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Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1924

Die Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim kann im Jahr 1924 ihr fünfjähriges Jubiläum feiern.

Zu Beginn des Jahres, am 14. Januar 1924, schreibt der Vorsitzende der Rudergesellschaft Undine, Max Seifert, folgenden Brief an den Gemeinderat von Rüsselsheim:

Rüsselsheim, den 14. Januar 1924

An den wohl. Gemeinderat, Rüsselsheim a.M.

Unterzeichneter Verein erlaubt sich mit nachstehender Bitte an wohl. Gemeinderat zur geneigtesten Befürwortung heranzutreten.
Die Rudergesellschaft Undine dahier hat in ihrer am 8.1.24 stattgefundenen Vorstandssitzung den Beschluss gefasst, an wohl. Gemeinderat heranzutreten mit der Bitte um Belieferung von Holz zur Aufbesserung der Pritsche, welche zum Einsetzen der Boote dient und benötigen 25 Quadratmeter und etliche Rähmlinge 10 x 10 .
Da das Holz der Pritsche faul und morsch ist, ist es unbedingt notwendig, dass dieselbe aufgebessert werden muss. Personen, hauptsächlich Kinder, die sich im Sommer tagsüber an der Pritsche aufhalten, können dadurch leicht in Lebensgefahr kommen.
Durch Arbeitslosigkeit vieler Mitglieder ist der unterzeichnete Verein nicht in der Lage, die Kosten selbst zu tragen.
Wir richten deshalb nochmals die Bitte an den Gemeinderat, sorgen zu wollen, dass der Rudergesellschaft "Undine" (welche sich zur Aufgabe gestellt hat, innerhalb des Vereines die körperliche und geistige Ausbildung der Jugend hauptsächlich zu fördern) das gewünschte Material zur Verfügung gestellt wird, so dass zum kommenden Frühjahr unser Sportleben nicht beeinträchtigt wird.

In der Hoffnung, keine Fehlbitte getan zu haben, zeichnet mit aller Hochachtung

Rudergesellschaft "Undine" 1919 Rüsselsheim
Der Vorsitzende, Max Seifert

Der Gemeinderat beschließt in seiner Sitzung am 6. Februar 1924, dass das Gesuch der Rudergesellschaft Undine um unentgeltliche Abgabe von Holz grundsätzlich abgelehnt wird. Mit einer Spendenaktion unter den Geschäftsleuten von Rüsselsheim zur Erneuerung der Pritsche und auch zur Anschaffung eines Bootes löst die "Undine" ihr Problem.

Am 18. Mai 1924 feiert die "Undine" ihr fünfjähriges Stiftungsfest mit Bootstaufe, einer Bootsauffahrt unter Teilnahme aller zum Süddeutschen Ruderverband gehörigen Rudervereine und anschließend einer "Großen Tanzmusik" in den Lokalitäten des Hotels Adler.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 16. Mai 1924

Anzeige in der "Main-Spitze" am 28. Juni 1924

Am 29. Juni 1924 folgt ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres der "Undine", die 44. Verbandsregatta des Süddeutschen Ruderverbandes auf dem Main in Rüsselsheim. Die "Main-Spitze" gibt am 24. Juni einen Vorbericht zur Regatta:

"Am Sonntag, den 29. Juni findet die 44. Verbandsregatta des Süddeutschen Ruderverbandes zu Rüsselsheim auf dem Main statt. Zur Ausfahrt gelangen zehn Rennen:

 1. Anfänger-Vierer
 2. Begrüßungs-Vierer
 3. Junior-Vierer
 4. Jungmann-Vierer
 5. Zweiter Senior-Vierer

 6. Schüler-Vierer
 7. Erster Senior-Vierer
 8. Main-Vierer
 9. Ermunterungs-Vierer
10. Großer Achter

Den Meldungen nach verspricht die Regatta ein schönes sportliches Bild. Interessante und scharfe Rennen Bord an Bord werden zur Ausfahrt gelangen. Großes Interesse zeigt sich in den Sportkreisen für das Rennen im Großen Achter. Die Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim hat in sechs Rennen gemeldet. Hoffen und wünschen wir, dass an diesem Tage der Undine ein guter Erfolg beschieden ist. Die Preise sind im Schaufenster des Zigarrenhauses Adam Kraft ausgestellt."

Seiten aus dem Programmheft der 44. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes am 29. Juni 1924 in Rüsselsheim

Die "Undine" hat auf ihrer Regatta mit ihren drei Vierermannschaften für sechs Rennen gemeldet. Ferdinand Trunk, Jean Riegel, Karl Hense, Heinrich Oehlschläger und Stm. Max Seifert starten im Schüler-Vierer und belegen im Feld von sechs Booten im Endlauf den zweiten Platz hinter der Rudergesellschaft Nied. Im Junior-Vierer und im Main-Vierer starten für die "Undine" Georg Reinheimer, Erich Kammerer, Jakob Oswald, Karl Müller und Stm. Max Seifert, und gehen ebenfalls in beiden Rennen auf dem zweiten Platz durchs Ziel. Drei Rennen bestreitet der Vierer mit Karl Schneider, Heinrich Weber, Karl Gerbig, Ferdinand Kneipp und Stm. Josef Müller, erreicht im Anfänger-Vierer einen zweiten Platz, muss sich im Jungmann-Vierer im Vorrennen dem späteren Sieger vom Ruder-Club Raunheim beugen und siegt schließlich im Ermunterungs-Vierer vor dem Ruder-Club Nassovia 21 Hochheim. Den Großen Achter gewinnt der Mainzer Ruder-Club von 1903 vor dem Mainzer Ruder-Club "Fortuna" 1898.

