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Geschichte des Rudervereins Rüsselsheim (RVR)
von 1908 bis 1942

1938

Die 11. Kappensitzung des RVR am 19. Februar 1938 unter der Organisation des RVR-Elferrates mit Präsident Friedebert Armbruster sowie Ludwig Hill, Herbert Schmelter, Hans Mietzschke, Wilhelm Reinheimer, Karl Schömbs, Fritz Brumme, Georg Franke, Heinrich Becker, Karl Pöppel und Friedebert Armbruster jr. ist wieder ein voller Erfolg.

Nach einer Pause von etwa zwei Jahren erscheinen im März 1938 erstmals wieder die Vereins-Mitteilungen des RVR.

Während die Hockeyspieler nur mit einer Jugendmannschaft Spiele austragen, bereiten die Ruderer sich intensiv auf die Regattasaison vor. Durch den Verkauf mehrerer alter Boote kann die Anschaffung eines neuen Rennvierers finanziert werden, der am 27. März 1938 bei der Bootswerft Leux in Frankfurt abgeholt wird.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 18. Februar 1938

Anzeige in der "Main-Spitze" am 22. April 1938

Am 20. März 1938 verpflichtet der RVR-Vorsitzende Georg von Opel die Ruderer Georg Bastian, Heinrich Becker, Heinz Hummel, Heinz Krotwart, Franz Lieb, Hans Mietzschke, Artur Schickel, Gottfried Schmitt, Josef Schnur und Karl Schömbs zum strengen Training. Am Tag des Rudersports, dem 24. April 1938, werden Wilhelm Trautmann, Ernst Braun, Reinhold Gröber, Dieter Stroh, Karl Stromberger, Karl-Heinz Ims, Heinz Bopp und Rudi Wenz nachverpflichtet.

Georg von Opel trainiert mit "Bubi" Willi Kaidel (Schweinfurter RC Franken) unter Reichstrainer Cordery in Frankfurt im Doppelzweier. Sie siegen gleich zu Beginn der Saison gemeinsam in Karlsruhe, dann in Mannheim, Frankfurt und Mainz, außerdem Georg von Opel in Mannheim und Frankfurt im Einer.

Die Riemenruderer des RVR starten unter Trainer Fritz Brumme im Vierer und Achter, wobei einige schöne Erfolge im Vierer gelingen, die Achtermannschaft kann sich jedoch nicht durchsetzen. Fritz Brumme fasst daher den Entschluss, die besten Rüsselsheimer Ruderer zu einer Renngemeinschaft zusammenzubringen. Er nimmt Verbindung mit dem Vorstand der Rudergesellschaft Undine auf. Dort hat man volles Verständnis für sein Vorhaben und die "Undine", die in der Achterbesetzung dieselben Schwierigkeiten hat, stellt sofort ihre drei tüchtigsten Ruderer und später noch den Steuermann zur Verfügung. Nach hartem Training findet sich die neu gebildete Renngemeinschaft bald zur besten Zufriedenheit aller zusammen.

Der siegreiche Seniorachter der Renngemeinschaft RVR / RGUR auf der Regatta in Gießen 1938 (Stm. Philipp Wagner, Oskar Fischer, Heinz Hummel, Hans Mietzschke, Adam Breidert, Ernst Müller, Richard Trapp, Franz Lieb, Wilhelm Wolf)

Der Juniorvierer des RVR, Sieger auf der Koblenzer Regatta 1938 (Stm. Heinz Bopp, Dieter Stroh, Heinz Hummel, Josef Schnur, Gottfried Schmitt)

Nach Achtersiegen in Offenbach, Mainz, Würzburg und Gießen befindet sich die Mannschaft in blendender Verfassung und so wagt Fritz Brumme den großen Schritt, den Renngemeinschaftsachter beim Deutschen Meisterschaftsrudern am 20. und 21. August 1938 in Heilbronn neben dem Renngemeinschafts-Doppelzweier mit Georg von Opel und Willi "Bubi" Kaidel zu melden. In der Geschichte des Rüsselsheimer Rudersports ist es das erste Mal, dass eine Riemenboot-Mannschaft auf der Deutschen Meisterschaft startet. Zu den beiden Rennen mit Rüsselsheimer Beteiligung schreibt das "Heilbronner Tagblatt" eine Vorschau:

