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Geschichte des Rudervereins Rüsselsheim (RVR)
von 1908 bis 1942

1926

Nachdem die RVR-Aktiven gegen Ende des Jahres 1925 mit dem Hockeyspiel als Ausgleichssport begonnen haben, werden zu Beginn des Jahres 1926 die ersten Hockeyspiele ausgetragen. Die "Main-Spitze" berichtet am 16. Januar 1926:

"Für Rüsselsheim eine neue Sportart. Das Verdienst, sie einzuführen, darf der Ruderverein Rüsselsheim für sich in Anspruch nehmen. Er hat Hockey als Wintertraining für seine Ruderer aufgegriffen und damit bei letzteren großen Anklang gefunden. Das Hockeyspiel selbst kommt dem Fußballspiel im Aufbau sehr nahe, mit dem Unterschied, dass der kleine Holzball mit den Hockeyschlägern von den Spielern fortbewegt wird, wobei jede gegenseitige Berührung verpönt ist. Es kommt bei diesem Spiel, genau wie bei dem Fußball, auf Schnelligkeit, Kombination und Schussvermögen an, und die Mannschaft, die diese Eigenschaften am vollkommensten in sich vereinigt, wird Sieger bleiben. – Der Ruderverein Rüsselsheim hat bereits eine Kampfmannschaft zusammengestellt, die ihr erstes Spiel am zweiten Weihnachtsfeiertag hierselbst gegen die Damenmannschaft der Frankfurter Eintracht austrug. Am verflossenen Sonntag weilte die Mannschaft in Frankfurt bei der Turn- und Sportgemeinde Eintracht und spielte gegen die zweite Herrenmannschaft. Beide Spiele verlor der RVR mit 2:0 Toren, ehrenvolle Resultate in Anbetracht des kurzen Trainings. Am kommenden Sonntag Vormittag kommt eine Mannschaft der Turngemeinde Rödelheim nach Rüsselsheim zur Austragung eines Wettspiels."

Erste Hockey-Wettspielmannschaft des RVR am 10. Januar 1926 nach einer 0:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt II (hinten: Richard Trapp, Peter Horle, Adam Ihrig, Paul Diehl, Carl Nebelung, Fritz Weidmann, Rudolf Enz, Heinrich Klein, ..., Friedrich Traiser; vorn: ..., Richard Baer, Alfred Körbel)

Anzeige am 16. Januar 1926 in der "Main-Spitze" zur Ankündigung des "Hockey-Wettspiels" gegen die TG Rödelheim

Zu Beginn des Jahres 1926 werden weitere Hockeyspiele, die in Rüsselsheim auf dem Sportplatz links der Straße zum Schönauer Hof am Schützenhaus stattfinden, gegen Mannschaften aus Griesheim, Wiesbaden und Offenbach ausgetragen, jedoch zunächst ohne Siegchancen. Anfangs April veranstaltet der RVR sein 1. Oster-Hockey-Turnier, zu dem nicht weniger als fünf, zum Teil sehr spielstarke Mannschaften aus Bad Homburg, Wiesbaden, Hanau, Aschaffenburg und Rödelheim melden. Es finden drei Spiele statt, die auf dem Borussia-Sportplatz an der Haßlocher Straße ausgetragen werden, wobei die Mannschaft des RVR ihr Spiel gegen die Mannschaft des Turn- und Fecht-Clubs Hanau gewinnen kann.

Postkarte anlässlich des 1. Oster-Hockeyturniers des RVR 1926

Anzeige in der "Main-Spitze" am 1. April 1926 anlässlich des 1. Oster-Hockey-Turniers des RVR

 
 

Frl. Irmgard von Opel stellt den Antrag, aktiv im RVR rudern zu dürfen, so dass die Mitgliederversammlung den Beschluss faßt, in Zukunft auch Damenrudern zuzulassen. Um den Trainingsbetrieb nicht zu stören, muss das Rudern der Damen jedoch um 18 Uhr beendet sein.

