie B. Börner, Hanna Richter und Lisbeth Schäfer mit dem Ballett "Drei Gebrüder Dick von der Regimentsmusik" das Bootshaus zum Kochen.

Der Tag des Deutschen Rudersports wird am 7. April 1935 zum zweiten Mal gemeinsam mit allen deutschen Ruderern, in Rüsselsheim traditionsgemäß gemeinsam mit den Nachbarvereinen, mit dem Anrudern gefeiert. Nach der Flaggenhissung am RVR-Bootshaus bei strömendem Regen begeben sich die Anwesenden zur offiziellen Feier ans Undine-Bootshaus, wo dann vom RVR nur der Trainingsachter aufs Wasser geht und wo auch eine Eintopfessen zur Förderung des Winterhilfswerks wartet. Abends versammelt man sich wieder beim RVR zum Tanz und zur Ehrung der 25-jährigen RVR-Jubilare Oscar Schlieben, Georg Diehl und Otto Stocker. Außerdem kann Willi Füth, der mit Georg von Opel und Trainer Eric Phelps nach zweimonatigem Trainingsaufenthalt in Locarno nach Rüsselsheim zurückgekehrt ist, zum Training nachverpflichtet werden. Zum Anrudern und zu den Plänen im RVR berichtet Paul Elschner im "Wassersport":

RV Rüsselsheim vor großen Aufgaben

Nach wochenlanger gründlicher Vorschulung im Ruderkeller und nach dem bisher günstigen Verlauf der täglichen Trainingsfahrten der Senioren hat sich der erste Ruderwart und Trainingsleiter Fritz Brumme im Einverständnis mit seinem Vereinsführer entschlossen, außer durch Georg von Opel und Willi Füth (früher Viktoria Berlin) im Einen und Doppel-Zweier, auch im Senior-Achter auf hohe Ziele hinzuarbeiten. Die Achter-Mannschaft, die täglich über lange Strecken übt, wobei Brumme an der Verfeinerung des Stils arbeitet, ist mit Reinheimer, Hartwig, Kramer, Fritz, Stieglitz, Berner, Schömbs und Mietzschke (Schlag) endgültig zusammengesetzt. Die Ruderer haben ein Durchschnittsalter von 20 Jahren und zur Zeit ein Durchschnittsgewicht von 78 kg. Fünf Ruderer des vorjährigen ausgezeichneten Achters bilden den Stamm der diesjährigen Einheit. In vier weiteren Ruderern, die für einen Start in Senior-Rennen in Betracht kommen, ist der gegebenenfalls erforderliche Ersatz zu suchen. Neben diesen zwölf Mann hat der RV Rüsselsheim am 7. April auch die von einer zweimonatigen Übungszeit in Locarno (Südschweiz) zurückgekehrten Skuller von Opel und Füth zum strengen Training verpflichtet. Die beiden Skuller, von denen von Opel die erstklassigen Einer-Rennen bestreiten und Füth zunächst in der Junior- und zweiten Klasse starten wird, werden bei ihren Übungsfahrten von dem bekannten englischen Berufsruderer und Trainer Eric Phelps überwacht. Die verschiedenen Probefahrten im Doppel-Zweier in Locarno sind durchaus zufriedenstellend verlaufen und werden jetzt in einem neuen Rennboot in Rüsselsheim fortgesetzt. Beide Skuller, von denen Opel gegenwärtig 81 kg und Füth 83 kg wiegen, werden neben Paul/Hüllinghoff (Germania Frankfurt) und Sauer/Dimpfl (Frankfurter RV 65) das dritte Doppelzweierpaar aus dem Untermainbezirk bilden.

