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Geschichte des Rudervereins Rüsselsheim (RVR)
von 1908 bis 1942

1920

In seinem Jahresbericht zur Generalversammlung 1921 bezeichnet der 1. Vorsitzende, Paul Nebelung, das Jahr 1920 als das erfolgreichste seit der Gründung. 183 Namen sind Ende des Jahres in der Mitgliederliste aufgezeichnet, somit ein Zuwachs von 67 Mitgliedern im Jahr 1920. Um das Gesellschaftsleben des Vereins zu verbessern, wird im "Rüsselsheimer Hof" die erste Winterfestlichkeit veranstaltet.

"Der Rudersport" schreibt im Frühsommer des Jahres über den Startplatz Rüsselsheim:

"Etwas abseits vom rudersportlichen Großbetrieb wurde in Rüsselsheim am Main im Jahre 1908 der Rüsselsheimer RV gegründet, welcher im Laufe der Jahre eine stille aber gedeihliche Entwicklung genommen hat. In einer Stadt von kaum 8000 Einwohnern mit einer arbeitlich fluktuierenden Bevölkerung von fast gleicher Zahl ist der Zustrom brauchbarer Ruderer kein allzu großer, immerhin hat die Mitgliederzahl die Ziffer hundert überschritten, von welcher fast die Hälfte als tatsächlich aktive Ruderer anzusprechen ist. Sie setzt sich zusammen aus kaufmännischen und technischen Angestellten der Opelwerke und anderer industrieller Betriebe, aus den Söhnen von Gewerbetreibenden, Lehrern der Realschule und weiteren Kreisen der Bürgerschaft. Im Laufe der Jahre hat sich der Betrieb gesteigert und ist nach guten Vorbildern der Vervollkommnung näher gerückt. Ein schönes, einfaches, auf dem hohen Maindamm gelegenes Bootshaus mit genügender Anzahl guter Schulboote und zweckentsprechender Viererrennboote, denen sich in absehbarer Zeit ein Achter zugesellen soll, sichert den Betrieb. Freundliche Unterstützung seiner Bestrebungen findet der Rüsselsheimer RV bei den Inhabern des großen Werkes, welchem Rüsselsheim seinen Weltruf verdankt und welche als selbstausübende Sportsleute, seit frühester Jugend im Rennbetrieb, die sportliche Betätigung zu würdigen wissen und in diskreter Zurückhaltung sich der Entwicklung des Vereins freuen. So bestimmt nicht der großindustrielle Einschlag oder die Herrschaft der Intellektuellen die Tätigkeit, sondern die bewegende Vereinskraft ergibt sich aus dem Zusammenwirken gleichgeordneter Mitglieder und deren Verantwortlichkeitsgefühl.

Die Tätigkeit der Mitglieder ist eine außerordentlich rege, sie erstreckt sich eben an den Wochentagen auf den Zeitraum zwischen 4.00 und 8.00 Uhr nachmittags, zu welcher Zeit die Mannschaften die schnurgerade Strecke von 2.000 m für ihre Übungen benutzen, welche den Anfang der schleusenlosen 8 km langen Haltung bis zur Kostheimer Schleuse bilden. Die diesjährigen Übungen verteilen sich auf vier Mannschaften, wovon eine bereits im Rennboot reife Leistungen in Mainz und Frankfurt geboten hat, welcher nur der letzte Hauch zum Sieg fehlte, und die noch gesteigert werden kann, wenn leichte technische Unebenheiten geglättet werden. Zwei Mannschaften rudern noch in Gigbooten und werden bei der Höchster Regatta herauskommen, sie stellen den Nachwuchs und Ersatz für spätere Zeit dar und die Ergänzung für den erwarteten Achter. Eine Mannschaft Alter Herren vervollständigt den Betrieb. Sie ist, einer nachträglichen Ausschreibung des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes Rechnung tragend, für Höchst gemeldet worden, doch ohne Konkurrenz geblieben. Die Ausbildung der Mannschaften liegt in den Händen des Herrn Studienassessors Lehmann und des Herrn Paul Nebelung, eines langjährigen Mitgliedes des Vereins und dessen getreuer Eckart."

Auf den Regattaplätzen in Mainz, Frankfurt und Höchst sowie den internen Regatten in Mannheim, Griesheim, Mainz-Kastel und Worms vertreten die Mannschaften des RVR die Farben des Vereins.

Der RVR-Jungmann-Vierer in Höchst 1920, Sieger im Ermunterungsvierer (Stm. Josef Linz, Otto Sechting, Peter Horle, Albert Meeser, Friedrich Traiser)

Nach guten Leistungen in Mainz, dann einer äußerst knappen Niederlage gegen den Frankfurter RC von 1884 in Frankfurt kann ein RVR-Vierer den ersten Rennbootsieg nach dem Krieg erringen. Im "Ermunterungsvierer" der Mittelrheinischen Regatta in Höchst treten 20 Vierermannschaften zunächst zu 5 Vorrennen an. Der RVR-Vierer siegt in seinem Vorrennen sicher und auch im Hauptrennen siegen Friedrich Traiser, Albert Meeser, Peter Horle, Otto Sechting und Stm. Josef Linz knapp vor der Hanauer RG. Im Trost-Gig-Vierer hat der RVR zwei Mannschaften gemeldet, ein Boot mit Otto Steckermeier, Karl Bersch, Jean Fuchs, Fritz Friedrich und Stm. Hugo Zimmer und ein Boot mit Joseph Grass, Rudolf Holz, Fritz Sittmann, Adam Ihrig und St. Ludwig Hill, die sich in einem 13-Boote-Feld beweisen wollen. Im Hauptrennen siegt das RVR-Boot mit Schlagmann Ihrig, auf dem 4. Platz das RVR-Boot mit Friedrich am Schlag. Zur Höchster Ruderregatta zitieren wir die "Main-Spitze":

