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Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1930

"Alt-Heidelberg, du feine, – Du Stadt an Ehren reich. – Am Neckar und am Rheine – Kein' andre kommt dir gleich." Alt-Heidelberg hat es der Rudergesellschaft Undine angetan, ihren großen Preis-Maskenball am 8. Februar 1930 im Hotel Adler im Zeichen der berühmten "Alma mater" zu feiern.

Anzeige in der "Main-Spitze" am Dienstag, den 4. Februar 1930

Maskenball der "Undine" im Jahr 1930, Motto "Alt-Heidelberg" (Marie Reinheimer, Marie Schubert, Klara Müller, Marie Seifert, Gretel Schaab, Käthchen Müller, Kätchen Simon, Emilie Bingel, Sophie Zimmermann)

Und schon eine Woche später, am 16. Februar 1930, veranstalten die Damen der "Undine", so wie in den vergangenen Jahren, nun zum dritten Mal ihre allseits beliebte Damensitzung. Die große Anhängerzahl beweist, wie groß das Interesse ist, ein Lied, ein Zwiegespräch, einen humorvollen Vortrag oder die Neuigkeiten des Jahres in Rüsselsheimer Mundart zu hören. Darum heißt die Parole: "Auf zur Damensitzung der Rudergesellschaft Undine unter dem Motto: Frohsinn macht reich."

Nach dem Eröffnungsspiel und dem Einzug des Elferkomitees begrüßt Prinzessin Karneval, Sophie Zimmermann, ihre närrischen Untertanen. Es folgt das von Adam Kühn verfasste und von der Sekretärin, Käthchen Simon, verlesene närrische Protokoll, von dem hier einige Verse wiedergegeben werden:

"Do seht Ihr also, liewe Leit, was Narretei for Bliete treibt. So gehts de Sophie net alloa, so gehts im Reich, im Staat unn de Gemoa.
Is des net Narrheit, frog ich Eich, hot mer dann Geld zuviel im Reich? Jetzt werd de Bahnhof nei gemacht, werd hergericht, es is e` Pracht.
Unn wann er fertig is, `s werd mancher wisse, do werd er widder abgerisse, unn werd wo annerst hiegestellt, ans Schützehaus, ins freie Feld.

Die Narretei verschonet net selbst unser Ruderschar, ihr Rennerfolg war arig mau in dem vergangene Jahr.
Oa Renne hawe se gemacht, unn des war ziemlich spärlich, mir hatte mehr vunn Eich erwart, des sage mer ganz ehrlich.
E anner Mol, do sinn se fort, mer hätt uff Sieg geschworn, doch hawe se, anstatt gesiegt, um Zigarläng verlorn.
Ei hätt Ihr doch vorn an dem Boot e` Zigar oangebunne, die Arweit hätt sich jo gelohnt, des Rennen wer gewunne.

Do fällt mer en Gedanke ei, e` Sorg, die duht mich plage, drum will ich Eich, bevor ich geh, schnell noch ebbes sage.
Die Großstädt hawe allgemein die Eingemeindungswut, des goldne Meenz, des hat jetzt schunn die Moaspitz unnerm Hut.
Die Zeit is wohl net mehr so fern, wo Meenz aach kimmt hierher, unn sagt, gebt eier Risselsem zur Eingemeindung her.
Ich moan, unser Gemeinderat, soll sich des iwerlege, ob so en Schritt for unsern Ort aach werklich is zum Seege.
Vunn großem Nutze wer des net, was Meenz hat, ham mer aach, wie schee sinn unser Straße schunn mit ihrm Asphaltbelag.
Mir hawe Wasser, Gas, elektrisch Licht, en Park unn aach en Wald, e Strandbad hawe mer, wanns haaß, e Rodelbahn wanns kalt.
Mir hawe Omnibusverkehr unn Abfuhr vunn dem Dreck, de Borjemoaster hat gesorgt, daß alles hat en Zweck.
Was mer net hawe, grien mer noch, unn des vielleicht ganz bald, unn oans, des hawe die Meenzer net, en Opel, der bezahlt."