 

RVR-Ruderer auf der Essener Regatta 1935 (Georg Schmitt, Helmut Römer, Hans Mietzschke, Richard Trapp, Wilhelm Reinheimer, Albert Oertel, Louis Schweitzer)

 
 

Seniorachter des RVR 1935 in Mannheim, wo der RVR im "Pfalzachter" startet und den zweiten Platz ‒ hinter dem Frankfurter RV 1865 jedoch vor dem Kölner RV 77 und Ludwigshafen ‒  belegt (Kurt Kramer, Heinrich Schick, Helmut Römer, Hans Mietzschke, Karl Schömbs, Adam Stieglitz, Wilhelm Reinheimer, Schlagmann Paul Hartwig und Seuermann Georg Schmitt)

 

RVR-Ruderer mit ihrem Bootstransporter für Einer und Doppelzweier (vorn Fritz Brumme)

Im Vereinsleben macht sich immer mehr die starke Beanspruchung der Jugendlichen und Aktiven in den Organisationen des Dritten Reiches bemerkbar. Durch die Einberufung der Wehrpflichtigen zum Militärdienst wird es immer schwieriger, einen geordneten Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten und Mannschaften zu bilden; dies gilt für die Ruderer, insbesondere jedoch für die Hockeyspieler.

Um so erfreulicher ist es, dass auf sportlichem Gebiet dennoch beachtliche Erfolge erzielt werden. Während Georg von Opel am Anfang der Saison erkrankt und nicht starten kann, entwickelt sich Willi Füth zum erfolgreichsten deutschen Skuller des Jahres; 15 Siege im Einer, darunter den "Preis des Königs der Belgier" in Ostende, und 4 Siege im Doppelzweier mit Fritz Brumme und später mit Georg von Opel sprechen für sich.

Der Seniorachter des RVR startet zunächst ohne Sieg auf den Regatten in Offenbach und Hanau im Zweiten Achter. Dann in Mannheim wagt man den Start in den beiden Senior-Achtern der Regatta. Im Großen Achter kommt man auf dem letzten Platz ein, doch im "Pfalz-Achter" kann der RVR nach hartem Kampf eine 3/4-Länge hinter dem Frankfurter RV 1865 jedoch vor dem Kölner RV 77 und Ludwigshafen den zweiten Platz belegen. In Frankfurt im Zweiten Senior-Achter kann man den Vorlauf nicht überstehen, doch dann am nächsten Tag im Schlussachter platzt der Knoten. Der Achter, besetzt mit Kurt Kramer, Heinrich Schick, Helmut Römer, Hans Mietzschke, Karl Schömbs, Adam Stieglitz, Wilhelm Reinheimer, Paul Hartwig und Stm. Georg Schmitt, kann nach einem Vorlaufsieg auch das Finale vor Kreuznach und Mannheim gewinnen. Die gleiche Mannschaft gewinnt dann noch in Koblenz den Zweiten Achter gegen die Koblenzer RG und als Aufsteiger auch den Ersten Senior-Achter kampflos, da der Kölner RV 77 nicht am Start erscheint.

Willi Füth und Georg von Opel melden beim Deutschen Meisterschaftsrudern auf dem Essener Baldeneysee für Einer und Doppelzweier. Doch im Einer verzichten beide auf einen Start zugunsten des Doppelzweiers. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Der erste Tag der Hügel- und Meisterschaftsregatta wurde eröffnet mit den noch ausstehenden Vorkämpfen für die Meisterschafts-Rennen. Im Doppelzweier hatte die Verbandsleitung die Mannschaften wieder "gesetzt". Im ersten Lauf startete RV Rüsselsheim als Favorit. Das Paar Füth/von Opel kam aber als zweites Boot hinter Berliner RC ein; wahrscheinlich haben sich die Rüsselsheimer nicht voll ausgegeben, da die Teilnahme am Endlauf ja feststand. Weit überlegener gewann Germania Frankfurt den zweiten Lauf.

