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Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1933

Als Ausgleichssport wird bei der "Undine" neuerdings im Winter Fußball gespielt, wobei die "Undine" auch an den Verbands-Pokalspielen des Gaues Süddeutschland im Deutschen Wassersportverband teilnimmt.

Doch den karnevalistischen Aktivitäten der "Undine"-Mitglieder zu Beginn des Jahres tut dies keinen Abbruch. Wie in den vergangenen Jahren wird die "Undine" mit der "Damensitzung" und dem "Gesindeball" dem Rüsselsheimer Publikum wieder etwas ganz besonderes auf närrischem Gebiet bringen.

Zu der am 5. Februar 1933 im Römersaal des Hotels Adler stattfindenden "Damensitzung" lädt die "Undine" in der "Main-Spitze" mit Versen ein:

Damensitzung der RG Undine 1919 Rüsselsheim

Die Fastnacht kommt! Die närrische Zeit – Wochen voll Freude und Fröhlichkeit! Sind auch die Zeiten mies und schlecht – Karneval bleibt Narrenrecht!

Trotz Philister, Griesgrämer und Hetzer, trotz Pessimisten, Heimtücker und Schwätzer – die Fastnacht bleibt! Bleibt immer wertbeständig, gesunder Humor bleibt immer hochprozentig!

Und in dieser Zeit möcht' doch jeder Verein qualitativ nicht der letzte sein. Wohl gibt es hinreichend Maskenbälle, dafür ist gesorgt auf alle Fälle, doch etwas bringt kein anderer auf die Beine: "Damensitzungen" gibt es nur eine!

Und wenn am 5. Februar (zum sechsten Male) in diesem Jahr, Humor und Lachen in jeder Miene, die Damen einziehen bei der Undine, dann sind es immer wieder die "Alten", die da ihr ganzes Können entfalten, die im buntgeschmückten "Römersaal" der Narrheit errichten ein leuchtend' Fanal! "Rüsselsheim wird Garnison!", das Inserat heut' verrät es ja schon, wird da über die Bretter gehen. Wer ließe sich diesen Lokalschwank entgehen?

Zwiegespräche und Büttenreden, auch der Gesang ist stark vertreten, das Publikum singt närrische Lieder. Man hört die alten Kräfte wieder und vergisst für Stunden die Not der Zeit vor lauter Humor und Fröhlichkeit!

Am 5. Februar merkt' es Euch all', ist die Damensitzung im "Römersaal"!

Das Programm der Damensitzung ist schöner als je zuvor zusammengestellt, es wimmelt nur so von lokalen Begebenheiten, ein Witz jagt den andern, ein Abend voll Humor, Komik, Ulk und Satire. Die Sitzung wird um 8.11 Uhr mit dem Vorspiel "Wahrheit und Dichtung" von Heinrich Knopp eröffnet. In den Rollen sind Mariechen Schubert, Emmy Halkenhäuser, Kätchen Kromm, Helmine Bastian, Ella Fritz, Else Traiser und Heinrich Halkenhäuser zu sehen. Dann zieht das weibliche Komitee unter der Leitung von Sophie Zimmermann ein, ihrer kernigen Begrüßungsrede bleibt reicher Beifall nicht versagt. Es folgt mit dem Protokoll Käthchen Simon als Sekretärin. Dann steigt ein Altbekannter in die Bütt, "Der Rüsselsheimer Beobachter" Heinrich Knopp. Begleitet von den Mundharmonika-Spielern Georg Eberle, Karl Schneider, Ernst Müller und Fritz Mösinger singt und jodelt anschließend Kätchen Simon als oberbayrischer "Bua". Es folgt Urschote Heinrich Dietze mit seinen "Sieben Rüsselsheimer Schwabenstreichen", dann die Hauptnummer des Abends "Die drei weiblichen Rüsselsheimer Weltreisenden auf Fahrrädern" mit Sannchen Renker, Mariechen Schubert und Kätchen Simon – jeder Satz ein Volltreffer, dann folgen "Vertonte Neuigkeiten", ein humoristisches Potpourri, vorgetragen von Kätchen Kromm, Ella Fritz, Emmy Halkenhäuser, Loni Bastian, Helmine Bastian, Gretel Streck und Heinrich Knopp. Als Reiter des Amtsschimmels kann Heinrich Halkenhäuser wie im Vorjahr reichen Beifall ernten. Mit dem Schwank "Rüsselsheim wird Garnison" von Heinrich Knopp, einer Lokalposse mit Mädchen in Uniform und einem Küchendragoner (Kätchen Kromm, Emmy Halkenhäuser, Helmine Bastian und Gretel Streck) wird ein neuer Höhepunkt erreicht. Das erste Zwiegespräch bringt dann ein fideles Schusterpaar auf die Bühne, Theo Kaiser mit seiner besseren Hälfte Sannchen Renker. Dass Kinder und Narren die Wahrheit sagen, dafür liefern "Die beiden Schulbuben" (Theo Schmitt und Heinrich Knopp) den Beweis. Oberschote Theo Kaiser beschließt schließlich mit einem Einzelvortrag den Abend. Abschließend kann gesagt werden, die Sitzung war "Eine bunte Revue des Jahres 1932!", ein Riesenerfolg; die närrische Hofkapelle Haumann trug zum Erfolg bei, ebenfalls Hoffriseur Leonhard Schmuck