Die ordentliche Generalversammlung des RVR, zu der knapp 60 Mitglieder erscheinen, wird am 13. März 1926 im Bootshaus abgehalten. Aus dem Jahresbericht des RVR-Vorsitzenden, Paul Nebelung, ist vor allem die Fertigstellung des neuen "Gesellschaftshauses" hervorzuheben, das einen Kostenaufwand von etwa 80.000 Mark erforderte. Der Kassenbericht des Kassierers, Oscar Schlieben, schließt mit einem Bestand von 1.219,68 Mark. Der Ruderbericht  des 1. Ruderwarts, Adam Ihrig, zeigt auf, dass der RVR auch im sportlichen Bereich im Jahr 1925 ein gutes Stück vorangekommen ist. Wie 1925 konnte für das Jahr 1926 als Ruderlehrer wieder Albert Meixner aus Frankfurt gewonnen werden - die Ruderleitung hofft mit einem Jungmann-Vierer, einem Jungmann-Achter und einem Senior-Vierer herauszukommen. Ein neuer bei der Bootswerft Leux bestellter Schulzweier und ein neues bei der Bootswerft Kraus in Mainz bestelltes Motorboot werden bei der Ausbildung der Ruderer gute Dienste leisten. Bei der Vorstandswahl zeugt die fast restlose Wiederwahl der seitherigen Vorstandsmitglieder von dem entgegengebrachten Vertrauen. Aus Rücksicht auf die gegebenen wirtschaftlichen Verhältnisse wird von einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge abgesehen. Mit Übernahme der Ausrichtung der großen Mittelrheinischen Ruder-Regatta am 10. und 11. Juli 1926 hat sich die Vereinsleitung eine große Aufgabe vorgenommen und hofft auf die Mitwirkung arbeits- und opferfreudiger Mitglieder.

Anzeige in der "Main-Spitze" zum Anrudern

Anzeige in der "Main-Spitze" zur Trainingsverpflichtung

Nach Beendigung des Wintertrainings, das mit Hockeyspiel, Beckenrudern und Gymnastik ausgefüllt war, wird am 2. Mai 1926 gemeinsam mit der RG Undine, den beiden Flörsheimer Vereinen und dem Ruder-Club Raunheim angerudert. Die Auffahrt beginnt am Bootshaus der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim, führt bis zur Raunheimer Schleuse, von da zurück zur "Undine" und endet am Bootshaus des Rudervereins Rüsselsheim. Am Abend veranstaltet der RVR in seinem Bootshaus einen Familienabend, in dessen Verlauf die Rennruderer des RVR zum strengen Training verpflichtet werden.

Erste Ruderregatta beim Ruderverein Rüsselsheim am 10. und 11. Juli 1926 bei Hochwasser (Zuschauertribüne am Landungsplatz)

Anschließend werden die ersten Regatten in Worms, Mainz, Frankfurt und Mannheim besucht, jedoch trotz guter Leistung im Vierer und Einer (Emil Zogbaum und Peter Horle) gelingt zunächst kein Sieg. Am 10. und 11. Juli 1926 findet in Rüsselsheim die 14. Mittelrheinische Ruder-Regatta statt. Wir zitieren die "Presse":

"Nur noch zwei Tage trennen uns von der großen wassersportlichen Veranstaltung des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes, deren Ausführung in diesem Jahr der Ruderverein Rüsselsheim übernommen hat. Der gute Ausfall der Meldungen (34 Vereine, 167 Boote, 925 Ruderer) stempelt diese Regatta zu einem der größten wassersportlichen Ereignisse Süddeutschlands. Die 26 Rennen verteilen sich auf zwei volle Tage. Die Vorrennen werden jeweils an den Vormittagen ausgefahren.