Im Doppelzweier sind drei Boote gemeldet: Georg von Opel / Willi Kaidel (Renngemeinschaft Rüsselsheim / Schweinfurt), Ludwig Marquardt / Eduard Paul (Frankfurter RG Germania) und RV Wiking Linz. Die erstgenannte Kombination blieb heuer schon bei den Regatten in Frankfurt, Mannheim und Mainz siegreich und wurde nur von der Berliner Renngemeinschaft geschlagen (die dann wegen Erkrankung Pirschs aufgelöst werden musste). Sie sollte darum auch im deutschen Meisterschaftsrennen die Oberhand behalten, obwohl die Frankfurter ihrem Gegner nicht viel nachgeben.

Der Glanzpunkt noch jeder Ruderregatta ist das Achterrennen gewesen – und so auch in Heilbronn, wo sich am Ablauf dieses Rennens sechs Boote einfinden werden, von denen beinahe jedes Anspruch auf Meisterehren erheben darf. Insbesondere ist man natürlich auf die Mannschaften gespannt, die im Laufe der diesjährigen Rudersaison Deutschland offiziell in Achter-Länderkämpfen vertreten haben. Achtmal war dies der Fall – sieben Begegnungen gingen siegreich für Deutschland aus! Wir werden kämpfen sehen: Amicitia Mannheim (mit dem in 1.000 Ruderschlachten erprobten Ernst Gaber im Boot, dem weitaus erfolgreichsten deutschen Ruderer!), die Dänemarks Nationalachter schlug; Germania Frankfurt, die den Holland-Achter besiegte; RK am Wannsee Berlin, Europameister von 1937 und Sieger über Italiens Nationalachter; Renngemeinschaft Wiking / TiB Berlin, neu zusammengesetzt mit einigen Olympiasiegern im Boot; Berliner Ruder-Club, Titelverteidiger vom Vorjahre, Sieger über die italienische Renngemeinschaft (im BRC-Boot sitzt übrigens der Henley-Sieger Dr. Buhtz!); Renngemeinschaft Rüsselsheim, eine hervorragende Mannschaft der zweiten Klasse, die sich nun gegen die "Großen" versuchen will ... Wer hier das bessere Ende für sich haben wird, ist kaum vorauszusagen; gefühlsmäßig geben wir dem Berliner RC unsere Stimme.

Seniorachter 1938 in der Meisterschaftsbesetzung mit vom Bug Wilhelm Wolf (RGUR), Franz Lieb (RVR), Heinz Hummel (RVR), Ernst Müller (RGUR), Adam Breidert (RGUR), Hans Mietzschke (RVR), Karl Schömbs (RVR), Schlagmann Oskar Fischer (RVR) und Stm. Philipp Wagner (RGUR)

Der Seniorachter der Renngemeinschaft Ruderverein Rüsselsheim/Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (hinten) gewinnt auf der Mainzer Ruderregatta 1938 den Dritten Seniorachter

Da sechs Boote zum Achterrennen gemeldet haben, müssen zwei Vorläufe ausgetragen werden. Der erste Vorlauf ist über die gesamte Strecke ein erbittertes Ringen zwischen RK am Wannsee, Amicitia Mannheim und Frankfurter Germania, das erst auf den letzten 50 Metern zugunsten des Wannsee-Achters vor Mannheim und Frankfurt entschieden wird. Das zweite Vorrennen ist das Rennen einer Mannschaft – des Berliner Ruder-Clubs, der als Titelverteidiger mit einer beinahe sagenhaften Überlegenheit seine ersten Ansprüche auch für dieses Jahr wieder anmeldet. Der "Club" ist nicht nur eine Zehntelsekunde schneller als der RaW – er läßt den Zweiten, die überraschend gute Rüsselsheimer Renngemeinschaft RV/RG Undine um volle zwölf Sekunden förmlich "stehen" in seinem unwiderstehlichen Endspurt. RaW, Mannheim, BRC und Rüsselsheim haben das Entscheidungsrennen um die Deutsche Meisterschaft erreicht. Damit sind aus Rüsselsheim in den Endläufen des Sonntags zwei Boote mit dabei, der Doppelzweier und der Achter. Zu diesen beiden Rennen zitieren wir das "Heilbronner Tagblatt":