Anzeige in der "Main-Spitze" am 3. Februar 1933

Anzeige in der "Main-Spitze" am 8. Februar 1933

Sechs Tage nach der Damensitzung veranstaltet die "Undine" am 11. Februar 1933 ihren "Großen Preis-Gesindeball" in allen Räumen des Hotels Adler. Die originellsten Gesindetypen und die originellsten Phantasiemasken werden prämiert. Unter den närrischen Tanzweisen der Kapelle Haumann ergibt sich ein buntbewegtes Bild, ein fröhliches Maskentreiben.

Die Ruderer bereiten sich natürlich auch in den Wintermonaten auf die Regattasaison vor. Mitte April schreibt die "Main-Spitze" einen Vorbericht auf die anstehende Regattasaison bei der "Undine":

Vom Rudern bei der RG Undine

Es ist eine altbekannte Tatsache, sobald es die vorgerückte Jahreszeit und die Wasserverhältnisse gestatten, kann den Ruderer oder Paddler nichts mehr von der Ausübung  seines Sportes abhalten. Das Wintertraining hat bereits sein Ende gefunden und die aktiven Ruderer der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim bereiten sich schon seit einiger Zeit durch Waldläufe und Beckenrudern für die in einigen Tagen beginnenden Übungsfahrten vor. In und außerhalb des Bootshauses der Undine sieht man geschäftige Mitglieder beim Hämmern, Hobeln und Lackieren; die Paddler überholen ihre Paddelboote und die Ruderer treffen die letzten Vorbereitungen für die kommende Saison, denn zu ihrem Beginn muss alles in Ordnung sein, um sich dann ungestört seinem Sport zuwenden zu können.

Als Auftakt der diesjährigen Saison werden die hiesigen und benachbarten Rudervereine wieder ein gemeinschaftliches Anrudern veranstalten und dann werden die einzelnen Mannschaften täglich im Vierer oder Achter für die kommenden Regatten trainieren. Die hiesige Rudergesellschaft Undine beabsichtigt, in diesem Jahr an folgenden Regatten teilzunehmen: Kurzstreckenregatta in Fechenheim, die Regatten in Frankfurt und Offenbach und die Meisterschaftsregatta in Mainz. Mögen sich daher die aktiven Ruderer recht zahlreich an der demnächst stattfindenden Trainingsverpflichtung beteiligen. Hoffentlich werden die in der letzten Monatsversammlung des Vereins beschlossenen Werbemonate, die übrigens eintrittsfrei sind, dem volkstümlichen Rudersport neue Freunde zuführen.

Das traditionelle Anrudern als Auftakt der Rudersaison wird 1933 als gemeinsame Veranstaltung der fünf Nachbarvereine Ruderverein Rüsselsheim, Flörsheimer Ruderverein 1908, Ruder-Club 1920 Raunheim, Hochheimer Ruder-Verein 1921 und Rudergesellschaft Undine 1919 aufgezogen. Nicht gerade vom Wetter begünstigt, Regenschauer und ein heftiger Wind mit tüchtigem Wellengang machen den Main zu einem nicht gerade idealen Aufenthaltsort für Sportboote, findet sich eine stattliche Anzahl von Booten, auch die Damenabteilungen haben sich nicht abschrecken lassen, zur Bootsauffahrt ein, um an den allerdings recht spärlich erschienenen Zuschauern vorbeizuziehen. Anschließend treffen sich die Ruderer und Paddler der Nachbarvereine im Bootshaus des Rudervereins Rüsselsheim, der 1933 sein 25jähriges Jubiläum feiert. Beschlossen wird der Tag durch die Trainingsverpflichtung der aktiven Ruderer.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 6. Mai 1933 anlässlich des Anruderns und Anpaddelns der Nachbarvereine von Rüsselsheim, Flörsheim, Raunheim und Hochheim