Vorrennen, 1. Lauf
1. Berliner Ruder-Club (Remagen/Ritter)   7:57,7 min
2. Ruderverein Rüsselsheim (Füth/von Opel)   8:01,6 min
3. ARC Berlin (Schoemann/Speiser)   8:27,8 min
4. Frankfurter RC 1882/Oder (Schröder/Wöllert)   8:31,6 min

Vorrennen, 2. Lauf
1. Frankfurter RG Germania (Paul/Hüllinghoff)   8:15,7 min
2. Rgm. RV Münster 1882 / ARV Angaria Hannover (Westhoff/Voels)   8:30,8 min
3. Kölner Club für Wassersport (Reinmold/Schneider)   8:32,5 min

Zu einer Überraschung kam es dann im Endlauf des Doppelzweiers. Meister wurde der Berliner RC in einem äußerst harten und spannenden Kampf. Während der ganzen Saison galt die Frankfurter Germania als Meisterschaftsanwärter; in Frankfurt überraschte allerdings der Sieg der Rüsselsheimer Füth/von Opel.

Die Berliner hatten vom Start weg gleich die Führung. Bei 500 Meter lagen Germania und Rüsselsheim mit den Berlinern gleich. Dann fielen die Frankfurter etwas zurück. Rüsselsheim jedoch ließ noch nicht locker und lag auf gleicher Höhe bis 1.800 Meter. Jetzt konnte sich Berlin leicht frei machen, vergrößerte seinen Vorsprung und wurde mit anderthalb Längen vor Rüsselsheim Sieger. Eine halbe Länge zurück folgte Germania Frankfurt und mit großem Abstand die Studenten Münster/Hannover.

Hauptrennen
1. Berliner Ruder-Club (Remagen/Ritter)   7:31,4 min
2. Ruderverein Rüsselsheim (Füth/von Opel)   7:33,3 min
3. Frankfurter RG Germania (Paul/Hüllinghoff)   7:34,4 min
4. Rgm. RV Münster 1882 / ARV Angaria Hannover (Westhoff/Voels)   7:42,4 min

RVR-Doppelzweier mit Georg von Opel und Willi Füth, Deutscher Vizemeister im Doppelzweier 1935

Erstmals nach dem Krieg starten im September 1935 deutsche Ruderer bei den großen Einerrennen in Paris, die RVR-Spitzenskuller Willi Füth und Georg von Opel. Im "Coupe de Paris", der seit 1896 über 1.800 Meter auf der Marne ausgefahren wird, können sich Willi Füth gegen den französischen Meister Vincent Saurin und Georg von Opel gegen den französischen Vizemeister und Vorjahresssieger René Boizel in den Vorrennen durchsetzen. Doch im Finale gegen den Schweizer Meisterskuller und Vize-Europameister 1935 Eugen Studach haben sie keine Chance.

Eine Woche später starten die beiden Rüsselsheimer beim seit 1853 veranstalteten "Championat de la Seine" auf der Seine über 2.000 Meter im Einer und auch im Doppelzweier. Im Einer qualifizieren sich beide RVRler in den Vorrennen für die Entscheidung. Am Start liegen Studach, von Opel und Saurin, Füth hat mit Rücksicht auf das 50 Minuten später folgende Doppelzweier-Rennen abgemeldet. Studach übernimmt bei 600 Meter die Führung, während von Opel und Saurin hart um den zweiten Platz kämpfen. Am Ende wird es ein knappes Rennen, das Studach in 5:59,8 min vor Saurin in 6:00,0 min und von Opel in 6:00,2 min für sich entscheiden kann. Im kurz darauf gestarteten Doppelzweier-Rennen, wo die französischen Meister Giriat/Jaquet und Füth/von Opel um den Sieg kämpfen, macht sich die Anstrengung des Schlagmannes von Opel im vorherigen Einerrennen bemerkbar, so dass die vollkommen frisch ins Rennen gegangenen Franzosen am Ende mit etwa zwei Längen die Nase vorn haben.