Fastnachtsitzung der Undine-Damen im Jahr 1930 (Frl. Eberle, Frau Wolf, Gretel Schaab, Frau Kropp, Kätha Streck, Kätchen Müller, Käthchen Simon, Sophie Zimmermann, Marie Schubert, Käthe Renker, Frau Kromm, Frau Wagner, Frau Karbach, ...)

Doch nicht nur Fasching wird in der "Undine" gefeiert, die Ruderer bereiten sich schon auf die kommende Rudersaison vor. Am 24. April 1930 veröffentlicht die "Undine" in der "Main-Spitze" folgenden Aufruf:

"Der Frühling ist da, und mit ihm kommt für die Wassersportvereine auch wieder die Zeit, sich vorzubereiten und zu rüsten für die Ereignisse der kommenden Saison. Die Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim ist es, die heute an alle Freunde einer gesunden Wassersportbetätigung, an alle vom edlen Rudersport Begeisterten den Ruf und die Bitte richtet: Kommt zu uns, helft und unterstützt uns in unserem Bestreben, dem Rudern auch in unseren Kreisen immer mehr Eingang zu verschaffen, den Rudersport zu dem zu machen, was er nicht etwa aus traditioneller Ursache, sondern auf Grund seiner doch nur der körperlichen Ertüchtigung dienenden Ausübungsart längst sein müsste: Zum wahren Volkssport! Vorurteilfrei, ohne Unterschied in Rang und Stand, alle seid Ihr uns willkommen. Und besonders Euch gilt diese Bitte, Euch Eltern der bereits entlassenen Schuljugend: Vertraut uns Eure Söhne an, schickt sie zu unserem jetzt wieder beginnenden Frühjahrstraining, lasst sie Mitglieder unseres Vereins werden. Wir betreuen sie, wir überwachen sie, wir lassen sie teilnehmen an Spiel und Sport. Wir Ruderer betreiben nicht etwa nur einseitige Sportbetätigung, wir züchten keine sogenannten "Kanonen", aber brauchbare, tüchtige Menschen sollen sie in unserer Mitte werden, mit Selbstzucht, Willenskraft, Strenge gegen sich selbst, ihre Gesundheit sollen sie fördern, ihre Muskeln sollen sie stählen in freier Gottesnatur. Und deshalb helft mit an unserem Ziel, an der Verwirklichung unseres Sportgedankens: Rudern muss Volkssport, muss Allgemeinsport werden!"

"Undine"-Männer auf ihrer Karfreitag-Tour im Jahr 1930 nach Wicker

"Undine"-Männer auf ihrem Ausflug im Jahr 1930 zur Unterschweinstiege

Einige Tage später, am 4. Mai 1930, gestalten die Rudervereine von Rüsselsheim, Flörsheim und Raunheim ihr Anrudern wieder gemeinsam mit einer Bootsauffahrt. Anschließend treffen sich die Ruderer im RVR-Bootshaus, wo der bekannte Sport-Schriftsteller Paul Elschner einen Vortrag über Wassersport und Rudertechnik hält.

Anzeige in der "Main-Spitze" am Dienstag, den 3. Mai 1930

"Undine"-Ruderer an ihrem Bootshaus im Jahr 1930 (oben: Philipp Eberle; davor: Karl Schneider, Ferdinand Ullrich, Trainer und Ruderer Philipp Wagner, Hermann Müller; davor: Rudolf Wagner, Ernst Müller, Heinrich Pflug, Martin Popp; vorn: Heinrich Wagner, Jakob Wolf)

Sieben Wochen nach dem Anrudern findet am 21./22. Juni 1930 die erste diesjährige Regatta des im Jahr 1930 auf ein 25jähriges Bestehen zurückblickenden Süddeutschen Ruderverbandes in Frankfurt auf der Regattastrecke an der Gerbermühle statt. 21 Vereine mit 74 Booten und 388 Ruderern haben zu den ausgeschriebenen 22 Rennen gemeldet. Die "Undine" hat zu vier Rennen gemeldet, zum Ersten und Zweiten Jungmann-Vierer, zum Schüler-Vierer und zum Jungmann-Achter. Während man im Ersten Jungmann-Vierer nicht den Endlauf erreichen kann, belegt man im Zweiten Jungmann-Vierer den dritten Platz. Im Jungmann-Achter beteiligen sich neun Mannschaften an den Vorrennen, die "Undine" erreicht mit Amicitia und Borussia Frankfurt den Endlauf, den Amicitia Frankfurt in 7:01,4 min vor Borussia Frankfurt in 7:03,8 min und der "Undine" in 7:05,0 min für sich entscheidet. Erfolgreichste Mannschaft der "Undine" ist jedoch der Schüler-Vierer, der mit Heinrich Pflug, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Jakob Wolf und Stm. Josef Müller sein Rennen und damit den bereits in den Jahren 1923 und 1925 von der "Undine" gewonnenen Wanderpreis, gestiftet von Karl von der Emden, im Vier-Boote-Feld mit mehreren Längen Vorsprung klar gewinnt.

