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Geschichte des Rudervereins Rüsselsheim (RVR)
von 1908 bis 1942

1923

Das Wintertraining der Ruderer zu Beginn des Jahres besteht hauptsächlich aus Fußballspiel und Übungen auf der Rudermaschine. Die fußballspielenden Ruderer des RVR, die gemeinsam mit den Ruderern der Rudergesellschaft Undine sonntags üben, tragen zwei Wettspiele gegen die Dritte Mannschaft des Fußballvereins Borussia aus, von denen eines 5:0 verloren geht, während das andere 3:2 gewonnen wird.

Der Bootspark besteht aus folgenden Ruderbooten:

Rennachter "Fritz", Baujahr 1921

Rennvierer "Georg Friedrich", Baujahr 1912

Rennvierer "Karl", Baujahr 1921

Rennvierer "Heinz", Baujahr 1922

Gigvierer "Eleonore", Baujahr 1910

Gigvierer "Viktor", Baujahr 1913

Gigvierer "Else", Baujahr 1920

Schulzweier "Heinrich", Baujahr 1913

Schulzweier "Pfeil", Baujahr 1909

Anzeige in der "Main-Spitze" am 24. April 1923

Am 24. März 1923 treffen sich die Mitglieder des RVR zur ordentlichen Generalversammlung, bei der der Vorstand mit Paul Nebelung an der Spitze im wesentlichen wiedergewählt wird.

Die Ruderer bereiten sich mit einem Senior-Vierer, einem Leichtgewichts-Vierer und einem Jungmann-Achter unter der Trainingsleitung von Adam Ihrig auf die Regattasaison vor, bei der der Besuch mancher Regatten infolge der wirtschaftlichen Lage, der politischen Verhältnisse und der dadurch gegebenen Grenzschwierigkeiten jedoch nicht möglich ist. Eröffnet wird die Saison mit dem Anrudern am 29. April 1923, wobei man eine Ruderfahrt nach Hochheim unternimmt und sich abends zu gemütlichem Zusammensein im Vereinslokal "Zur Mainlust" trifft. Die Verpflichtung zu strengen Training, der sich 12 Ruderer unterziehen, findet am 29. April statt.

Rudertraining im Rennvierer bei Hochwasser vor der Regattasaison (Trainer Adam Ihrig, Dr. Theo Brand, Wilhelm Horle, Georg Stieb, Albert Meeser)

Als erste Regatta wird am 9./10. Juni 1923 Mainz besucht. Der Senior-Vierer mit Albert Meeser, Otto Bayer, Peter Horle, Dr. Theo Brand (vorher Frankfurter RG Sachsenhausen) und Stm. Karl Metz wird zum Gastvierer und zum Zweiten Vierer gemeldet, der Vierer mit Friedrich Traiser, Karl Hungsberg, Heinz Schmitt, Georg Stieb und Stm. Karl Metz zum Leichtgewichts-Vierer sowie der Achter mit Ludwig Traiser, Karl Hungsberg, Walter Härtel, Georg Typke, Wilhelm Horle, Willi Bohn, Heinz Schmitt, Georg Stieb und Stm. Friedrich Traiser zum Jungmann-Achter. Während der Senior-Vierer gute Rennen zeigt, jedoch nicht gewinnen kann, wird der Achter nach einer Kollision auf der Strecke ausgeschlossen, der Leichtgewichts-Vierer fährt hinterher und wird nach der Regatta aufgelöst.

Es folgt die Regatta in Frankfurt, wo Senior-Vierer und Jungmannachter an den Start gehen. Der Senior-Vierer kann die beiden gemeldeten Rennen einwandfrei gewinnen, und zwar den "Strahlenberg-Preis" gegen Frankfurter RC und Limburger RV sowie den "Preis von Sachsenhausen" gegen RG Worms und Limburger RV. Beim Jungmannachter bestätigt sich leider die Vermutung, dass der Achter etwas schwach ist, jedoch muss erwähnt werden, dass die Mannschaft nur mit Schwierigkeiten nach Frankfurt kommt. Sie fahren mit dem Fahrrad nach Griesheim und suchen sich von da zu Fuß den Weg durch die Grenzlinie.

Nach dieser Regatta entschließt sich die Ruderleitung den Achter zwar noch weiter zu trainieren, aber nicht mehr auf Regatten zu melden. Dafür wird aus dem Achter ein Vierer mit Karl Hungsberg, Georg Typke, Wilhelm Horle und Georg Stieb herausgezogen.