Im Jahr 1933 kommt es zum Stillstand in der sportlichen Entwicklung der Ruderer in der "Undine", da die Zahl der sich verpflichtenden Ruderer durch anderweitige Inanspruchnahme, aber auch durch unregelmäßige Arbeitszeiten (Schichtarbeit), stark zurückgeht. Dagegen ist die Entwicklung der Schülerabteilung erfreulich, so dass bis zur letzten Regatta mit einer rennfähigen Mannschaft gerechnet werden kann. Auch die Paddelabteilung hat sich vergrößert, so dass sich die im Jahr 1932 errichtete Paddelhalle schon als zu klein erweist.

Am 21. Mai 1933 werden die Meisterschafts-Endspiele des Gaues Süddeutschland im Deutschen Wassersportverband (DWV) auf dem Rüsselsheimer Hockeyplatz am Sommerdamm ausgetragen. Im Handball schlägt Fortuna Mainz den RV Freiheit Mühlheim mit 8:2 und im Fußball verliert Germania Kastel gegen Vorwärts Offenbach mit 0:3.

Die "Gleichschaltung" aller Vereinigungen unter den Ende Januar 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten gilt auch für den Vereinssport, so dass die "Undine" Ende Mai eine außerordentliche Hauptversammlung einberuft. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

Gleichschaltung auch bei der RG Undine Rüsselsheim

Nachdem der DWV bereits seit einigen Wochen die Gleichschaltung seines Verbandes vornahm, nahm die Rudergesellschaft Undine auf Anweisung des Verbandsführers die Gleichschaltung in einer eigens hierzu abgehaltenen außerordentlichen Hauptversammlung vor. Der 1. Vorsitzende wies eingangs seiner Ausführungen  auf den Zweck und Sinn der Gleichschaltung hin und brachte zum Ausdruck, dass die Satzungen des DWV in vielen wesentlichen Punkten, besonders in der Volkstümlichkeit des Ruderns, mit den Bestimmungen und den neuen Verfügungen über Sport und Körperpflege parallel laufen.

Alsdann gab der 1. Kassierer den Kassenbericht, der auch diesmal als recht gut bezeichnet werden konnte. Anschließend nahm die Versammlung einen Bericht ihres 1. Vorsitzenden von der Gau-Ausschusssitzung entgegen und schritt dann zum Hauptpunkt der Tagesordnung: Gleichschaltung des Vereins und Neubesetzung des Vorstandes. Zum Führer wurde Herr Paul Schubert einstimmig bestimmt. Herr Paul Schubert nahm das Amt als 1. Führer an und dankte der Versammlung für das Vertrauen, das sie seiner Person entgegengebracht habe. Ferner dankte er den scheidenden Vorstandsmitgliedern für ihre vorbildliche Arbeit, die sie in den letzten Jahren geleistet haben. Weiterhin machte er darauf aufmerksam, dass nach den neuen Bestimmungen der Führer seine Mitarbeiter selbst bestimmt. Herr Schubert bestellte folgende Herren: 2. Führer Peter Eberle, 1. Schriftführer Walter Schaeffter, 2. Schriftführer Curt Burghardt, 1. Kassierer Willi Kammerer, 2. Kassierer Rudolf Wagner. Der Führer erklärte, dass er hinter der nationalen Bewegung stehe.

Zum Schluss entstand eine lebhafte Debatte über die Paddlerabteilung. Mit vielen Lehren und Worten, die seither in dieser Angelegenheit geführt wurden, soll es jetzt ein Ende haben, entweder muss man sich der Ordnung und den Satzungen des Vereins fügen, oder man muss die Folgen tragen. Mit dem Motto "Vorwärts immer, rückwärts nimmer, alles für den volkstümlichen Rudersport!" schloss der Führer die sehr gut besuchte Versammlung."