Jungmann-Vierer der "Undine" auf der Gießener Regatta 1930 (Heinrich Wagner, Hermann Müller, Heinrich Wolf, Heinrich Hanstein und Stm. Philipp Wagner)

Drei Wochen später bei der zweiten Verbandsregatta in Offenbach pausiert die "Undine" und startet erst wieder am 26./27. Juli in Gießen. Die Schüler der "Undine" zeigen hier, dass sie keinen Gegner zu fürchten brauchen. Im Schüler-Vierer siegt die gleiche Mannschaft wie in Frankfurt klar vor Germania Offenbach und Hellas Gießen und im Schüler-Achter siegen für die "Undine" Rudolf Wagner, Ernst Müller, Hugo Martin, Willi Allgaier, Heinrich Pflug, Julius Kammerer, Wilhelm Wolf, Jakob Wolf und Stm. Josef Müller mit zehn Sekunden Vorsprung vor Germania Offenbach.

Im Endlauf des Jungmann-Achters auf der Frankfurter Regatta 1930 muss sich die "Undine" mit dem dritten Platz begnügen

Am 6. August 1930 wird der Verein in das Vereinsregister Nr. 61 beim Hessischen Amtsgericht Groß-Gerau eingetragen.

Letzte Regatta der Saison im Süddeutschen Ruderverband ist die Meisterschaftsregatta am 9./10. August 1930 auf dem Floßhafen in Mainz. Zu den Erfolgen der "Undine" zitieren wir die "Main-Spitze":

"Auf der Meisterschaftsregatta am 9. und 10. August in Mainz mussten die Schüler ihre Favoritenstellung gegen außerordentlich schwere Gegner verteidigen, was ihnen auch unter dem Jubel der zahlreich in Mainz anwesenden Mitglieder der Undine und deren Anhänger mit gutem Erfolg gelang. Wieder konnten zwei Siege im Schüler-Vierer und Schüler-Achter verbucht werden.

Aber auch die Jungmannen, die leider nur auf dieser letzten Regatta gemeldet werden konnten, wollten sich nicht von ihren jüngeren Sportskameraden beschämen lassen und gaben ihr Letztes her, um den Sieg im Ersten Jungmann-Vierer davonzutragen. Nach einem scharfen Kampf gegen gute Städteklassen wurde der dritte Sieg für die Rudergesellschaft Undine gebucht. Das siegende Boot fuhr in der Besetzung: Heinrich Wagner, Hermann Müller, Heinrich Wolf, Heinrich Hanstein und Stm. Philipp Wagner.

Schlachtenbummler der "Undine" auf der Meisterschafts-Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes am 9./10. August 1930 in Mainz auf dem Floßhafen

Erfolgreicher Schülerachter der "Undine" im Jahr 1930 (hinten: Hugo Martin, Julius Kammerer, Ernst Müller, Wilhelm Wolf; vorn: Rudolf Wagner, Jakob Wolf, Heinrich Pflug, Willi Allgaier)

Der Jungmann-Achter ging in der Besetzung mit Heinrich Wagner, Hermann Müller, Philipp Wagner, Martin Popp, Otto Hauck, Ferdinand Ullrich, Heinrich Wolf, Heinrich Hanstein und Stm. Josef Müller nach hartem Bord-an-Bord-Kampf gegen Vorwärts Offenbach mit knapper Luftkastenlänge verloren. Die Mannschaften entsprachen voll und ganz den Erwartungen, die die Ruderleitung in sie gesetzt hatte und sie braucht, da die Mannschaften in der nächsten Saison in gleicher Besetzung fahren, für die Zukunft nicht besorgt zu sein.