Im Meisterschaftsrennen der Doppelzweier kam es zu einem "Favoritensturz". Nicht die Rüsselsheimer von Opel und Kaidel steckten hier als Erste die Nase durchs Ziel, sondern ihre unmittelbaren Nachbarn Paul und Marquardt von der Frankfurter Germania. Auf der Strecke wechselte die Führung mehrfach zwischen den beiden Booten, bis am Schluss der ersten Hälfte bei 1.000 Meter die Rüsselsheimer sich eine gute Länge Vorsprung erkämpft hatten. Die Frankfurter gaben sich aber keineswegs geschlagen und sahen ihre Bemühungen auch in der "zweiten Halbzeit" belohnt: Sie nahmen von Opel und Kaidel den Vorsprung nach und nach ab und schafften es tatsächlich noch bis zum Ziel, das sie fast zwei Sekunden vor ihren Gegnern erreichten. Der Sieg der Frankfurter wurde besonders lebhaft gefeiert. Schließlich kein Wunder nach diesem kampfreichen und interessanten Rennen."

Georg von Opel (Ruderverein Rüsselsheim) und Willi Kaidel (Schweinfurter RC Franken) ‒ Doppelzweier-Sieger 1938 in Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt und Mainz

1.

Eduard Paul, Ludwig Marquardt (Frankfurter RG Germania)

7:09,4 min

2.

Georg von Opel, Willi Kaidel (Renngem. RV Rüsselsheim / Schweinfurter RC Franken)

7:11,2 min

Den Höhepunkt bildete, wie erwartet, das Achterrennen, das nach den Vorrennen des Samstags spannend wie selten zu werden versprach. Der Berliner RC, der den Meistertitel zu verteidigen hatte, rechtfertigte das Vertrauen das man auf Grund seiner besten Vorlaufzeit auf ihn gesetzt hatte, vollauf. Lagen anfangs die Mannheimer Amiciten leicht in Führung, so schob sich der "Club" bald schon nach den ersten 300 Metern leicht nach vorn, gefolgt von den Männern der SS-Leibstandarte im Achter des Ruderklubs am Wannsee. Bei 1.000 Metern schaltete der RaW einen energischen Zwischenspurt ein, der ihn in Führung brachte, aber nach weiteren 200 Metern hatte sich der Berliner Ruder-Club wieder die Spitze gesichert. Der Vorsprung von einer Viertellänge wurde von den Männern mit dem roten Stern bis zum Ziel noch auf mehr als eine Länge ausgedehnt. Im letzten Viertel der Strecke kamen überraschenderweise die Mannheimer noch auf den zweiten Platz vor dem sich verzweifelt wehrenden RaW, der um 2/10 Sekunden den Amiciten den Ehrenplatz überlassen musste. Das Boot der Renngemeinschaft Rüsselsheim hatte nie etwas zu bestellen und landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

1.

Berliner Ruder-Club

6:24,1 min

2.

Mannheimer Ruderverein Amicitia

6:29,7 min

3.

Ruderklub am Wannsee Berlin

6:29,9 min

4.