Dann melden die beiden RVR-Skuller für den 20. und 21. September zur internationalen "Holland-Becher-Regatta" auf der olympischen Ruderstrecke in Sloten bei Amsterdam. Willi Füth kann im Junior-Einer sowie Willi Füth und Georg von Opel im Doppelzweier siegen. Doch im Mittelpunkt der Regatta steht, wie alljährlich, das Seniorrennen im Einer um den "Holland-Becher", dessen jeweiliger Sieger sich besondere Ehrungen gefallen lassen muss. Der "Wassersport" berichtet über die Skuller in Amsterdam:

Der diesmalige Gewinner war Georg von Opel, der das in ihn gesetzte Vertrauen, Deutschland in diesem altehrwürdigen Rennen zu vertreten, glänzend rechtfertigte. Unter Betreuung durch seinen Freund Eric Phelps, der auch Füth im Einer und beide im Doppelzweier unterweist, hat von Opel an sich gearbeitet, und nach manchem Missgeschick der letzten Zeit einen schönen Lohn für seinen eisernen Willen errungen. Sein um zwei Jahre älterer Gegner, Ernst Moltzer (25 Jahre – 1,80 m – 74 kg), der 1935 in Gent, Haarlem, Amsterdam und im holländischen Meisterschaftsrudern erfolgreich war, machte in den letzten Wochen eigens für den Holland-Becher-Start unter dem auch in Deutschland bekannten Exmeister und Diamond-Scull-Sieger Günther (de Amstel) eine Spezialvorbereitung durch. Moltzer ist übrigens auch in holländischen Seglerkreisen ein sehr bekannter Sportsmann. Er hat sich für seine zukünftigen Starts in diesen Tagen ein neues Rennskiff bestellt. Mit einer so empfindlichen Niederlage, wie von Opel sie ihm bereitete, hatten Moltzer und seine zahlreichen Anhänger nicht gerechnet. Der Holländer rudert einen gefälligen, flüssigen Stil ohne besonderen Rückschwung, hat aber noch nicht die Rennerfahrung wie sein in zahlreichen internationalen Kämpfen erprobter Bezwinger aus Rüsselsheim. Ein technisch vorzüglicher Skuller und dabei sympathischer Sportsmann ist der recht geschmeidig rudernde französische Gaumeister René Boizel (Reims), der eine betonte Beinarbeit leistet, aber in den Armen etwas schwach zu sein scheint, Schade, dass ihn in diesem Jahre nicht mehr der englische Trainer Bert Barry, der im nahen Epernay gewirkt hat, beaufsichtigen konnte. Allen seinen Gegnern in der Junior- und Jungmannklasse haushoch überlegen ist Willi Füth, eine tadellose Rudererfigur. Holländische sachverständige Rudersportleute haben festgestellt, dass Füth sich seit seinem vorjährigen Start in Amsterdam in Bezug auf seinen Stil und seine Technik, bei der es aber immer noch etwas auszufeilen gibt, recht erheblich verbessert hat."

Senior-Einer (Holland-Becher)

1. Vorrennen
1. Ruderverein Rüsselsheim – Georg von Opel (80 kg) ... g.ü.d.B.
2. Ruderverein Rüsselsheim – Willi Füth ... nicht gestartet

2. Vorrennen
1. Koninklijke Amsterdamsche Roei- & Zeilvereeniging "De Hoop" – Ernst Moltzer (74 kg) ... 8:37,0 min
2. Société des Régates Rémoises – René Boizel (71 kg) ...  8:41,5 min

Entscheidungsrennen
1. Ruderverein Rüsselsheim – Georg von Opel ... 8:10,0 min
2. Koninklijke Amsterdamsche Roei- & Zeilvereeniging "De Hoop" – Ernst Moltzer ... 8:25,8 min

Unter der Trainingsleitung von Karl Heuß und Edgar Klein kann auch der Rudernachwuchs im Herbst Regatten besuchen. Starts in Frankfurt im Vierer und Achter sind nicht erfolgreich. Jedoch in Boppard kann der RVR im Vierer und in Offenbach im Achter siegen. In Offenbach gewinnen die Ruderer Wilhelm Bauer, Wilhelm Trautmann, R. Hohmann, Hermann Görke, Gottfried Schmitt, Josef Schnur, Hans Knoll, Ernst Braun und Stm. Karl-Heinz Ims den Jugendachter.