"Bei der am Sonntag in Höchst stattgefundenen 8. Ruder-Regatta des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes konnte der hiesige Ruderverein zwei Siege mit nach Hause bringen. Nachdem die Mannschaft Traiser, Meeser, Horle, Sechting, St. Linz schon bei der Mainzer und Frankfurter Regatta sich als nicht zu unterschätzender Gegner gezeigt hat, konnte sie am Sonntag in Höchst den Jungmann-Vierer unter 20 Booten mit 1/5 Sekunde Vorsprung vor Hanauer RG, Wormser RV, Offenbacher RV und Frankfurter RC für sich entscheiden. Die Mannschaft Grass, Holz, Sittmann, Ihrig, St. Hill fuhr im schönen Stil den Trost-Gig-Vierer gegen 13 Konkurrenten nach Hause, nachdem sie kurz vorher im Jungmann-Gig-Vierer sich gegen die vorzügliche Mannschaft der Neuwieder RG mit 1/10 Sekunde nach überaus scharfem Rennen geschlagen bekennen musste. Wir wünschen dem Verein auch fernerhin so schöne Erfolge."

Insgesamt werden auf den Regatten in Höchst, Mainz-Kastel, Griesheim und Worms 5 Rennsiege errungen. Das Training der Ruderer liegt in den Händen von Josef Dörrstein, Fritz Sittmann und Adam Ihrig.

Der RVR siegt im Ermunterungsvierer in Höchst 1920: Friedrich Traiser, Albert Meeser, Stm. Josef Linz, Peter Horle, Otto Sechting, Trainer Josef Dörrstein

Mainz-Kastel 1920 nach dem Sieg im Senior-Gastvierer: Adam Ihrig, Fritz Sittmann, Stm. Friedrich Traiser, Rudolf Holz, Hugo Zimmer

Auf der Mainzer Regatta: Albert Meeser, Peter Horle, Rudolf Holz und Ludwig Linz

Die Sieger des Trost-Gig-Vierers der Höchster Regatta 1920 (Adam Ihrig, Joseph Grass, Stm. Ludwig Hill, Rudolf Holz, Fritz Sittmann)

Am Ende der Rudersaison, am 5. September, veranstaltet der RVR seine Interne Regatta. Verbunden mit ihr ist die Taufe eines Rennachters, der von Fritz Opel gestiftet wird und daher zu Ehren desselben den Namen "Fritz" erhält. Auch ein neu erworbenes Motorboot erhält seinen Namen "Paul", um die Verdienste des 1. Vorsitzenden Paul Nebelung zu würdigen. Da zum Gastvierer sieben Vereine mit ihren Viererbooten gemeldet haben, muss dieser in zwei Abteilungen ausgetragen werden.

Auch das Wanderrudern wird 1920 wie schon 1919 wieder gepflegt. So wird unter anderem eine Ruder-Wanderfahrt auf Main und Rhein von Rüsselsheim nach Bonn durchgeführt.

Insgesamt werden 1920 von 60 Ruderern 1.025 Fahrten mit 4.083 Bootskilometern ausgeführt. Die meisten Fahrten haben 1920 zurückgelegt:

Adam Ihrig: 286 Fahrten, 1.006 km
Peter Horle: 239 Fahrten, 1.050 km
Albert Meeser: 237 Fahrten, 1.070 km

Der Bootspark setzt sich zusammen aus:

3 Gig-Vierern: Eleonore, Viktor, Else
1 Rennvierer: Georg Friedrich
1 Rennachter: Fritz
2 Schulzweiern: Heinrich, Pfeil
1 Doppelzweier: Elva Pascha
1 Motorboot: Paul

Heini Dambmann dichtet und widmet dem RVR 1920 ein Lied, zu singen nach der Melodie "Heidelberg, du Jugendbronnen":

"Preist den Neckar, singt vom Rheine, reißt Euch die Begeisterung fort,
singen wir von unserm Maine und von seinem Rudersport.
Bist auch sonst Du unbedeutend, sollst doch stets gepriesen sein:
: Altes Nest am stillen Maine, unser Startplatz "Rüsselsheim".:

Auf des Dammes hoher Krone seh' ich unser Bootshaus stehn,
drauf, umblaut vom Himmelsdome, rot und weiß die Flaggen wehn.
Drinnen hör ich lautes Rufen, höre Stimmen, frei und jung,
: 's ist der sportbeflissenen Jugend freudige Begeisterung.:

Wenn wir in den Booten sitzen, leicht den Riemen in der Hand,
hei, wie da die Augen blitzen, jeder Muskel straff sich spannt.
An dem Arm ein frisches Mädel, kommt der junge Sieger stolz,
: doch die ältern Herrn Passiven gehen lieber mal zu Holz.:

Unsere Jugend zu erheben, dass sie stolz – wie einst – und frei,
immer sei's das höchste Streben in der deutschen Ruderei.
Unserm edlen Rudersporte immerfort gehuldigt sei.
: Unser RVR, er wachse, blühe weiter und gedeih!:"

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