Renngem. Ruderverein Rüsselsheim / Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim

6:49,0 min

Während der Doppelzweier mit Georg von Opel und Willi Kaidel die Deutsche Vizemeisterschaft erringen kann, muss der Achter sich im Endlauf hinter Berliner RC, Mannheimer RV Amicitia und RK am Wannsee Berlin in der Besetzung Wilhelm Wolf (RGUR – 25 Jahre – 1,73 cm – 72 kg), Franz Lieb (RVR – 24 – 1,78 – 72), Heinz Hummel (RVR – 20 – 1,80 – 75), Ernst Müller (RGUR – 28 – 1,88 – 82), Adam Breidert (RGUR – 18 – 1,96 – 84), Hans Mietzschke (RVR – 24 – 1,79 – 75), Karl Schömbs (RVR – 24 – 1,78 – 77), Oskar Fischer (RVR – 27 – 1,82 – 78) und Stm. Philipp Wagner (RGUR – 33 – 1,72 – 63) mit dem undankbaren 4. Platz begnügen.

 

Der Renngemeinschaftsachter RVR/RGUR 1938 ‒ 9 Ruderer und 2 Steuermänner (hinten: Richard Trapp (RVR), Hans Mietzschke (RVR), Ernst Müller (RGUR), Karl Schömbs (RVR), Adam Breidert (RGUR), Franz Lieb (RVR), Oskar Fischer (RVR), Wilhelm Wolf (RGUR), Heinz Hummel (RVR); vorn: Heinz Bopp (RVR), Philipp Wagner (RGUR))

 

Am 5. November 1938 ehrt der Ruderverein Rüsselsheim im Bootshaus seine und der "Undine" Rudersieger des Jahres bei einer Siegesfeier. Die im Ruderjahr bei den 16 Siegen – davon neun erste Rennen ‒ errungenen Siegespreise sind ausgestellt und nach einigen Ansprachen – darunter auch der Rudersport-Berichterstatter des Gaues Süd-West, Paul Elschner, der über die sportlichen Einzelheiten der Rüsselsheimer Erfolge und über die anfänglichen Schwierigkeiten berichtet – sowie Ehrung der erfolgreichen Ruderer ist der offizielle Teil zu Ende. Die RVR-Hauskapelle, zusammengesetzt aus Musikern der RVR-Sportabteilung spielt zum Tanz und Elisabeth Sagemeister sowie die Herren Edgar Klein, Reinhold Gröber, Carl Doré und Karl-Heinz Ims unterhalten durch Gesangsdarbietungen und Stepptänze.

Im gesamten Sportwesen übernimmt die HJ die Ausbildung der Jugend, so dass nur noch Mitglieder der HJ Wettkämpfe bestreiten können.

In der Hockeyabteilung hat man mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da durch Abwanderung von Spielern in das Werk Brandenburg, dadurch, dass RVR-Spieler in anderen Vereinen spielen, und auch durch andere Umstände immer weniger Spieler zur Verfügung stehen. Sogar Überlegungen kommen auf, die Hockeyabteilung aufzulösen. Engagiert versucht Richard Trapp durch Aufbau einer Jugendmannschaft, eine Basis für die Zukunft zu schaffen. Es gelingt, siebzehn Jugendliche zu ständigem Training zu animieren. Daher trägt auch nur eine Jugendmannschaft Spiele gegen andere Vereine aus. Von neun Spielen werden sechs gewonnen, eins endet unentschieden und zwei werden verloren, das ganze bei einem Torverhältnis von 41:17.

Richard Trapp meldet seine Jugendmannschaft mit den Spielern Wilhelm Reinheimer, Reinhold Gröber, Karl Vatter, Robert Hartmann, Josef Braumann, Spörl, Karl-Heinz Ims, Heinz Hummel, Josef Saar, Carl Doré, Josef Schnur, Karl Stromberger, Helmut Guckes und Heinz Bopp zum Jugend-Oster-Hockeyturnier in Mainz, wo man jedoch gegen SG Osram Berlin, HC Braunschweig und Oberhausener HTC Niederlagen hinnehmen muss.

Für 1939 plant Richard Trapp die Aufstellung einer Ersten Herrenmannschaft, um in der Kreisklasse an den Aufstiegsspielen teilnehmen zu können. Durch Gespräche mit Spielern, die in anderen Vereinen spielen, und auch mit Ruderern, die vermehrt den Hockeysport im Winter als Ergänzungssport ausüben sollten, hofft er, diese Sache verwirklichen zu können.

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