Damit erringt der RVR im Jahr 1935 insgesamt 25 Regattasiege, 16 Einer, 4 Doppelzweier, 3 Achter, 1 Jugendvierer und 1 Jugendachter. Erfolgreichster Ruderer des RVR ist natürlich mit 19 Regattasiegen Willi Füth. Mit diesen Erfolgen steht der RVR am Ende der Rudersaison in der Wertungstabelle des Deutschen Ruderverbandes über die erfolgreichsten Rudervereine Deutschlands an 5. Stelle. Vor dem RVR liegen nur der Berliner Ruder-Club, der Kölner Club für Wassersport, die Frankfurter RG Germania und der RC Saar Saarbrücken.

Willi Füth und Georg Schäfer in Mannheim 1935

Friedrich Traiser, Paul Diehl, Georg von Opel und Frau Diehl beim RVR-Abrudern 1935

Im Hockey kann nach langer Zeit neben einer Herren- und einer Damenmannschaft erstmals wieder eine Knabenmannschaft, die von Curt Schrod betreut wird, mit Erfolg an Wettspielen teilnehmen. Die Leitung der Hockeyabteilung plant, einen Trainer zu verpflichten. Die Generalversammlung der Hockeyabteilung wird am 4. Oktober 1935 im Bootshaus abgehalten.

Das Abrudern mit interner Regatta über 1.000 m wird am 29. September 1935 veranstaltet. Den Sieg im Renn-Doppelzweier holen sich Willi Füth und Richard Trapp mit gut zwei Bootslängen vor Fritz Brumme und Franz Lieb sowie Hans Mietzschke und Karl Schömbs. Franz Lieb sichert sich die Klubmeisterschaft im Renneiner vor Reubold. Dagegen messen Georg von Opel und Willi Füth zusammen mit noch drei anderen "Paddel-Spezialisten" ihre Kräfte im Einer-Faltboot, wobei hier Georg von Opel mit zwei Längen vor Willi Füth siegen kann. Das schärfste Rennen gibt es jedoch im Achter, wo die Jugend mit einer Länge Vorsprung ins Rennen gehen darf und diesen Vorsprung auch verteidigen kann.

Bei der am 19. Oktober 1935 abgehaltenen Jahreshauptversammlung wird Adam Ihrig erneut zum Vereinsführer gewählt. Der RVR hat zu diesem Zeitpunkt 183 Mitglieder.

Zur Siegesfeier treffen sich Gäste und Sieger am 2. November 1935 im Bootshaus. RVR-Vorsitzender Adam Ihrig ehrt die Rudersieger, darunter Willi Füth, der mit der RVR-Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet wird. Zur dritten Burgkneipe in der Geschichte des RVR versammeln sich in den Gewölben der Rüsselsheimer Festung wieder die aktiven Sportler als Landsknechte in historischen Köstümen zu einem fröhlichen Umtrunk. Und auch die Hasenkneipe vereint Jäger und Treiber am 7. Dezember im Bootshaus, eine Silvesterfeier beschließt traditionsgemäß das Jahr.

Im Oktober 1935 verliert der Ruderverein Rüsselsheim seinen Ehrenvorsitzenden, Paul Nebelung, der 1912 und von 1915 bis 1926 RVR-Vorsitzender war, durch den Tod.

 

Nach 1933 und 1934 dritte Burgkneipe der aktiven Sportler des Rudervereins Rüsselsheim 1935 in den Gewölben der Rüsselsheimer Festung  

WAS SOLLST DU IM HOCKEYSPIEL BEACHTEN?

Aus den Vereins-Mitteilungen des Rudervereins Rüsselsheim Nr. 12/1935

Die Stockhaltung
Falsch: Laufe nicht mit dem Stock in Taillenhöhe. Du bist nicht vorbereitet, wenn der Ball überraschend auf dich zukommt. Er ist unter deinem Stock hindurch, ehe du ihn auf dem Boden hast.
Richtig: Führe den Stock stets dicht am Boden. So kannst du den Ball sicher aufnehmen und dem Gegner abnehmen.