Am Sonntag, den 14. September 1924 beendet die "Undine" die Rudersaison mit ihrem Abrudern. Wir zitieren die "Main-Spitze":

"Bei schönem Wetter fand am Sonntag das Abrudern der Rudergesellschaft Undine statt. Infolge äußerst reger Beteiligung der Mitglieder konnten sechs Rennen ausgefahren werden, in denen man wieder einmal die Energie und Kampfeslust der Mannschaften bewundern konnte.

Als Sieger gingen hervor:

Schüler-Vierer: Ferdinand Trunk, Martin Popp, Karl Hense, Heinrich Oehlschläger, Stm. Peter Eberle
Schüler-Herausforderungs-Vierer: Ferdinand Trunk, Martin Popp, Karl Hägele, Jean Riegel, Stm. Max Seifert
Herausforderungs-Vierer: Karl Schneider, Karl Müller, Paul Schubert, Jakob Oswald, Stm. Max Seifert
Jungmann-Vierer: Karl Schneider, Philipp Heisel, Paul Schubert, Karl Müller, Stm. Karl Hägele
Altherren-Vierer: Georg Eberle, Theodor Kaiser, Ludwig Brumme, Karl Etter, Stm. Philipp Wagner
Vereins-Vierer: Karl Hägele, Philipp Heisel, Georg Reinheimer, Jakob Oswald, Stm. Paul Schubert

Nach Beendigung des sportlichen Programms war abends im Bootshaus die Preisverteilung mit gemütlichem Beisammensein der Mitglieder mit ihren Angehörigen. So fand dieser Tag in den späten Abendstunden seinen würdigen Abschluss."

Da die Rudergesellschaft dem Süddeutschen Ruderverband und auch dem Renn- und Wanderruder-Verband angehört, nehmen Delegierte der "Undine" an dem am 11. und 12. Oktober stattfindenden 16. Außerordentlichen Rudertag des SRV in Fechenheim teil.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 12. September 1924

Anzeige in der "Main-Spitze" am 11. November 1924

Anzeige in der "Main-Spitze" am 30. Dezember 1924

Die Generalversammlung der "Undine" wird am 25. Oktober 1924 im Undine-Bootshaus abgehalten. Wir zitieren nochmals die "Main-Spitze":

"Am vergangenen Samstag fand die diesjährige, gut besuchte Generalversammlung der Rudergesellschaft Undine 1919 statt. Wie in den vergangenen Jahren, so erstattete auch diesmal der 1. Vorsitzende Max Seifert einen bis ins Kleinste fein ausgearbeiteten Jahresbericht, dem zu entnehmen ist, dass die Gesellschaft weiter gute Fortschritte macht. Aus dem Bericht des Kassierers ist zu ersehen, dass die Inflationszeit gut überstanden wurde, und der Bestand ein guter zu nennen ist.

Dem Vorstand wird Entlastung erteilt. Aus der Neuwahl gingen sämtliche alten Vorstandsmitglieder (außer dem nicht anwesenden 1. Schriftführer) wieder hervor. Sportgenosse Brumme wurde einstimmig in die Rechte des 1. Schriftführers versetzt. Der Vorstand setzt sich nun folgendermaßen zusammen: 1. Vorsitzender Max Seifert, 2. Vorsitzender Karl Müller, 1. Schriftführer Ludwig Brumme, 2. Schriftführer Walter Schaeffter, 1. Kassierer Ernst Renker, 2. Kassierer Theodor Kaiser, 1. Instruktor Josef Müller, 2. Instruktor Paul Schubert, als Materialverwalter wurde der nimmermüde Sportkollege Georg Eberle, dem hier noch ein besonderer Dank zu zollen ist, wiedergewählt. Als Beisitzer fungieren die Sportkollegen Willi Schmitt, Fritz Schadt und Otto Hüppe.

Nach Erledigung weiterer diverser Angelegenheiten dankte der 1. Vorsitzende allen Rührigen für die geleistete Arbeit und spornte hauptsächlich die Ruderer an, treu zur Flagge zu stehen und, um im nächsten Jahr erfolgreich zu sein, noch größeren Eifer an den Tag zu legen. Mit einem dreifachen, kräftigen "Hipp-Hipp-Hurra" auf den volkstümlichen Rudersport fand die Versammlung ihren Abschluss.

Wir weisen jetzt schon auf das am Samstag, den 15. November stattfindende fünfjährige Stiftungsfest hin. Der Verein hat weder Kosten noch Mühe gescheut, und ist so auf ein paar genussreiche Stunden zu rechnen."

Das Fünfte Stiftungsfest der "Undine" mit gleichzeitigem Ball steigt am 15. November 1924 im Hotel Adler. Unter Mitwirkung des Musik-Vereins, des Mainzer Humoristenpaares Fräulein Käthe Brand und Herr Bäumler (Herr Schön aus Rüsselsheim begleitet auf dem Klavier) sowie des Undine-Vergnügungsausschusses mit einer Pantomime nimmt die Veranstaltung einen "wohlgelungenen Verlauf".

Eine "Große Silvesterfeier" am Jahresende im Saal des Frankfurter Hofes beendet die Veranstaltungen der "Undine" im Jahr ihres fünfjährigen Bestehens.

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