Anlässlich des "Festes der Jugend" versammelt die "Undine" am 25. Juni 1933 ihre Schülerabteilung am Bootshaus zu einer schlichten Feier. Der 1. Vorsitzende, Paul Schubert, erläutert die Bedeutung des Tages für die deutsche Jugend und betont, dass durch Sport und Spiel die Lebensfreude gehoben werden müsse, um sie dadurch zu Kameradschaft, Disziplin, Treue und Mannhaftigkeit zu erziehen. Anschließend verliest er folgenden vom DWV veröffentlichten Aufruf:

"Deutsche Sportkameraden! Die Reichsregierung hat aufgerufen, das Fest der Jugend zu begehen. Überall überstrahlt der Widerschein der zu den Sternen emporlodernden Feuer der Heimaterde, überall rauschen unsere Wälder ihre geheimnisvolle Melodie von der Allmacht der Natur, überall flüstert uns das Plätschern der Wellen unserer Ströme, die in jahrzehntelangem Lauf durch die deutschen Gaue ziehen und ihre Wogen ins unendliche Meer der Ewigkeit tragen, ihr Mahnwort zu: "Was Ihr ererbt von Euren Vätern habt, erwerbt es, um es zu besitzen." Und heute steht unsere deutsche Jugend vor dem Altar der Nation, um zu bekennen, dass sie als die Stützen des werdenden Staates den Geist unserer Ahnen in sich aufnehmen, dass sie mit der gleichen Treue und Mannhaftigkeit wie unsere Altvorderen Körper und Geist stählen wollen im ehernen Wettkampf, wie einst die germanischen Jünglinge taten, um Schmiede an einem glücklichen Schicksal unseres deutschen Vaterlandes zu werden. Natur und Heimat, Volk und Vaterland verschmelzen in uns zu einem einzigen Begriff. Deutsche Geschichte wird in uns lebendig und aus den Flammen der Feuer, die von den Häusern der Berge und aus den Gründen der Täler zum Nachthimmel flackern, steigt unser Bekenntnis zur Opferbereitschaft für Heimaterde und Vaterland. Und wenn der Herr Reichsminister des Innern in seinem Aufruf sagt - "Der Mannschaftssport ist geeignet, der Charakterbildung und der seelischen Erziehung der Jugend zu dienen. Die deutschen Mannestugenden werden gepflegt, Kameradschaft, Disziplin, Treue und Mannhaftigkeit werden geübt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird geweckt. Der Deutsche fühlt sich als Glied seines Volkes." – So trifft das wohl kaum auf einen anderen Sport in so hohem Maße zu wie auf unseren Wassersport, wo Kameradschaft und Disziplin, Opferwille und Gemeinschaftssinn die allererste Voraussetzung für den Erfolg bilden, ohne die auch die beste Absicht schon von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Kampf soll unsere Losung heißen, bis auch der letzte unserer Volksgenossen sich durchgerungen hat, dass auch er ein Teil ist jener großen Volksgemeinschaft, die ihren Platz an der Sonne nur erobern kann, wenn sie sich frei von jeder inneren Zerrissenheit, einig im Wollen und Handeln zusammenfindet. Schaffen wir von diesen Ideen durchdrungen, dann leben wir, dann lebt unser Volk, dann lebt Deutschland!"

Die einzige Verbandsregatta, die die aktiven Ruderer der "Undine" im Jahr 1933 besuchen, ist am 12. und 13. August die vom Mainzer RC von 1903 veranstaltete Meisterschaftsregatta des Gaues Süddeutschland im DWV auf dem Mainzer Floßhafen. Ausgeschrieben sind neben den vier Meisterschaftsrennen noch 34 Rennen für Ruderer und Paddler, von denen aber nur 22 zustande kommen. Gemeldet haben 16 Vereine mit 97 Booten und 425 Ruderern und Paddlern. Die "Undine" hat zum Begrüßungs-Vierer gemeldet, wo Vorrennen zu fahren sind, außerdem zum Schüler-Vierer, zum Zweiten Senior-Vierer und zum Schüler-Achter, der jedoch mangels eines Gegners ausfällt. Lassen wir zum Verlauf der Meisterschaftsregatta die "Main-Spitze" berichten:

RG Undine auf der Meisterschaftsregatta im Mainz

Als am Samstag, dem ersten Tag der Meisterschaftsregatta des Deutschen Wassersportverbandes, im Mainzer Floßhafen die ersten Rennen vom Start gingen, herrschte ein starker Windsturm, der mancher Mannschaft, die keinen besonders langen Schlag und Arbeit gewohnt war, sehr von Nachteil war. Erst gegen Ende des ersten Regattatages legte sich das stürmische Wetter und machte besonders am zweiten Tag einem ausgezeichneten Regattawetter Platz, und man sah recht guten Sport.