Der Schlag
Falsch: Wenn du beim Schlag oder Lauf nach dem Ball die Augen am Boden hast, wirst du für das Zuspiel nie wissen, wo dein Partner steht. Denke nie, der Ball konnte durch harten Schlag Schaden leiden.
Richtig: Vergewissere dich vor dem Schlag und spiele stets auf den freien Raum. Der Gegner bietet dir schon die Lücke, die du brauchst. Anfangs wird dein Spiel etwas langsam sein, doch schadet das zunächst nichts. Schlage kurz, aber energisch und berechne die Entfernung, die dein Ball durchlaufen muss.

Das Zuspiel
Falsch: Gib nie im letzten Augenblick ab. Wenn du angegriffen wirst, fühlst du dich unsicher. Dein Ball läuft ungenau und ist schwer für deinen Partner zu erreichen.
Richtig: Gib rechtzeitig ab, ohne Hast, ohne Eile, d.h. gib etwas früher ab, als du es selbst für nötig erachtest. Überlege dir vorher, was du vor hast, dann hast du auch stets Zeit zum Zuspiel.

Das Zusammenspiel
Falsch: Elf Spieler, die regellos auf dem Feld herumlaufen, und sich auf den Ball stürzen, werden kaum zum Erfolg kommen. Versuche nicht, anderen ihre Arbeit abzunehmen.
Richtig: Denke an Zusammenspiel im Angriff und in der Verteidigung. Rechtsaußen und Halbrechts z.B. sollen zusammenspielen. Mit ihnen spielt der rechte Läufer und wenn nötig, der rechte Verteidiger. Dabei ist jedem unbenommen, die übrigen Spieler für das Zusammenspiel mobil zu machen. Gemeinsames Verstehen macht erst das Spiel interessant. Sei uneigennützig. Beschränke dich auf das, was dein Posten verlangt. Tue das unter Hingabe deines ganzen Könnens. Vergiss aber nicht, Spieler in deiner Nähe in ihrer Not zu unterstützen.

Die Verständigung
Falsch: Wenn die restlichen 10 reden, wirst du das Spiel nicht gewinnen helfen, wenn du dich auch am Reden beteiligst. Schiller hat nicht immer recht, wenn er sagt: Wenn gute Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort!
Richtig: Nur der Spielführer darf zur Not einmal reden und ermahnen. Er macht das aber besser in der Pause. Oder noch besser nach dem Spiel. Du selbst darfst nur durch kurzen Zuruf deine Nachbarn verständigen, daß du günstig und aufnahmebereit stehst.

Der Grund und Boden
Falsch: Grolle nicht gleich, wenn der Platz nicht deinen Anforderungen entspricht. Renne nicht ungestüm darauf los. Nasser und gefrorener Boden sind zweierlei.
Richtig: Überlege dir dein Verhalten, wenn der Boden feucht oder gefroren ist. Schlage bei nassem Boden härter als gewöhnlich. Halte den Ball in Bewegung und gib noch früher ab als sonst. Bremse deinen Lauf durch kurze rasche Schritte, nicht durch Gleiten, das macht dich unnötig müde. Richte bei Frost dein Auge fest auf den Ball, rechne mit der Möglichkeit des Springens, führe den Stock dicht am Boden und berechne vorher die Stärke deines Schlages.

Die Nerven
Falsch: Sage nie: Ich muss erst warm werden. Dein Gegner macht sich solche Schwächen oft entscheidend zunutze.
Richtig: Laufe vor dem Spiel einmal über den Platz. Treibe den Ball ein Stück vor und neben dir her. Übe ein paar Bälle mit einem Partner. Damit machst du dich warm fürs Spiel und deine Nerven sind auf den Kampf eingestellt.

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