Der Senior-Vierer macht es trotz großer Schwierigkeiten möglich, in Mannheim an den Start zu gehen. Wegen der schlechten Bahnverbindung kommt Schlagmann Brand nachts erst um 01.30 Uhr in Mannheim an und muss im Wartesaal übernachten. Der Gastvierer geht verloren, doch am Tag darauf gewinnt die Mannschaft den Zweiten Senior-Vierer gegen RG Worms, WSV Rheinfelden, und Heidelberger RG.

Die gemeldeten Regatten in Offenbach, Heidelberg und Heilbronn können wegen der Grenzschwierigkeiten leider nicht besucht werden, so dass die letzten Starts am 4./5. August auf der Regatta des Mittelrheinischen Regatta-Verbandes in Koblenz erfolgen, jedoch können nur gute Platzierungen erreicht werden.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 14. September 1923 anlässlich des RVR-Abruderns mit Vereins-Regatta

Während der Rudersaison wird ein Schüler-Vierer mit Heinrich Klein, Richard Baer, Gustav Klingelhöfer, Carl Nebelung und Stm. Georg Schmitt zusammengesetzt, der zwei frei vereinbarte Rennen gegen die Schülermannschaft des Hochheimer Rudervereins austrägt und beide, aber erst nach hartem Kampf, gewinnen kann.

Beendet wird die Rudersaison am 16. September 1923 beim Abrudern mit Vereins-Regatta, bei der auch ein Gastvierer und ein Gastachter ausgetragen werden. Vierer- und Achterrennen werden über eine Strecke von 1.800 m gerudert, Zweierrennen über 1.000 m. Infolge zahlreicher Meldungen müssen im Gastvierer Vorrennen gefahren werden, Gewinner wird die Mainzer RG 1902 vor der Kasteler RG, dem RC Nassovia Höchst, dem RV Schierstein und dem Griesheimer RV. Im Gastachter siegt die Kasteler RG 1880 vor der Mainzer RG 1902, dem RC Nassovia Höchst und dem Hochheimer RV 1921. Ein frei vereinbartes Schülervierer-Rennen gewinnt die Mannschaft des RVR mit einer halben Länge gegen den Hochheimer RV 1921. Das RVR-Ehrenmitglied Carl von Opel stiftet dem RVR einen offenen Schulvierer, der im Rahmen des Abruderns getauft wird. Die Preisverteilung findet abends im "Rüsselsheimer Hof" bei gemütlichem Beisammensein statt.

Bei Auswertung des Fahrtenbuchs der Rudersaison 1923 ergibt sich, dass 54 Ruderer 764 Fahrten mit 3.015 Bootskilometern und 13.775 Mannschaftskilometern durchgeführt haben. Vorne liegt Dr. Theo Brand mit 275 Fahrten und 1.159 Kilometern vor Georg Stieb mit 211 Fahrten und Karl Hungsberg mit 184 Fahrten. Von den nun beim RVR auch rudernden Frauen hat Christel Morhardt mit 29 Fahrten und 96 km am meisten gerudert oder gesteuert.

Die Mitgliederbeiträge müssen durch die Inflation jetzt laufend erhöht werden. Im März 1923 beträgt der Monatsbeitrag für aktive Mitglieder 1.000 Mark, im Juli 5.000 Mark, im August schon 100.000 Mark. Am 29. September werden die Beiträge wertbeständig festgelegt und zwar auf 50 Goldpfennig je Monat multipliziert mit der Reichsindexziffer vom letzten Tag des Vormonats. Im Dezember ergibt sich so ein Beitrag von 800 Milliarden Papiermark je Monat.

Am 28. Juli 1923 findet anlässlich des 15-jährigen Bestehens des RVR ein Sommernachtsfest statt.

Nach dem Bau der neuen Bootshalle im Jahr 1922 will der RVR nun auch an die Verwirklichung des Gesellschaftshauses gehen. In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 29. September wird daher eine Arbeitsdienstpflicht eingeführt, um bei Durchführung des Projekts die Kosten, insbesondere die Löhne, niedrig zu halten. Mit der Aushebung des Fundaments durch die Mitglieder wird dann alsbald begonnen, wobei der durch die Ruderer gezeigte Eifer dem Vorstand die Gewissheit gibt, dass das gesteckte Ziel auch erreicht wird. Vorgesehen ist in den Kellerräumen des Gesellschaftshauses ein Ruderbassin für eine Vierermannschaft.

Neben erfreulichen Tatsachen hat der RVR 1923 auch Trauriges erlebt. Durch zwei Unglücksfalle werden ein aktiver Ruderer und ein Schüler getötet. Ludwig Linz, die Nr. 4 des letztjährigen Juniorachters, wird im Juli beim Versuch, die Grenze vom besetzten ins unbesetzte Gebiet zu überschreiten, von einer französischen Kugel getötet. Opfer des zweiten Unglücksfalls ist der jugendliche Ruderer Philipp Schlieben.

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