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Geschichte des Rudervereins Rüsselsheim (RVR)
von 1908 bis 1942

1941

Auch im Jahr 1941 wird das Anrudern wieder zum "Tag des deutschen Rudersports" nun schon zum achten Mal gemeinsam mit allen deutschen Ruderern veranstaltet. Am 6. April 1941 treffen sich in Rüsselsheim die Ruderer des Rudervereins und der Rudergesellschaft Undine am RVR-Bootshaus. Die "Main-Spitze" gibt einen Vorbericht:

Zum 8. Mal begeht der großdeutsche Rudersport am 6. April 1941 sein gemeinsames Anrudern, den schon zur Tradition gewordenen "Tag des deutschen Rudersports". An diesem Tage, 11.30 Uhr, stehen alle deutschen Ruderer, jung und alt, Männer und Frauen, Aktive und Passive, angetreten am Flaggenmast vor dem Bootshaus. Der Befehl zur Flaggenhissung wird um 11.45 Uhr von der alten deutschen Stadt Straßburg im Elsass aus über den Rundfunk gegeben. Von der Terrasse des Rohan-Schlosses an der Ill, in unmittelbarer Nähe des Straßburger Münsters, sprechen dann über den Rundfunk der Reichssportführer und der Fachamtsleiter zu den angetretenen Ruderern. Die deutschen Ruderer und Ruderinnen werden diesen Tag zu einer machtvollen Kundgebung des Rudersportes gestalten und dabei die Blicke auf die deutsche Wehrmacht richten, der Zehntausende von deutschen Ruderern angehören. Der Tag gilt auch dem Andenken der Ruderkameraden, die durch ihren Heldentod ihre Treue zum Vaterland besiegelt haben. Das Bekenntnis der Treue zu Führer und Vaterland wird der tiefe Sinn des Tages sein. Geschlossen marschieren die Ruderer in das neue Ruderjahr. Sie wissen, dass trotz des Ausfalles der Feldgrauen noch genug Kameraden zu betreuen sind. Dazu ist vor allem eines nötig: Zusammenhalt. Sie können die Aufgabe nur dann lösen, wenn alle Kameraden und Kameradinnen helfen. Das sollen sie bei der Flagge auch den Kameraden versprechen, die draußen vor dem Feinde die größere Aufgabe haben und die mit Recht erwarten, dass die Heimat das erhält, was sie mit der Waffe verteidigen: Die Gemeinschaft des deutschen Volkes! Bei günstigen Wasserverhältnissen gehen um 12 Uhr auf das durch Rundfunk ergehende Kommando die Boote zu Wasser. Nachmittags treffen sich die hiesigen Ruderer zur kameradschaftlichen Vereinigung im RVR-Bootshaus.

Anfangs Mai hält Fachlehrer Max H. Ehlert im Rahmen der Vereinsbetreuung durch die Reichsführung des NSRL, Fachamt Rudern, Vorträge über alle Fragen des Rudersports, Jugend- und Frauenrudern, Renn- und Wanderrudern, Schlagzahlrennen, Tipps aus der Praxis für die Praxis. Am 4. Mai zeigt Ruderlehrer Ehlert in Flörsheim Ruderfilme, einen Tag später behandelt er im RVR-Bootshaus rudertechnische Fragen.

Die Ruderei nimmt in diesem Jahr wieder einen kleinen Aufschwung, da die Jugendruderer der Rüsselsheimer Oberschule mit 33 Schülern am Training teilnehmen. Bei der am 25. Juni 1941 in Geisenheim stattfindenden Wassersport-Leistungsprüfung nehmen die Schüler der Oberschule beim Stil- und Geschicklichkeitsrudern über 1.000 m teil.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 5. April 1941

