Home

Allgemein

Hockey

Rudern

Tennis

Archiv Kontakt Sitemap Impressum

Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1938

In der Fastnachtszeit zu Beginn des Jahres, am 26. Februar 1938, veranstaltet die "Undine" in der Rüsselsheimer Narrhalla "Frankfurter Hof" den großen Undine-Maskenball unter dem Motto "Mondnacht auf der Alster". Dieser Maskenball der "Undine" ist in Rüsselsheim wieder eines der Ereignisse der Fastnachtszeit.

Am Tag des Rudersports, dem 24. April 1938, findet das Anrudern von "Undine" und RVR wie auch in den vergangenen Jahren gemeinsam statt.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 23. Februar 1938

Anzeige in der "Main-Spitze" am 22. April 1938

Die Ruderer der "Undine" sollen zunächst mit zwei Mannschaften im Jungmann- und Senior-Vierer in Hanau starten, doch durch Falschmeldung wird der Start verhindert. Auf der Regatta in Koblenz starten erstmals Ruderer des Rudervereins Rüsselsheim und der "Undine" in zwei Viererrennen der Seniorklasse gegeneinander. Am Samstag siegt der RVR vor der "Undine", am Sonntag wird die "Undine" Zweiter der RVR Dritter. Der Jungmann-Vierer der "Undine" kann sein Rennen gewinnen, doch der Sieg wird anschließend abgesprochen. Anschließend muss auf Starts des Jungmann-Vierers wegen einsetzender Schichtarbeit bei den Ruderern verzichtet werden.

Durch die Ergebnisse der Rennen gegeneinander in der Seniorklasse kommen sich die Sportler aus den beiden Rüsselsheimer Rudervereinen näher. Fritz Brumme, der Trainer des RVR, fasst daher den Entschluss, die besten Rüsselsheimer Ruderer zu einer Renngemeinschaft zusammenzubringen. Er nimmt Verbindung mit dem Vorstand der "Undine" auf. Dort hat man volles Verständnis für sein Vorhaben und die "Undine" stellt sofort ihre drei tüchtigsten Ruderer, Wilhelm Wolf, Ernst Müller und Adam Breidert, sowie später noch den Steuermann Philipp Wagner zur Verfügung. Nach hartem Training findet sich die neugebildete Renngemeinschaft bald zur besten Zufriedenheit aller zusammen.

Der siegreiche Seniorachter der Renngemeinschaft RVR / RGUR auf der Regatta in Gießen 1938 (Stm. Philipp Wagner, Oskar Fischer, Heinz Hummel, Hans Mietzschke, Adam Breidert, Ernst Müller, Richard Trapp, Franz Lieb, Wilhelm Wolf)

Der Rüsselsheimer Seniorachter 1938 in der Meisterschaftsbesetzung mit Wilhelm Wolf (RGUR), Franz Lieb (RVR), Heinz Hummel (RVR), Ernst Müller (RGUR), Adam Breidert (RGUR), Hans Mietzschke (RVR), Karl Schömbs (RVR), Oskar Fischer (RVR) und Stm. Philipp Wagner (RGUR)

Nach fünf Achtersiegen in Offenbach, Mainz, Würzburg und Gießen, darunter drei "Erste Achter" in Würzburg und Gießen, befindet sich die Mannschaft in blendender Verfassung und so wagt Trainer Fritz Brumme den großen Schritt, den Renngemeinschaftsachter beim Deutschen Meisterschaftsrudern am 20. und 21. August 1938 in Heilbronn zu melden. In der Geschichte des Rüsselsheimer Rudersports ist es das erste Mal, dass eine Riemenboot-Mannschaft auf der Deutschen Meisterschaft startet. Zu den beiden Rennen mit Rüsselsheimer Beteiligung schreibt das "Heilbronner Tagblatt" eine Vorschau:

"Der Glanzpunkt noch jeder Ruderregatta ist das Achterrennen gewesen – und so auch in Heilbronn, wo sich am Ablauf dieses Rennens sechs Boote einfinden werden, von denen beinahe jedes Anspruch auf Meisterehren erheben darf. Insbesondere ist man natürlich auf die Mannschaften gespannt, die im Laufe der diesjährigen Rudersaison Deutschland offiziell in Achter-Länderkämpfen vertreten haben. Achtmal war dies der Fall – sieben Begegnungen gingen siegreich für Deutschland aus! Wir werden kämpfen sehen: Amicitia Mannheim (mit dem in 1.000 Ruderschlachten erprobten Ernst Gaber im Boot, dem weitaus erfolgreichsten deutschen Ruderer!), die Dänemarks Nationalachter schlug; Germania Frankfurt, die den Holland-Achter besiegte; RK am Wannsee Berlin, Europameister von 1937 und Sieger über Italiens Nationalachter; Renngemeinschaft Wiking / TiB Berlin, neu zusammengesetzt mit einigen Olympiasiegern im Boot; Berliner Ruder-Club, Titelverteidiger vom Vorjahre, Sieger über die italienische Renngemeinschaft (im BRC-Boot sitzt übrigens der Henley-Sieger Dr. Buhtz!); Renngemeinschaft Rüsselsheim, eine hervorragende Mannschaft der zweiten Klasse, die sich nun gegen die "Großen" versuchen will... Wer hier das bessere Ende für sich haben wird, ist kaum vorauszusagen; gefühlsmäßig geben wir dem Berliner RC unsere Stimme."

Der Renngemeinschaftsachter RVR/RGUR 1938 – neun Ruderer und zwei Steuermänner (hinten: Richard Trapp (RVR), Hans Mietzschke (RVR), Ernst Müller (RGUR), Karl Schömbs (RVR), Adam Breidert (RGUR), Franz Lieb (RVR), Oskar Fischer (RVR), Wilhelm Wolf (RGUR), Heinz Hummel (RVR); vorn: Heinz Bopp (RVR), Philipp Wagner (RGUR))

Da sechs Boote zum Achterrennen gemeldet haben, müssen zwei Vorläufe ausgetragen werden. Der erste Vorlauf ist über die gesamte Strecke ein erbittertes Ringen zwischen RK am Wannsee, Amicitia Mannheim und Frankfurter Germania, das erst auf den letzten 50 Metern zugunsten des Wannsee-Achters vor Mannheim und Frankfurt entschieden wird. Das zweite Vorrennen ist das Rennen einer Mannschaft - des Berliner Ruder-Club, der als Titelverteidiger mit einer beinahe sagenhaften Überlegenheit seine ersten Ansprüche auch für dieses Jahr wieder anmeldet. Der "Club" ist nicht nur eine Zehntelsekunde schneller als der RaW – er lässt den Zweiten, die überraschend gute Rüsselsheimer Renngemeinschaft RV / RG Undine um volle zwölf Sekunden förmlich "stehen" in seinem unwiderstehlichen Endspurt. Damit sind RaW, Mannheim, BRC und Rüsselsheim in der Entscheidung. Zu diesem Rennen zitieren wir das "Heilbronner Tagblatt":

"Den Höhepunkt bildete, wie erwartet, das Achterrennen, das nach den Vorrennen des Samstags spannend wie selten zu werden versprach. Der Berliner RC, der den Meistertitel zu verteidigen hatte, rechtfertigte das Vertrauen das man auf Grund seiner besten Vorlaufzeit auf ihn gesetzt hatte, vollauf. Lagen anfangs die Mannheimer Amiciten leicht in Führung, so schob sich der "Club" bald schon nach den ersten 300 Metern leicht nach vorn, gefolgt von den Männern der SS-Leibstandarte im Achter des Ruderklubs am Wannsee. Bei 1.000 Metern schaltete der RaW einen energischen Zwischenspurt ein, der ihn in Führung brachte, aber nach weiteren 200 Metern hatte sich der Berliner Ruder-Club wieder die Spitze gesichert. Der Vorsprung von einer Viertellänge wurde von den Männern mit dem roten Stern bis zum Ziel noch auf mehr als eine Länge ausgedehnt. Im letzten Viertel der Strecke kamen überraschenderweise die Mannheimer noch auf den zweiten Platz vor dem sich verzweifelt wehrenden RaW, der um 2/10 Sekunden den Amiciten den Ehrenplatz überlassen musste. Das Boot der Renngemeinschaft Rüsselsheim hatte nie etwas zu bestellen und landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz."