Die hiesige Rudergesellschaft Undine hatte zu dieser Regatta folgende drei Rennen gemeldet: Begrüßungs-Vierer, Zweiten Senior-Vierer und Schüler-Vierer, wovon sie den Begrüßungs-Vierer verloren geben musste, dagegen aber den Zweiten Senior-Vierer und den Schüler-Vierer gewann. Das verloren gegangenen Finale des Begrüßungs-Vierer-Rennens hätte trotz des stürmischen Wetters etwas günstiger ausgehen können, wenn die Mannschaft in diesem Rennen den im Zweiten Senior-Vierer aufgebrachten Kampfgeist gezeigt hätte. So übernahm gleich nach dem Start WSV Schierstein die Führung und behielt dieselbe, während die übrigen drei Boote sich über die ersten 1.000 Meter einen erbitterten Kampf lieferten. Die Boote liefen wie folgt ein: 1. WSV Schierstein 8:10 min, 2. Mainzer RC Fortuna 8:36 min, 3. Fechenheimer RG 1910 8:36 min, 4. RG Undine Rüsselsheim.

Zum ersten Male am Start gelegen und gleich gewonnen haben die Schüler der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim. Aus dem Rennen, das ziemlich geschlossen über die Strecke ging, ruderten die Schüler mit ruhigen kräftigen Schlägen einen Vorsprung heraus, den sie bis zum Ziel auf zwei Längen vergrößern konnten. Leider musste dieses Rennen infolge Protestes wiederholt werden, und die Schüler konnten sich auch zum zweiten Male den Sieg überzeugend sichern. Während die anderen Mannschaften um die Plätze kämpften, liefen die Boote wie folgt durchs Ziel: 1. RG Undine Rüsselsheim, 2. WSV Offenbach-Bürgel, 3. RG Borussia Frankfurt, 4. RV Freiheit Mühlheim. Offenbacher RuSV 1906 gab das Rennen auf. Die siegende Schülermannschaft: Ludwig Jourdan, Heinz Traß, Georg Bastian, Adolf Leichtfuß am Schlag und am Steuer Philipp Wagner.

Bei dem kurz darauf zur Ausfahrt gelangenden Senior-Vierer bestand bei den Regattabesuchern der Undine wenig Hoffnung, da die Mannschaft in letzter Zeit viel Formschwankungen aufzuweisen hatte. – Doch getäuscht. – Der Lautsprecher meldete, dass die Boote gut vom Start gekommen sind – die Undine-Mannschaft liegt etwas zurück – und erkämpft sich bei 700 Meter die Führung und lässt die sie immer wieder anstürmende Offenbacher Germania nicht mehr aufkommen und gewinnt so ihr Rennen mit der Zeit von 7:03 Minuten. 2. Boot Offenbacher RC Germania 7:11 min, 3. Boot RV Freiheit Mühlheim 7:12 min. Die siegende Mannschaft: Wilhelm Wolf, Ernst Müller, Otto Hauck, Martin Popp und am Steuer Philipp Wagner.

Die Rudergesellschaft Undine, die bei ihrer diesjährigen Mannschaftszusammenstellung sehr unter den Arbeitszeitverhältnissen, welche allerdings vor dem Sport kommen, zu leiden hatte, kann mit diesen Erfolgen zufrieden sein. Und mögen sich diese Erfolge insbesondere auf die wassersportinteressierte Jugend auswirken und der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim neuen Nachwuchs bringen.