Anzeige in der "Main-Spitze" am 2. Mai 1941

Mitte des Sommers stellt sich Trainer Fritz Brumme wieder für die Ausbildung jugendlicher Anfängerruderer sowie für die Skuller Karl Saar (RVR) und Adam Breidert (Undine) zur Verfügung. Da das Training einen erfreulichen Fortgang zeigt, entschließt sich Brumme, seine Ruderer am 20. Juli 1941 auf der Regatta in Offenbach starten zu lassen. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Seit sechs Wochen befindet sich der jugendliche Adam Breidert zusammen mit dem seit 1933 nicht mehr rudernden Karl Saar in hartem Rudertraining unter der altbewährten Leitung des Lehrwarts Fritz Brumme. Adam Breidert ist als einziger von der 1938 und 1939 auf der Deutschen Meisterschaft startenden Achtermannschaft übrig geblieben. Alle anderen tragen zur Zeit den grauen Rock des Soldaten. Karl Saar, der als Jugendlicher 10 Schülerrennen gewann, hat sich in kurzer Zeit gut in das Training eingewöhnt und auf Grund der Trainingszeiten konnte man beide im Doppelzweier ohne Steuermann mit berechtigter Hoffnung auf die Regatta entsenden. Auch fahren beide Ruderer noch Skullboot und starteten im Jungmann- und Junior-Einer. Karl Saar konnte im Jungmannrennen zu keinem Erfolg kommen, da auch, in einem fremden Boot fahrend, noch die hierfür erforderliche Sicherheit für diese Bootsgattung fehlte. Adam Breidert, der in Schmorl, Germania Frankfurt, einen Gegner hatte, auf den man in Frankfurter Ruderfachkreisen noch große Hoffnungen setzt, lieferte diesem erfahrenen Skuller ein Rennen, das Bord an Bord bis ins Ziel ging. Mit einer Viertellänge verlierend, schnitt Breidert ausgezeichnet ab, zumal man ihm keinen großen Erfolg einräumte und er auch in einem geliehenen Boot rudern musste.

Das Doppelzweier-Rennen war mit fünf Booten aus Bonn, Kassel, Offenbach und Mainz stark besetzt. In zwei Läufe geteilt, musste Rüsselsheim gegen Kassel und Offenbach starten. Die beiden Rüsselsheimer verloren vom Start weg eine halbe Länge, bis sie sich einigermaßen in dem fremden Boot zurecht fanden. Offenbach wurde eingeholt und bei tausend Meter lag Rüsselsheim mit anderthalb Längen vor Offenbach und gegen Kassel mit zwei Längen im Hintertreffen. In einem unerhört scharfen Endspurt gelang es Rüsselsheim, diesen starken Gegner bis ins Ziel noch sicher und mit einer halben Länge Vorsprung zu schlagen.

Eine Frankfurter Zeitung schrieb zu diesem Rennen folgende Kritik: "Die Rüsselsheimer Renngemeinschaft bezwang in einem schneidigen Endvorstoß die favorisierte Kasseler Mannschaft, die in Frankfurt gesiegt hatte." Die Zeiten lauten: Rgm Rüsselsheim 4:46,0 min, Kassel 4:46,6 min, Offenbach 4:55, 2 min. Sieger im zweiten Lauf war Bonn mit einer Zeit von 4:47,8 min. Rüsselsheim fuhr somit die beste Zeit in dieser Bootsgattung.

Eine Woche später starten die beiden Rüsselsheimer Skuller auf der Hanauer Regatta, erneut in geliehenen Booten. Während des Doppelzweier-Rennen knapp verloren geht und auch Karl Saar sich im Leichtgewichts-Junior-Einer nicht durchsetzen kann, ist Adam Breidert im Junior-Einer und dann auch noch im Jungmann-Einer nicht zu schlagen.

Georg von Opel startet am 3. August 1941 mit dem ehemaligen aktiven Ruderer des RVR, Willi Füth vom Deutschen Ruderverein Amsterdam, in Renngemeinschaft bei der zweiten Deutschen Kriegsmeisterschaft und gleichzeitig dem 30. Deutschen Meisterschaftsrudern in Berlin-Grünau im Doppelzweier. Die Meisterschaft im Doppelzweier scheint eine reife Frucht für Georg von Opel und Willi Füth zu sein, doch die Charlottenburger Titanen durchkreuzen die Absicht der beiden. Schon nach 1.500 Metern führen die Berliner und holen einen tüchtigen Vorsprung gegen die zum Schluss aufkommende Renngemeinschaft heraus. Obwohl beide Ruderer ihren militärischen Verpflichtungen nachkommen müssen und so nur wenig trainieren können, ist das der zweite Platz und damit die Vizemeisterschaft. Im gleichfalls von beiden gemeldeten Einer zieht Georg von Opel seine Meldung zurück, während Willi Füth hinter Josef Hasenöhrl ebenfalls den zweiten Platz belegt.