Um nun den Ruderern Gelegenheit zu geben, ihre Kräfte unter sich zu messen, hat die Vereinsleitung beschlossen, am 21. September eine Vereinsregatta zu veranstalten, auf die wir bereits heute schon hinweisen. Auf einer Strecke von 1.500 Metern gelangen fünf Rennen zum Austrag, und zwar vier Vierer- und ein Achter-Rennen, Für den Vereins-Vierer haben sich die Auswahlmannschaften zur Verfügung gestellt und sind der Begeisterung nach recht interessante Wettkämpfe zu erwarten."

Der Schülervierer der "Undine" (vorn)  gewinnt auf der Mainzer Regatta 1930 sein Rennen (Heinrich Pflug, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Jakob Wolf, Stm. Josef Müller)

Der Jungmann-Vierer der "Undine" siegt im Mainz mit Heinrich Wagner, Hermann Müller, Heinrich Wolf, Heinrich Hanstein und Stm. Philipp Wagner

Der Jungmann-Achter der "Undine" verliert in Mainz gegen Vorwärts Offenbach

Nach dem Ende der Rudersaison hält die "Undine" am 4. Oktober 1930 ihre Generalversammlung des Jahres ab. Der 1. Vorsitzende, Max Seifert, läßt das vergangene Jahr, das er trotz der Wirtschaftskrise als gut bezeichnet, nochmals Revue passieren, er erinnert an Damensitzung und Maskenball sowie an sechs Siege und viele gute Plätze der Ruderer. Nach Kassen- und Sportbericht vor der Neuwahl des Vorstandes erklärt Max Seifert (seit 1923 1. Vorsitzender der "Undine"), daß er infolge privater Arbeitsüberlastung den Vorsitz in der "Undine" nicht mehr ausüben kann. Anschließend wird folgender Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Paul Schubert, 2. Vorsitzender Adam Simon, 1. Schriftführer Adam Dörsam, 2. Schriftführer Walter Schaeffter, 1. Kassierer Karl Müller, 2. Kassierer Rudolf Wagner, 1. Instruktor Josef Müller, 2. Instruktor Adam Reinheimer, Jugendfahrwart Peter Eberle, 1. Materialverwalter Georg Eberle, 2. Materialverwalter Hermann Müller, Beisitzer Karl Schneider und Otto Hauck.

Auf dem Rudertag des Süddeutschen Ruderverbandes Mitte Oktober in Mannheim wird der Anschluss des SRV an den als Reichsverband geltenden Deutschen Wassersportverband beschlossen. Die Abhaltung des SRV-Rudertages 1931 wird der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim übertragen. Das amtliche Organ des SRV, "Der volkstümliche Rudersport", gibt einen sportlichen Rückblick auf das Jahr 1930 und schreibt zur "Undine" aus Rüsselsheim:

"Der Verein der besten Schüler! Bei Rüsselsheim schon fast Tradition. Kräftige Jungens, arbeiten sie mit einer draufgängerischen Manier, die Freude macht. Auch der in Mainz gestartete Jungmann-Achter zeigte Willen, Ehrgeiz, harte raumgreifende Wasserarbeit. Aber die große Einheit, die Gleichmäßigkeit der Gesamtarbeit fehlte, die Kräfte arbeiten verzettelt. Im Vierer stand die Partie etwas besser, doch auch diese Mannschaft konnte nicht an die Präzision der Schüler reichen."

In der Punktwertungstabelle des SRV über die sportlichen Erfolge der Vereine im Jahr 1930 liegt die "Undine" bei 20 gewerteten Vereinen auf dem sechsten Platz. Die gesonderte Schülerwertung führt die "Undine" mit 38 Punkten vor Fechenheimer RG 1910 (25) und WSV Hellas Gießen (18) an.

Eine Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung im Gasthaus Schnell am 1. Weihnachtsfeiertag und eine Silvester-Feier mit "Freds Jazzband" am Jahreswechsel im "Frankfurter Hof" beenden ein für die "Undine" recht erfolgreiches Jahr.

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