Alle Rennen weisen eine sehr gute Besetzung auf. In erster Linie versprechen die erstklassigen Rennen ganz hervorragenden Sport; treffen sich doch hier die Mannschaften des Kölner Clubs für Wassersport, die Offenbacher RG Undine, die Kasteler RG und die Frankfurter RG Germania., die bereits schon einmal in Frankfurt ihre Kräfte gemessen haben. Der Mainzer RV hat in die erstklassigen Rennen lediglich seinen Berg-Vierer gemeldet.

Die zweit- und drittklassigen Rennen weisen zum Teil sehr starke Felder auf und werden sich schon in den Vorrennen recht erbitterte Kämpfe abspielen, um die Berechtigung am Entscheidungslauf teilzunehmen, zu erlangen. Unter den Skullern sind in erster Linie Wolf (Worms), Brühl (Limburg) und Hügel von der Frankfurter Germania zu nennen, die sich im Carmen-Silva-Einerrennen treffen. Die fast gerade Regattastrecke ist sehr ideal gelegen und vom Ziel aus kann die ganze Strecke übersehen werden. Die Eintrittspreise sind sehr volkstümlich gehalten, um einem möglichst großen Kreis von Interessenten den Besuch zu ermöglichen."

Anzeige in der "Main-Spitze"

Deckblatt des Programmhefts

Anzeige in der "Main-Spitze"

Es ist die größte Regatta seit Bestehen des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes. Die Abwicklung der Regatta liegt in den Händen des RVR, der hierzu zehn Arbeitsausschüsse gebildet hat. Der Vorstand des Regatta-Ausschusses wird gebildet von den Herren Paul Nebelung (Vorsitzender), Ernst Neumann (Vorsitzender des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes), Adam Ihrig und Oscar Schlieben. Trotz plötzlich auftretenden Hochwassers am ersten Regattatag, kann die Regatta glatt abgewickelt werden. Insgesamt werden 26 Rennen ausgetragen, wobei zu den beiden Ersten Achtern je vier Boote gemeldet sind, zum Zweiten Achter ebenfalls vier Boote. Zum Dritten Achter sind sogar 13 Boote, darunter auch der RVR mit Karl "Carlo" Hungsberg, Paul Diehl, Richard Trapp, Carl Nebelung, Richard Baer, Emil Zogbaum, Peter Horle, Dr. Theo Brand und Stm. Georg Schmitt, am Start, so dass zunächst einmal Vorrennen gefahren werden müssen, die der RVR jedoch nicht übersteht. Emil Zogbaum siegt samstags im Jungmann-Einer mit mehreren Längen vor seinem Vereinskameraden Peter Horle und Peukert von der Mainzer RG sowie sonntags im Junior-Einer nach klarem Vorlaufsieg im Hauptrennen ebenfalls mit mehreren Längen vor Peukert von der Mainzer RG und Lerch von der Wormser RG. Wir entnehmen dem "Wassersport" zur Rüsselsheimer Regatta:

"Die Leistungen der Mannschaften waren nicht alle auf der zu wünschenden Höhe. Dies kann aber auch nicht anders sein auf einer Regatta, wo neben Mannschaften der ersten Klasse doch zahlreiche Anfänger in Schutzrennen rudern. Auch ist zu berücksichtigen, dass hier mitunter Mannschaften herauskommen, die von Ruderern ausgebildet werden, deren Lehrtalent nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Lassen wir bei der Besprechung der Mannschaften den Gastgebern den Vorzug. Die Mannschaften vom Ruderverein Rüsselsheim waren im Vierer und im Achter in in ganz ansprechender Form. Meist lagen sie auch gut in den Rennen, aber im Endkampf hatten sie zumeist ihr Pulver schon verschossen. Bei härterer Wasserarbeit und kräftigerem Endzug dürften sie bald wieder auf der alten Höhe sein. Prächtig ruderte Zogbaum in den Einerrennen. Zogbaum hatte schon auf den seitherigen Regatten, ebenso wie sein Klubgenosse Horle, schöne Rennen gemacht. In Rüsselsheim konnte er zwei Rennen sicher heimbringen. Horle ist weniger stark wie Zogbaum, er hatte keinen Erfolg, aber es wäre falsch, wenn er deshalb die Flinte ins Korn werfen wollte. Horle dürfte ebenso wie Roller von Frankfurt noch manches gewinnen können."