1.

Berliner Ruder-Club

6:24,1 min

2.

Mannheimer Ruderverein Amicitia

6:29,7 min

3.

Ruderklub am Wannsee Berlin

6:29,9 min

4.

Renngem. Ruderverein / Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim

6:49,0 min

Somit muss sich der Achter im Endlauf hinter Berliner RC, Mannheimer RV Amicitia und RK am Wannsee Berlin in der Besetzung Wilhelm Wolf (RGUR/ 25 Jahre/ 1,73 cm/ 72 kg), Franz Lieb (RVR/ 24/1,78/ 72), Heinz Hummel (RVR/ 20/ 1,80/ 75), Ernst Müller (RGUR/ 28/ 1,88/ 82), Adam Breidert (RGUR/ 18/ 1,96/ 84), Hans Mietzschke (RVR/ 24/ 1,79/ 75), Karl Schömbs (RVR/ 24/ 1,78/ 77), Oskar Fischer (RVR/ 27/1,82/ 78) und Stm. Philipp Wagner (RGUR7 33/ 1,72/ 63) mit dem undankbaren 4. Platz begnügen.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 9. September 1938

Anzeige in der "Main-Spitze" am 30. Dezember 1938

Beschlossen wird die Rudersaison des Jahres von der "Undine" am 11. September mit dem Abrudern, verbunden mit den Vereinsmeisterschaften der Ruderer und Paddler. Bei den Ruderern wird ein Meisterschafts-Vierer, ein Alte-Herren-Vierer und ein Schüler-Vierer, außerdem zum ersten Mal in der Geschichte der "Undine" ein Damenrennen im Zweier ausgetragen. Dazwischen ermitteln die Paddler ihre Meisterschaftssieger, wobei Krier/Bender zum Doppelerfolg kommen. Abschluss der internen Regatta ist die Krone des Rudersports, der Meisterschafts-Achter, bei dem sich zwei Mannschaften bis zur 1.500-Meter Marke einen harten Kampf liefern, der dann von der 2. Mannschaft mit einer Länge gewonnen wird.

Die Mitglieder der "Undine" treffen sich am 23. Oktober in ihrem Bootshaus zur Generalversammlung des Jahres. Nach Geschäfts- und Sportberichten wird Karl Müller für ein weiteres Jahr mit der Leitung des Vereins betraut.

Am 5. November 1938 werden im RVR-Bootshaus die Rudersieger des RVR und der "Undine" des Jahres 1938 bei einer Siegesfeier geehrt. Die im Ruderjahr errungenen Siegespreise, darunter auch die der in Renngemeinschaft gewonnenen 5 Achtersiege, sind ausgestellt und nach einigen Ansprachen – darunter auch der Rudersport-Berichterstatter des Gaues Süd-West, Paul Elschner, der über die sportlichen Einzelheiten der Rüsselsheimer Erfolge und über die anfänglichen Schwierigkeiten berichtet – sowie Ehrung der erfolgreichen Ruderer ist der offizielle Teil zu Ende.

Beschlossen wird das Jahr bei der "Undine" mit einer Silvester-Tanzveranstaltung im "Frankfurter Hof".

Am Jahresende gehören zur "Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim" 129 Mitglieder: 18 Aktive, 90 Unterstützende sowie 13 männliche und 8 weibliche Jugendliche.

Welches Jahr nun? Hier klicken!!!