Am 17. September 1933 veranstaltet die "Undine" bei herrlichem Wetter ihr Abrudern verbunden mit einer Vereinsregatta. Der Regatta voraus geht am Vormittag ein Mehrsport-Wettkampf der Jugend der "Undine". Im Vierkampf (Handgranatenwerfen, Laufen, Weitsprung und Kugelstoßen) siegt in der Gruppe über 11 Jahre Breidert und in der unter 11 Jahre Schad. Bei der nachmittags stattfindenden Vereinsregatta siegen im Vereinsmeisterschafts-Vierer Wilhelm Wolf, Willi Allgaier, Heinrich Hauschild, Heinrich Oehlschläger und Stm. Josef Müller. Den Schüler-Vierer holen sich Ebenhöh, Heinz Traß, Georg Bastian, Adam Karn und Stm. Josef Müller mit gut zwei Längen. Ein schönes Rennen ist der Paddel-Zweier, wo die Boote in kurzen Abständen das Ziel passieren, als Erste Otto Wörn und L. Richter. Im Alte-Herren-Vierer kommt das siegende Boot erst im Endspurt nach vorne, es sind Philipp Eberle, Heinrich Oehlschläger, Paul Schubert, Karl Müller und Stm. Georg Reinheimer. Jedoch das interessanteste und schärfste Rennen des Tages ist der Vereinsmeisterschafts-Achter, bei dem sich drei Boote über die ganze Strecke einen erbitterten Kampf liefern, den erst kurz vor dem Ziel die Mannschaft mit Heinrich Hauschild, Adolf Leichtfuß, Georg Reinheimer, Schmucker, Hugo Martin, Adam Karn, Wilhelm Wolf, Ernst Müller und Stm. Philipp Wagner knapp für sich entscheidet. Am Abend findet im Gasthaus "Zum Löwen" noch eine gemütliche Feier mit Siegerehrung statt.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 16. September 1933
anlässlich des Abruderns mit Vereinsregatta

Anzeige in der "Main-Spitze" am 23. Dezember 1933
anlässlich der Weihnachtsfeier

Anzeige in der "Main-Spitze" am 30. Dezember 1933
anlässlich des Silvesterballs

Drei Wochen später, am 8. Oktober 1933, beteiligt sich die "Undine" an den 25-jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten des Flörsheimer Rudervereins 1908. Zum Auftakt wird zwischen benachbarten und auch auswärtigen Vereinen ein Ruderwettkampf ausgetragen. Erstmals nach dem Zusammenschluss der deutschen Ruderverbände startet die "Undine" im neuen "Deutschen Ruderverband" und meldet je eine Mannschaft in Gastvierer und Gastachter. Während im Vierer der Hochheimer Ruder-Verein in 5:00 min siegt vor der Offenbacher RG Undine (5:02), dem Ruderverein Rüsselsheim (5:05) und der "Undine" (5:12), kann die Achtermannschaft der "Undine" mit Heinrich Hauschild, Hermann Müller, Hugo Martin, Heinrich Oehlschläger, Georg Böhm, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Martin Popp und Stm. Philipp Wagner sich den Sieg im Gastachter holen. Drei Achtermannschaften – Ruderverein Rüsselsheim, Offenbacher RG Undine und RG Undine Rüsselsheim – gehen bei bewegtem Wasser vom Start. RVR übernimmt die Führung, RGUR holt auf, überholt RVR, während Offenbacher Undine wegen Zerreißens einer Dollenkordel aufgeben muß. RGUR führt nun mit einer Länge, aber der RVR-Achter gibt sich noch nicht geschlagen und kommt im Endspurt stark auf. Ergebnis: 1. RG Undine Rüsselsheim 4:10 min, 2. RV Rüsselsheim 4:12 min.

Am 7. Oktober 1933 hält die "Undine" in ihrem Bootshaus die ordentliche Hauptversammlung des Jahres ab. Wie die Berichte zeigen, kann die "Undine" mit dem Geleisteten zufrieden sein. Auch die Mitgliederzahl hat sich erhöht. Nur in sportlicher Sicht machte die Zusammensetzung der Mannschaften in der Saison wegen der Schichtarbeit Probleme, so dass nur auf der Regatta in Mainz zwei Rennen und bei der Jubiläumsveranstaltung in Flörsheim der Gastachter gewonnen werden konnten. Anschließend erfolgt die einstimmige Wiederwahl des 1. Vereinsführers Paul Schubert, der dann Karl Müller zum 2. Vereinsführer, Curt Burghardt zum Schriftführer, Willi Kammerer zum Kassierer und Josef Müller zum Ruderwart bestimmt.

Die gesellschaftlichen Veranstaltungen des Jahres bei der "Undine" enden mit einer Weihnachtsfeier im Gasthaus "Zum Löwen" und mit einer Silvesterfeier im "Frankfurter Hof".

Ende des Jahres 1933 hat die "Undine" 111 Mitglieder – 1 Ehrenmitglied, 20 Aktive und 90 Unterstützende – sowie zusätzlich 17 Schüler. Der Bootspark der "Undine" besteht aus zwei Rennachtern, zwei Rennvierern und drei gedeckten Gig-Vierern.

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