Es folgen für die RVR-Ruderer noch die Regatten in Heidelberg, Offenbach, Limburg, Neuwied, Breslau, Gießen und Frankfurt.

Der siegreiche Seniorachter des RVR im "Ausgehdress" mit Damen auf der Gießener Regatta 1926: Friedrich Traiser, ..., Carl Nebelung, ..., Wilhelm Horle, Paul Diehl, ..., ..., Georg Schmitt (vorn sitzend), Alfred Körbel, Peter Horle, ..., Richard Trapp, ... und Fritz Weidmann

Sieben Einersiege durch Emil Zogbaum im Jungmann-, Junior- und Senior-Einer, vier Vierersiege, davon drei durch die Schüler Georg Petzold, Philipp Jung, Ludwig Eisele, Karl Hitzel und Stm. Karl Hill im Jugend-Vierer (Heidelberg, Limburg und Neuwied) und einen im Senior-Vierer (Neuwied), sowie ein Sieg im Seniorachter in Gießen mit Friedrich Traiser, Alfred Körbel, Wilhelm Horle, Richard Trapp, Peter Horle, Fritz Weidmann, Paul Diehl, Carl Nebelung und Stm. Georg Schmitt sind schließlich zu verzeichnen. Zwölf Regattasiege für den RVR führen in der Punktwertung des Deutschen Ruderverbandes zum 40. Platz von etwa 500 Vereinen und zum 4. Platz von 32 Vereinen im Mittelrheinischen Regatta-Verband.

Emil Zogbaum 1926, sieben Einersiege für den RVR

Emil Zogbaum

 

Seniorvierer des RVR, Sieger im Rheinvierer in Neuwied 1926
(Carl Nebelung, Paul Diehl, Stm. Georg Schmitt, Wilhelm Horle, Richard Trapp)

Schülervierer des RVR 1926 , siegreich in Heidelberg, Limburg und Neuwied
(Stm. Karl Hill, Karl Hitzel, Ludwig Eisele, Philipp Jung und Georg Petzold)

Seniorachter des RVR, Sieger in Gießen 1926 (Stm. Georg Schmitt, Carl Nebelung, Paul Diehl, Fritz Weidmann, Wilhelm Horle, Richard Trapp, Peter Horle, Alfred Körbel, Friedrich Traiser)

Abschluss der Regattasaison ist das Abrudern mit Interner Regatta. Verbunden damit ist wieder ein frei vereinbartes Achterrennen der Senioren und ein Viererrennen der Schüler zwischen dem Flörsheimer RV, der RG Undine und dem RVR. Höhepunkt ist natürlich das "Stadtachterrennen", das dieses Mal die RG Undine mit einer halben Länge vor dem RVR gewinnt, dieser wieder eine halbe Länge vor dem FRV. Das Schülerrenen gewinnt der FRV vor dem RVR und der "Undine".

Insgesamt werden von 55 Ruderern des RVR während der Rudersaison 952 Fahrten mit 3.264 Bootskilometern und 12.675 Mannschaftskilometern durchgeführt. Sieger des Fahrtenpreises ist Carl Nebelung mit 199 Fahrten und 893 Kilometern vor Richard Trapp und dem Steuermann Georg Schmitt.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 16. September 1926 anlässlich
der Internen Regatta des RVR mit "Stadtachter"

Ausschnitt aus dem Lageplan zum Gesuch des Rudervereins Rüsselsheim
auf Errichtung einer Motorboots-Halle im Main aus dem August 1926

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