Der Skuller der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim, Adam Breidert, im Jahr 1941

Der Renngemeinschafts-Doppelzweier mit Karl Saar (RVR) und Adam Breidert (RGUR) auf der Frankfurter Regatta 1941

Im August wird das Bootshaus durch Wehrmachtsangehörige belegt.

Die 22. Frankfurter Herbst-Regatta am 14. September 1941 weist mit 500 gemeldeten Ruderern eine Rekordbesetzung auf, darunter auch Adam Breidert von der Undine, Karl Saar vom RVR und Jugendliche des RVR, die in drei Anfänger-Rennen gemeldet sind. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

Leider war das Wetter zu dieser Herbstregatta nicht besonders günstig. Am Vormittag war die Jugend des RVR dreimal am Start und konnte im Anfänger-Vierer einen dritten Platz belegen. Mit geliehenen Booten und zudem zu der schweren Klasse zugeteilt, haben die Jungen sich gut gehalten und wird es für alle ein Ansporn sein, weiterhin fleißig zu trainieren, um dann auf Regatten im nächsten Jahr siegreich bestehen zu können.

Mit dem Abschneiden der beiden Skuller in den Hauptrennen kann der Rüsselsheimer Rudersport voll zufrieden sein. Adam Breidert startete im Main-Pokal gegen seinen Hauptgegner aus Sommerregatten. Bis zwei Drittel der Rennstrecke führte Breidert teilweise bis zu zwei Längen. Durch Wellen eines entgegenkommenden Motorbootes und leichtes Versteuern verlor er seinen Vorsprung und wurde von Schmorl, der ein äußerst zäher Ruderer ist, im Ziel mit 2/10 Sekunden Vorsprung abgefangen.

Im Doppelzweier ging Germania Frankfurt mit dem diesjährigen Meisterskuller Glock, der die deutsche Meisterschaft im Riemenzweier mit Steuermann gewann, und Schmorl, dem Main-Pokal-Sieger, an den Start. Rüsselsheim, Offenbach und Kassel erschienen in ihrer alten Besetzung . Nach wiederholtem Start kamen die vier Boote vom Start und Rüsselsheim und Frankfurt  lagen nach 200 Meter Bord an Bord schon zwei Längen vor ihren anderen Gegnern. Kassel gab bei 300 Meter aussichtslos den Kampf auf. Bord an Bord mit abwechselnder Führung ging das Rennen über die Strecke. Mit 6/10 Sekunden Vorsprung siegte Frankfurt vor Rüsselsheim sehr knapp.

Im Senior-Einer hat Breidert nun seine wahre Stärke unter Beweis gestellt und schlug Seniorruderer wie Joedt-Gießen, Bergmann-Borussia Ffm. und Glock-Germania Ffm. Breidert siegte mit vier Längen, trotzdem er schon zwei Rennen hinter sich hatte. Dieser letzte schöne Erfolg gibt die Gewissheit für die kommende Rudersaison, mit sportlichen Leistungen in der Skullerklasse jetzt schon rechnen zu dürfen.

Im Hockey kann nur unter Schwierigkeiten eine Herren-, eine Damen- sowie eine Jugendmannschaft gestellt werden, die an Punktspielen der Saison 1941/42 teilnehmen. Auf der Bereichsfachwart-Sitzung des Gaues Südwest wird die 1. Herrenmannschaft des RVR der 1. Klasse zugeteilt, so dass sie die Möglichkeit hat, Bereichsmeister im Gau Südwest zu werden.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 4. Oktober 1941

Karl Saar wird für einen Gau-Vergleichskampf in die Mannschaft von Hessen-Nassau berufen.

Nachdem bereits seit längerer Zeit Gespräche zwischen dem RVR und der RG Undine bezüglich eines Zusammenschlusses der beiden Vereine geführt werden, kann der stellvertretende Vorsitzende des RVR, Joseph Grass, nunmehr die finanziellen Probleme aus dem Weg räumen: In langwierigen Verhandlungen mit der Adam Opel AG, der Nachlassverwaltung Dr. Fritz Opel und den Herren Georg und Hans von Opel können die auf dem Bootshaus lastenden Hypotheken bereinigt werden. So werden die 1. Hypothek über 25.000 Reichsmark der Herren Hans und Georg von Opel und die 2. Hypothek über 15.000 Reichsmark der Adam Opel AG gestundet. Die 3. Hypothek über 13.500 Reichsmark der Nachlassverwaltung Dr. Fritz Opel wird vollständig gelöscht.

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